Notfall

Neulich hat Susanne Flach im Sprachlog einen Artikel im Guardian verlinkt, in dem es um die Aussprache englischer Wörter geht. Genauer: Um Aussprachefehler, die sich eingebürgert haben und jetzt als korrekt gelten, und die sich teilweise auch in der Schreibweise niedergeschlagen haben, wie etwa ask statt des eigentlich richtigen alten aks.

In dem Artikel kam nucular für nuclear vor, das fand ich irgendwie witzig. Nicht, dass nucular an einen Wortstamm erinnert, der gängiger oder verständlicher als das lateinische nucleus ist, von dem sich nuclear ableitet, aber das ist auch egal. Es klingt nett und ist geringfügig leichter auszusprechen. Ansonsten hat man öfters versucht, unverständliche Wörter mit einheimischem Vokabular zu deuten: So hat man auf volksetymologischem Weg das französische écrevisse zu crayfish umgedengelt, obwohl das gar kein Fisch ist, sondern eine Art Languste. Aus asparagus ist in manchen Englischen Dialekten sparrow grass geworden. Das macht keinen Sinn, aber man kennt die beiden Wörter, aus denen das gebastelt wurde, während asparagus ein fremdartiges Wortungetüm ist.

Das kann ich auch. Mir ist vorhin aufgefallen, dass man emergency ohne Änderung der Aussprache auch so schreiben kann, dass das Dringliche daran schon an der Schreibweise deutlich wird: emurgentcy. Dass das Substantiv emergency mit dem Verb to emerge – auftauchen, in Erscheinung treten, sich ergeben, sich herausstellen als (z.B. dringend) verwandt ist und mit urgent – dringend, eilig nichts tun hat, muss man ja nicht wissen (und ich bin auch zu faul, jetzt die echte Etymologie des Wortes zu recherchieren, sie tut auch nichts zur Sache). Eine emergency ist jedenfalls dadurch gekennzeichnet, dass sie dringend ist, und das wird durch meine Schreibweise eben sehr schön verdeutlicht.

Das erinnert mich an eine zwar nicht korrekte, aber einigermaßen einleuchtende Herleitung für das Wort Notfall, die ich mir als Kind im Vorschulalter zurechtgelegt hatte. (Ich habe mich schon in früher Kindheit für Wörter interessiert, wie sie klingen, warum sie so klingen, warum sie so sind, wie sie sind, und wie die Bedeutungen zustandekommen. Bei den Versuchen, mir die Bedeutungen zusammengesetzter oder fremd klingender Wörter zu ergründen, habe ich schon im Kindergartenalter fleißig Volksetymologie betrieben, ohne es zu wissen.)

Ich hatte damals Notfall so gedeutet, dass es, wenn man hinfällt (also einen Fall tut) und sich dabei wehtut, etwa die Knie aufschlägt, ja Not bereitet. Manchmal nur im Sinn von Schmerzen und Unannehmlichkeiten, manchmal aber auch bis hin zu einem echten medizinischen Notfall, wo man mit Pflaster nicht auskommt, sondern zum Arzt muss, vielleicht sogar möglichst schnell. Das wäre dann eine emurgentcy.

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2 Kommentare on “Notfall”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Und wenn der Fall ungeheuer weht tut ist es sogar ein Unfall.

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  2. gnaddrig sagt:

    Da bin ich noch gar nicht drauf gekommen, passt aber 🙂

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