Männer am Steuer

Vor kurzem hat ein Kollege über die hakelige Gangschaltung eines Mietwagens geklagt, und da ist mir ein Erlebnis aus den mittleren 80er Jahren eingefallen. Ein Bekannter – ältester Sohn von Freunden meiner Eltern, an die zehn Jahre älter als ich – beschwerte sich über sein Auto.

Als echter Mann und guter Deutscher bildete er sich direkt ab Bestehen der Führerscheinprüfung einiges auf seine selbstverständlich überdurchschnittlichen Fahrkünste ein. Er war einer der unzähligen „einzigen gescheiten Fahrer unter lauter hirnamputierten Vollidioten“ auf deutschen Straßen (und ich bin sicher, dass dieses Phänomen nicht nur hierzulande zu beobachten ist). Und als besonders hochkarätiger Spitzenklassefahrer hatte er natürlich nicht irgendein profanes Spießerauto.

Er fuhr vielmehr etwas Sportliches aus Italien, Lancia glaube ich, vielleicht auch Alfa Romeo, das weiß ich so genau nicht mehr. Eine kleine Rakete jedenfalls, ähnlich motorisiert wie Golf GTI oder Audi quattro, die sich aber mit ihrem mediterran-heißblütigen Charme und den eleganten Linien natürlich in ganz anderen ästhetischen Sphären bewegte. Man sollte sich zur Illustration hier wahrscheinlich noch ein paar erhebende Zeilen mit Stichwörtern wie Herz, Emotionen, Bella Macchina u.ä. aus einer Autozeitschrift dazudenken.

Nun trat der Mann wirklich nicht wie ein ästhetisch ambitionierter Feingeist auf, sondern eher wie ein grober Klotz, dem es immer wieder gelang, Leute mühelos vor den Kopf zu stoßen. Er fuhr seinen Hobel mit dem erklärten Ziel, möglichst vielen Spießern (also allen anderen Verkehrsteilnehmern) seine Auspuffrohre zu zeigen. Dazu muss man natürlich fix mit der Schaltung sein, damit man an der Ampel gut wegkommt. Und da lag sein Problem.

Seine Gangschaltung war nämlich hakelig, meinte er. Man kriege die Gänge gar nicht so gut rein, wie das eigentlich sein sollte. Er sei schon in der Werkstatt gewesen, um die ganze Schaltmechanik prüfen zu lassen, aber der Mechaniker habe ihm gesagt, es sei alles ok, da gebe es nichts zu reparieren oder zu richten. Er habe das Ding auch getestet, und es verhalte sich wie erwartet.

Hatte natürlich keine Ahnung, der Mechaniker. Logisch, der verdient zwar sein Geld mit dem Reparieren von Autos und hätte sicher zum Austausch eines Teils geraten, wenn an dem vorgefundenen auch nur eine Spur von einem Defekt erkennbar gewesen wäre. Wäre ja doof, sich einen auch nur halbwegs zu rechtfertigenden Auftrag entgehen zu lassen. Aber nein, der Mechaniker hat keine Ahnung, weil er nichts gefunden hat. Dabei hakte der Schalthebel doch wirklich.

Seine Frau, auf den ersten Blick ganz die klassische Manta-Beifahrerin, in Wirklichkeit aber völlig unblond, flocht an dieser Stelle ganz beiläufig ein, sie habe mit dem Auto nie Probleme. Die Schaltung sei sehr leicht bedienbar und gehe schön flüssig. Da hake nichts und es gebe gar nichts zu meckern. Worauf er anmerkte, Frauen könnten eben auch nicht autofahren, und überhaupt fehle ihnen für solche technischen Feinheiten das Verständnis.

Am Ende stellte sich heraus, dass er in dem Bestreben, möglichst sportlich zu fahren, derart hastig zu schalten pflegte, dass  er mit dem Hebel immer an den Ecken der Schaltkulisse hängenblieb und darum die Gänge nicht reinkriegte. Seine Frau schaltete zügig und entspannt, und die Schaltung hakte bei ihr nie. Das Problem war hier also nicht das Gerät, sondern ein Justierungsfehler in der männlichen Feinmotorik.

Manche Leute wären mit Automatikgetriebe besser bedient. Mittlerweile können die nämlich sogar sogenannte sportliche Fahrstile (in den meisten Fällen ist das unnötig aggressives Rasen oder auch nicht zu rechtfertigend riskantes Fahren, bei dem der eigene Fahrspaß über die Sicherheit aller anderen Verkehrsteilnehmer gestellt wird) besser und materialschonender schalten als die meisten handschaltenden Autofahrer…

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2 Kommentare on “Männer am Steuer”

  1. Stefan R. sagt:

    Ahh, solche Zierden unseres Geschlechts kenne ich auch zur Genüge. Das sind auch die Typen, wie ich letztens einen erleben durfte: 1,65 groß, Glatze und Kutte vom Moppedclub an. Schleifte breitbeinigen Ganges seine Freundin/Frau/Partnerin in die örtliche Filiale eines Multimediaverramschers und wollte eine bereits geöffnete DVD umtauschen mit der Begründung, er habe als Kunde schließlich ein Umtauschrecht. Als der Verkäufer freundlich meinte, das gelte nicht für DVDs, deren Folie bereits entfernt sei, er könne aber die gleiche DVD jederzeit als Ersatz bekommen, wenn seine beschädigt sei, legte der Knallkopp so richtig los: Drohte abwechselnd mit Anwalt (der eine interessante Variante des BGB studiert haben muss, sollte er den Fall annehmen) und mit seinen gewalttätigen Kumpels vom Zweiradverein. Rundherum schwerstes Fremdschämen und peinlich berührt sein, vor allem unter Männern. Als ihn der knapp 2 Meter große Securitymann, der sehr nach Kampfsport aussah, dann höflich bat, den Laden bitte zu verlassen, drohte er dem auch noch. Was kapieren solche Typen eigentlich nicht???

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  2. gnaddrig sagt:

    Gute Frage. Man steht dann daneben und wundert sich. Vor allem wenn es um Kleinkram wie eine DVD geht.

    Mein Bekannter von damals war eigentlich ein ganz anständiger Kerl (immerhin gab es nie auch nur eine Diskussion, ob seine Frau das Auto fahren durfte, das verstand sich) mit überblähter Machofassade und Null Feingefühl. Aber dass er tatsächlich mal jemandem ernsthaft an den Karren gefahren ist, habe ich nicht erlebt. War aber trotzdem unangenehm genug, und der Fahrstil – ohne Worte…

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