Man lernt nie aus

Neulich beim Einkaufen bin ich über die Formulierung „im Naturdarm geraucht“ auf der Verpackung einer Fleischwurst gestolpert. Geraucht? Die können wieder kein Deutsch, dachte ich. Rauchen, weiß man, ist erstens „Rauch von sich geben“, wie Schornsteine oder Vulkane das tun, oder „Tabakprodukte konsumieren, indem man deren Rauch einatmet“, wie Raucher das tun. Das Haltbarmachen von Lebensmitteln durch Rauch heißt dagegen räuchern. Ich kenne mich da aus, bin als Übersetzer ja gewissermaßen vom Fach was Wörter und ihre Bedeutungen angeht.

Ich habe mich dann also darangemacht, einen bösen Text über diese elenden Sprachmetzger zu schreiben. Als Überschrift hatte ich Was haben die denn geraucht vorgesehen. In der mir eigenen Bescheidenheit wollte ich die Welt davon in Kenntnis setzen, wie nervig es doch ist, wenn die Leute ihre Kunden ständig durch sprachliche Schneematschpfützen schicken, indem sie hartnäckig Wörter falsch verwenden oder unscharf formulieren.

Diesen schlampigen Umgang mit Sprache finde ich deshalb so ärgerlich, weil die dabei entstehenden oft schon kaum zumutbaren Texte dann oft auch noch inkompetent übersetzt werden – von der Anweisung „Schreibense das ma eben auf Englisch auf!“ an den Praktikanten bis zum produktiven Einsatz von Google Translate o.ä. kommt alles vor. Am Ende kommen dann schwer lesbare bis unbrauchbare Übersetzungen heraus, mit denen alle Beteiligten nur Ärger haben. Das ließe sich durch halbwegs sorgfältiges Formulieren und Inanspruchnahme professioneller Sprachdienstleistungen fast immer vermeiden.

Es ist also ein rotes Tuch, auf das ich im Begriff war, wild loszugehen. Sicherheitshalber habe ich dann doch nochmal im Duden nachgeschaut. Und siehe da, unter dem Stichwort rauchen findet sich neben den eben erwähnten Bedeutungen auch:

rauchen (sw. Vf.; hat) […] 3. (Fachspr.) räuchern: Katenwurst schwarz geraucht.

Jetzt machen die mir meine schöne Motzerei kaputt, und ich habe wieder was gelernt.

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3 Kommentare on “Man lernt nie aus”

  1. eb sagt:

    Mach dir nichts draus. Englische Touristen in/auf (ist höhenbedingt) der schwäääbischen Alb, haben auch so ihre Schwierigkeiten, wenn ihnen jemand mit dem hier beliebten;
    „don’t feed the honk“ kommt.

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  2. Stefan R. sagt:

    Nicht genug damit: In Österreich, musste ich lernen, ist eine ‚gebratene Wurst‘ mitnichten zwingend eine Bratwurst, sondern eine heiß geräucherte.
    @eb: Und wenn der honk dann noch zum Handy greift und ihnen erklärt, dass man zu ‚Tour‘ hier ‚Fa(h)rt‘ sagt, ist vermutlich alles zu spät…

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  3. eb sagt:

    @Stefan 🙂

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In den Wald hineinrufen

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