Zebrastreifen 2.1

Mein Vorschlag, eine technisch anspruchsvolle, dafür aber auch spektakuläre Anlage zum Überqueren vielbefahrener Straßen zu bauen, ist auf wenig Gegenliebe gestoßen. Selbst wenn ich einen geeigneten Standort und einen finanzkräftigen Geldgeber hätte, würde das Projekt sicher an Regularien, Risiken und Nebenwirkungen scheitern, wie Nesselsetzer ganz richtig anmerkt. Ein wirtschaftlicher Betrieb wäre von vornherein ausgeschlossen, das Ding wäre nur als Prestigeobjekt denkbar.

Da dieses Projekt damit ganz klar in den Bereich der Träumerei einzuordnen ist, kann ich gleich noch eins draufsetzen. (Das ist übrigens das Zeug, das Architekten, Autofirmen und andere visionär aktive, mit den Emotionen des Publikums jonglierende Personenkreise gern auf Messen und Ausstellungen vorstellen. Man denke nur an die vollmundigen Visionen aus den 60er Jahren von Siedlungen auf Mond und Mars, von den im Jahr 2000 allgegenwärtig gedachten Flugautos, oder auch an die unzähligen Konzeptautos und -häuser, die es so gut wie niemals aus dem Elfenbeinturm heraus in die Wirklichkeit schaffen.)

In einem Kommentar hatte ulf_der_freak vorgeschlagen, statt meines Riesenrades auf beiden Straßenseiten Katapulte aufzustellen. Da das nicht nur wegen der nötigen Beschleunigung problematisch wäre, sondern beim Aufprall auf der anderen Straßenseite auch ein gewisses Verletzungsrisiko mit sich brächte, habe ich den Vorschlag weitergedacht und präsentiere hier – gespannte Stille, Trommelwirbel, der Vorhang zittert, ein Raunen geht durch die Menge, meine Damunherrn, darf ich präsentierenden Zebrastreifen 2.1, eine Weiterentwicklung meiner Idee vom Dezember letzten Jahres.

Anstelle des sicherheitstechnisch bedenklichen Riesenrades könnte man eine Art Pendel einrichten. Das wäre eine halbrunde Brücke über die Straße, auf der eine Kabine immer hin- und herfahren würde. Sie würde an den Endpunkten immer einige Sekunden anhalten, damit die Fahrgäste aussteigen und die dort Wartenden einsteigen könnten. Das Pendel hätte wahrscheinlich eine ähnliche Kapazität wie das Riesenrad und wäre fast genauso cool. Wahrscheinlich auch ähnlich kostspielig und unwirtschaftlich, aber egal, wir träumen ja hier sowieso nur.

Man könnte dazu eine App anbieten, die einem auf Grundlage des Standortes und der eigenen Geschwindigkeit anzeigt, wieviele Sekunden man bei Eintreffen am Pendel auf die Gondel warten muss, damit man die Wartezeit dort durch Schneller- oder Langsamergehen minimieren kann. Das spart einem zwar keine Sekunde Zeit und keinen Zentimeter Weg, aber es fühlt sich besser an, als dann eine empfundene Ewigkeit von 22 Sekunden auf die Gondel zu warten. Da hier keine konstante Bewegung der Fahrgastzelle(n) vorliegt, dürfte das Konzept in Sachen Sicherheit weniger brisant sein. Auf eine Zeichnung verzichte ich mangels handwerklichem Können.

Stattdessen werden wir uns wohl weiterhin mit trägen Fußgängerampeln plagen müssen. Immerhin sind die manchmal nett verziert:

bring_mich_zum_leuchten


4 Kommentare on “Zebrastreifen 2.1”

  1. Nesselsetzer sagt:

    Die Idee ist gar nicht mal so schlecht, solange sie wie ein Aufzug betrieben wird. Schlecht wäre es nur, wenn die Konstruktion eine Automatik besäße, bei der die Kabine nach einer gewissen Zeit einfach wieder losfährt, Omas Gehhilfe schon drin ist und Oma selbt noch draussen. Dann sollte die Kabine sich zumindest so schnell hin und her bewegen, dass sie wieder am Ort ist, bevor die ältere Dame umfällt.

    Achso, das ist diesmal gar nicht unter „Kasperei“ veröffentlicht… 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Naja, die Kategorie „Technische Lösungen für den Alltag“ hat duchaus auch was Kasperiges an sich. Wenn Du da mal zurückblätterst wirst Du sehen, dass das alles auch nicht so richtig bitterernst gemeint ist…

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Ich würde praktischerweise eine Fahrkabine zur Überquerung der Strasse vorschlagen, also eine Art waagrechter Aufzug: diese würde natürlich die Straße überqueren und so den Verkehr behindern, aber das könnte man ja automatisieren, ähnlich wie bei eine Fußgängerampel mit Verkehrsüberwachung. Der Vorteil ggü der Ampellösung wäre vor allem, dass die Fahrkabine deutlich schneller wäre und bei geringem Verkehrsaufkommen die Autos nicht anhalten müssten: Man stellt sich rein, wie in einem Aufzug, die Tür geht zu, und wenn gerade mal kein Auto im Weg ist – wuuuuuuuusch. Schon ist man drüben.

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  4. gnaddrig sagt:

    Auch nicht schlecht. Vielleicht könnte man irgendwo eine Modellstadt bauen, wo diese ganzen innovativen Straßenüberquerungssysteme mal in echt ausprobiert werden. Da könnten dann auch die Architekten ihre Wohnutopien mal ausleben, Verkehrsplaner ihre Transportsysteme. Man wird sehen, wie gut das am Ende funktioniert. Jedenfalls dürfte es unterhaltsam sein 🙂

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