Der Tortendieb schlägt wieder zu

Zu den Feiertagen haben sie in dem etwas abgelegenen Einfamilienhaus wieder eine schöne große Torte gemacht, und auf die hat unser Räuber natürlich ein hungriges Auge geworfen. Am Vorabend des großen Festessens zieht er deshalb los. Wie gehabt: Schwarzer Hut auf dem Kopf, Messer und Pistole im Gürtel, Tuch vor dem Gesicht. Mit dem Schloss an der Kellertür ist er per Du, das macht keine Probleme mehr. Also Tür auf, leise die Treppe hoch, durch die Küche in die Speisekammer, die Torte geschnappt, und ab durch die Mitte.

Die Torte ist diesmal besonders prächtig. Riesengroß, zweistöckig, mit viel Buttercreme und farbigen Verzierungen. Er trägt sie wie ein Kellner sein Tablett auf einer Hand, in der anderen hat er die Taschenlampe. Als er die ersten Stufen der Kellertreppe hinabsteigt, kommt die Katze wie bescheuert die Treppe heraufgerast, ihm zwischen den Beinen durch. Er macht einen Ausweichschritt, kämpft darum, das Gleichgewicht zu halten, greift mit der Taschenlampenhand nach den Stangen, die die Kellertreppe vom Flur abgrenzen. Genau dort steht mittlerweile die Katze, und statt einer Stange greift er die Katze, die prompt anfängt zu fauchen und zu kratzen.

Der Räuber erschrickt natürlich, wedelt wild mit der Hand, um die Katze abzuschütteln, während er mit der anderen Hand die Torte balanciert. Er schafft es dann auch, die Katze nach vorn  wegzuschleudern, zufällig in Richtung der Lampe, die über der Kellertreppe hängt. Während der Räuber weiter treppab schleicht, versucht die Katze, sich an der Lampe festzuhalten, aber der Glasschirm der Lampe bietet keinen Halt. Sie fällt also dem Räuber auf den Hut, als er gerade unter der Lampe hindurchgeht.

Der Räuber reißt vor Schreck beide Arme hoch und greift nach dem Hut. Die Torte fliegt hoch, er zieht sich den Hut mit Katze gerade rechtzeitig vom Kopf, dass die Torte mittig landen kann. Einem alten Naturgesetz zufolge tut sie das natürlich mit der matschigen Seite zuerst. Mit routinierter Bewegung wischt er sich das Gröbste aus dem Gesicht und sucht das Weite.

Die Leute im Haus wundern sich am Morgen schon gar nicht mehr, dass die Torte auf die Treppe geklatscht, die Buttercreme aufgeschleckt und die Katze – wie an den Buttercremespuren erkennbar – außer Haus ist. Jemand macht den Vorschlag, das nächste Mal doch besser Linzer Torte zu backen oder Pralinés zu reichen.

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In den Wald hineinrufen

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