Verrottet

Landwirtschaftliche Geräte haben einen ganz eigenen Charme. Trecker etwa. Beim Händler sehen die immer schick aus in ihren leuchtenden Farben. Während meiner Kindheit waren Trecker fast immer blassgrün, aber irgendwann wurden sie auch in Leuchtorange, Signalrot und anderen mehr oder weniger grellen Farben angeboten. Gekauft werden sie aber scheint’s immer noch vor allem in grün.

Eine Besonderheit an diesen Geräten ist, dass sie nicht lange neu aussehen. Meist nach dem ersten Einsatz auf dem Feld, spätestens aber ein paar Wochen nach Indienststellung, haben sie dieses angerostet zeitlose Flair, das sie dann bis ungefähr eine Woche vor Außerdienststellung beibehalten. Das Sitzpolster ist immer irgendwo aufgerissen, ein Kotflügel ist verbeult oder irgendein Teil fehlt, etwa die Klappe über dem Tankdeckel oder so. Trecker sehen in der Regel die ganzen zig Jahre, die sie typischerweise benutzt werden, gleich schäbig aus, sogar nach TÜV-Termin und Wäsche.

Wie lange Trecker normalerweise benutzt werden, weiß ich nicht, aber laut Statistischem Landesamt Baden-Württemberg dauert es bei derzeitigem Absatzniveau ca. 50 Jahre, bis der landwirtschaftliche Fuhrpark vollständig ersetzt ist. Egal, irgendwann ist auch bei der robustesten Apparatur Schluss, und wenn die Maschinen dann endgültig abgeritten sind und zum Schrotthändler gehen oder auf dem ansonsten ungenutzten Platz hinter der Scheune abgestellt werden, degenerieren sie innerhalb von Wochen zu völlig verrotteten, bemoosten und von Gebüsch überwucherten Rosthaufen.

Trecker sind natürlich die häufigsten landwirtschaftlichen Maschinen und deshalb besonders sichtbar. Anderes Gerät fällt weniger auf, die ganzen Güllewagen, Häcksler, Heuballenbinder usw. Und die stehen oft jahrelang in irgendwelchen Ecken auf den Feldern und rotten vor sich hin. Manchmal sieht das dann malerisch aus. Als Kind habe ich dann immer gerätselt, wozu diese gammelnden Schrotthaufen ursprünglich mal gebaut worden waren. Und jetzt weiß ich es oft immer noch nicht. Dieses Ding hier beispielsweise:

verrottet

Keine Ahnung, zu was das mal gut war. Aber malerisch sieht’s aus, und hübsche Details gibt es zu bestaunen:

verrottet_detail


3 Kommentare on “Verrottet”

  1. 0x0d sagt:

    Das war mal ein Ladewagen für Gras bzw. Heu. Boden und Seitenwände waren wahrscheinlich aus Holz und sind jetzt nicht mehr da, deswegen ist das nicht mehr so gut zu erkennen; der Aufbau vorne ist dafür jedoch charakteristisch.

    Vorne unten das Teil ist das „Pick-up“, das das Heu (das vorher zu Bahnen zusammengelegt wurde) vom Boden aufsammelt und nach oben durch den Kasten auf die Ladefläche hochschiebt. Angetrieben wird das ganze durch die Zapfwelle des Traktors und dann über die Ketten (die normalerweise durch eine Abdeckung geschützt sind).
    Zum Abladen diente einmal ein Kratzboden. Dies sind im Prinzip mehrere Eisenstangen, die an zwei Ketten (die längs um den Boden des Ladewagens verlaufen) befestigt sind und die Ladung mit sich nach hinten ziehen. Davon scheint aber nichts mehr erhalten zu sein.

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  2. gnaddrig sagt:

    Danke für die ausführliche Erklärung! Damit hätte ich gar nicht gerechnet🙂

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  3. […] habe mir den vergammelten Ladewagen für Heu von neulich nochmal angeschaut. Diesmal war das Wetter freundlicher, man sieht den Rost […]

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In den Wald hineinrufen

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