Noch ein schöner Tag

Neulich in der Buchhandlung ist mir auf einem der vielen Tische mit Krams – zumindest die großen Buchhändler mit ihren riesigen Läden in den Innenstädten verkaufen ja neuerdings neben Büchern alles mögliche, Küchenutensilien, Lego, Playmobil, Merchandise zu Prinzessin Lillifee, den Olchis, den Drei Fragezeichen usw. Also, auf einem der Tische mit sortiertem Kram gab es zwischen verschiedenen glücklichgrünen Artikeln, teils auch mit lächelnden Gänseblümchen drauf, glücklichgrüne Plastiktäschchen mit der folgenden Aufschrift:

Bitte Lächeln! Beginne den Tag mit einem Lächeln. Meistens lächelt er zurück.

So ein Quark! Wer ist denn das, der Tag? Wie lächelt ein Tag? Habe ich noch nie gesehen. Das gegen Ende der 80er Jahre allgegenwärtige Lied zur Idee ist mir damals auch maßlos auf die Nerven gegangen. Sonnenuntergänge mögen manchmal grimmig-verwirrt * über den Horizont blicken, aber Tage? Klar wird die eigene Stimmung gelegentlich wie ein Echo reflektiert und kommt zurück. Lächele Leute an, manche lächeln zurück. Sei freundlich, manchmal erwidert das jemand. Oft aber auch nicht. Der Tag – oder anders gesagt: Die Welt – schert sich dagegen einen Dreck darum, ob jemand morgens erstmal lächelt.

Und wenn ich mich nach einer viel zu kurzen Nacht (seit die Kinder fast immer durchschlafen meistens selbstverschuldet, aber egal) halbbewusstlos aus dem Bett quäle, klappt das mit dem Lächeln auch nicht so recht. Da käme dann höchstens eine Art verzogener Grimasse, wenn ich mich soweit durchringen könnte, und von der kämen dann garantiert Echos zurück, den ganzen schönen Tag lang.

Da fällt mir noch der alte Witz ein: Lächle, es hätte viel schlimmer kommen können. Ich lächelte, und es kam viel schlimmer. Das ist die Art Wirklichkeit, an der sich diese Art Kalenderspruch regelmäßig eine blutige Nase holt. Womit ich mich keineswegs dagegen ausgesprochen haben will, den Tag mit einem Lächeln zu beginnen.

Es gibt so Tage, da lächelt es sich wie von selbst. Der schöne Anfang ist dann ein kleiner Schatz für sich, den einem niemand mehr nimmt, egal was der Tag später noch bringt. Aber das kann man nicht nach Belieben herbeiführen. Ein absichtliches, künstlich aufgesetztes Lächeln am Tagesanfang wird kaum mal jemandem in angenehmer Erinnerung bleiben. Positiven Einfluss auf den Tag wird es auch nicht haben.

Also spare ich mir das und beginne den Tag nach Möglichkeit lieber mit einer schönen Tasse Tee. Da weiß man, was man hat…

*: Dies ist ein Link zu einer Vater-und-Sohn-Geschichte. Darauf weise ich hier nur deshalb hin, weil regelmäßig Leute über Suchbegriffe wie Vater und Sohn oder vater und sohn bildergeschichte o.ä. hier aufschlagen und diesen Artikel zum mit großem Abstand meistgelesenen Text auf gnaddrig ad libitum gemacht haben (über 3.000 Aufrufe, Stand 6. Januar 2015; über 6.400 Anfang Oktober 2016), dieser Link bisher aber noch keine zehnmal angeklickt wurde (22 Mal Anfang Oktober 2016; mittlerweile führt der Link leider ins Leere, die Zielseite ist umgebaut worden). Der Artikel hat ja mit Vater und Sohn von E. O. Plauen weiter nichts zu tun, und ich vermute, die Leute finden den Link nicht. Witzig…


7 Kommentare on “Noch ein schöner Tag”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Gefällt mir, auch wenn ich da gaaanz andere Meinung bin! Ein aufgezwungenes Lächeln nur für sich selbst kann schon mal helfen, es ist ein bisschen wie Frühsport für die Stimmung. Wenn eine Tasse Tee die gleiche Wirkung hat, dann aber umso besser!
    Dass „ein Tag zurücklächelt“ ist tatsächlich eine etwas stupide Betrachtungsweise… dass man aber mit etwas gutem Willen und auch Übung (und manchmal ist das halt nötig) das Schöne am Tag besser erkennen kann, ist eher eine tiefe pfeffermatzsche Weisheit😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Ok, die eigene Einstellung hat sicher einen Einfluss darauf, wie Dinge auf einen wirken. Insofern kann es vielleicht schon helfen, wenn man einfach erstmal lächelt. Aber so pauschal, also lächle, dann wird alles schön, ist das Unsinn. Aber wenn Du mit initialem Lächeln gut fährst, sei Dir das von Herzen gegönnt🙂

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  3. Nesselsetzer sagt:

    Beim Lesen des Artikels fiel mir das Buch „Sorge Dich nicht, lebe“ ein, welches eine Zeitlang in fast jedem Haushalt (außer in meinem) zu finden war. Schon beim Durchblättern fand ich die darin enthaltenen Thesen ziemlich blödsinnig. Dass dies jedoch nicht nur bei mir so war zeigte ein Folgebuch von einer anderen Autorin mit dem Titel „Sorge Dich nicht, schwebe – wie Sie durch Positives Denken kein Bein mehr auf die Erde kriegen“. In diesem Buch wird gar behauptet, dass positives Denken gar nicht existiere.
    Ich stimme dem uneingeschränkt zu. Das „positive Denken“ und das „morgendliche Lächeln“ ist bei mir genauso unbeliebt wie die Vielzahl der nervenden und aufgesetzten „Guten Laune“- Morgensendungen im Radio. Ätzend!
    Insofern können mich all die lustvollen Früh- und Fröhlichkeitsriten mal genauso wie der frühe Wurm.😉

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  4. gnaddrig sagt:

    Jawoll. Das aufgesetzte zwanghaft-fröhliche Herumgegutelaune nervt (mich). Irgendwo habe ich übrigens gelesen, dass Positives Denken laut einer Studie das Risiko signifikant erhöht, an Depression zu erkranken. Von daher: Finger weg davon. Außerdem: Den frühen Wurm fängt der Vogel😉

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  5. Pfeffermatz sagt:

    Na, bei der Gute-Laune-Radio-Apathie finden wir wieder zusammen, wie schön🙂 Aber im ernst – mag irgendwer das Zeugs? „Haha! Und der Morgen macht Spass! HAHAHA!“ Aber das ist ja auch eine Gute-Laune-Aufdringung von draußen und führt somit zwangsläufig zu einer Abwehrreaktion.
    „Positives Denken“ wiederum ist ein sehr vager und allgemeiner Begriff und sowieso ein schwieriges Thema (sonst gäbe es nicht so viele Bücher drüber)… Als arg rationaler Mensch neige ich eher nicht dazu, mich selbst zu belügen, weswegen ich eher gute Erfahrung damit habe. Genaugenommen kompensiere ich damit wohl meinen Hang zum düsteren Grübeln („Katastrophendenken“, heißt das offiziell).
    Ich gebe aber zu, dass dieser Ansatz bei etwas… leichtgläubigeren Menschen schnell zu Selbstbetrug und Augenverschließen führt… und sie somit schnell gegen die nächste Wand laufen🙂 Ich bin dagegen halbwegs gefeit, denn ich sehe die Wände schon aus meilenweiter Entfernung…
    Der Fehler, dem die meisten Psycho-Ratgeber unterliegen, ist es, zu glauben, dass eine Strategie, die für den einen gut ist, auch für alle anderen gut ist. Als würde der Fahrer eines Autos mit Rechtsdrall allen Autofahrern empfehlen, stets ein wenig nach links zu lenken, weil dass bei ihm so gut funktioniert🙂

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  6. gnaddrig sagt:

    Gute-Laune-Radio am Morgen ist das Letzte. Da kriege ich immer sofort schlechte Laune von. Aber es muss Leute geben, denen das wirklich gefällt. Komisch…

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  7. […] Dreifach, wenn es in solchen unmotivierten Aufmunterungsversuchen des Strickmusters Hey, lächle und alles wird besser!!einsdreizehn!! […]

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