Hier könnte Ihr Plakat hängen

Es wird ja häufig die in Deutschland vorherschende Verbotskultur beklagt. Alles und jedes ist verboten. Und wenn nicht verboten, dann doch grotesk überreguliert. Man kann hier kaum atmen, heißt es dann, es sei spießig und eng, zumal die Durchsetzung der Verbote mit der angeblich typisch deutschen ruthless efficiency durchgezogen wird. Die Ordnungsämter, weiß man, kennen (fast) keinen Spaß.

Dabei gibt es auch Lücken, etwa dass auf Autobahnen zunächst keine Geschwindigkeitsbegrenzung herrscht. Man kann fahren, was die Kiste hergibt, wenn der Verkehr das erlaubt, was er angesichts des unaufhaltsam wachsenden Verkehrsaufkommens nur selten tut, aber das ist ein anderes Thema; und natürlich wenn nicht aus diesen oder jenen Gründen für ein paar Kilometer dann doch eine Geschwindigkeitsbegrenzung verhängt wurde, was immer häufiger geschieht, sodass die geschwindigkeitsunbeschränkten Autobahnabschnitte schrumpfen. Man darf dort also vom Grundsatz her rasen, wenn das auch längst nicht (mehr) überall tatsächlich möglich oder erlaubt ist.

Aber trotzdem, es gibt sie, diese riesige, weltberühmte Verbotslücke. (Angeblich sollen sogar Reiseveranstalter in China, den USA und anderswo „Autobahnurlaube“ in Deutschland anbieten – x Übernachtungen mit Frühstück, eine fachkundige Einweisung in den deutschen Straßenverkehr und ein schnelles Auto mit unbegrenzten Kilometern zum Pauschalpreis, damit Leute aus Ländern ohne Autobahn auch mal auf echtem Asphalt mit dem Bleifuß spielen können.)

Es gibt aber auch kleinere Lücken im Netz, subversive Nadelstiche in das dicke Fell deutscher Regulierungswut. Hier zum Beispiel wird in einer Fußgängerzone die Allgemeinheit aufgefordert, Plakate anzukleben:

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Dass da wahrscheinlich ein Schelm das verboten! entfernt hat, ist nicht mehr zu sehen. Der hat sehr gründlich gearbeitet, oder es ist schon viele Regentage her. Aber, und hier zeigt sich die wahre Schönheit, das Publikum hat nicht einfach blind angefangen, die Wand mit Plakaten vollzukleben. Nein, sie haben ihrerseits diese Aufforderung einfach ignoriert und dadurch gewissermaßen ironisch gebrochen. Man muss uns gar nicht alles verbieten, wir kleistern auch ohne Verbot nicht jedes Stück Wand mit Plakaten zu. Steht so nicht ausdrücklich da, lässt sich aus der Situation aber ohne weiteres herauslesen.

Gut, der Aufkleber Für immer Karlsruh! hängt da, aber der geht nicht wirklich als Plakat durch. Dann sind da Reste von mindestens zwei Aufklebern, oder eher an die Wand gekleisterten Zetteln, das sieht nach Aufrufen zu Demos, hippen Events oder ähnlichem aus. Das gehört einfach an eine anständige Innenstadtwand, ganz unabhängig von der Verbotslage.

Und dann sind da noch, ganz elegant, unter dem ersten n und dem letzten e von ankleben die unteren Ecken eines schwarzen Plakats etwa im A3-Format. Da hat natürlich nie ein Plakat gehangen, das ist Teil des Ensembles, eine wortlose Darstellung von Hier könnte Ihr Plakat hängen.

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2 Kommentare on “Hier könnte Ihr Plakat hängen”

  1. Vielleicht würde es schon helfen, wenn dort ein höfliches „Bitte Plakate ankleben“ stehen würde. Aber die Leute einfach so anblaffen, das kann ja nichts werden.

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  2. gnaddrig sagt:

    Das ist natürlich richtig. Andererseits folgt die Aufforderung dem in studentisch-links-orientierten und Antifa-Milieus üblichen Duktus: Nazis schlagen, Nazi-Demo verhindern usw.

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In den Wald hineinrufen

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