Am Strand

Vor kurzem ist die Sprottendeern bei mir im Blog aufgetaucht. Sie hat selbst auch mehrere Blogs, eines davon ist sprottendeern, ein anderes lästerliches. Auf lästerliches gibt es Anmerkungen zur Welt an sich, Gedankenspielereien und Verwunderungen, die mir vom Stil sehr liegen, und auf sprottendeern stellt sie alle möglichen netten Basteleien vor. Das heißt nicht unbedingt, dass ich mit den einzelnen Dingern viel anfangen kann, aber die Art, einfach so Sachen zu machen, gefällt mir.

Die auf sprottendeern vorgestellten Handarbeiten sind nämlich allesamt zweckfrei, und das finde ich gut. Ich mache auch gern Dinge, die zweckfrei sind oder wenigstens keinem offensichtlichen oder sinnvollen Zweck dienen. Meine Kuckucksmaschine etwa, die habe ich wirklich gebaut, und sie ist absolut nutzlos. Mir gefällt die Grundhaltung, Dinge einfach nur zu machen, weil es Spaß macht, weil sie schön sind, oder weil das Material eben da ist und zum Interagieren einlädt. Da muss gar nichts wie auch immer Benutzbares bei herauskommen.

Vor Jahren waren meine Frau und ich mal mit Bekannten aus Uni-Tagen, nennen wir sie Robert und Alicia, für einen Tag am Strand. Es war ein fauler Tag im Sommer, unter strahlender Sonne bei angenehmem leichtem Wind. Wir haben geredet, gelesen, gedöst, gelesen, gegessen, gedöst usw. Am Nachmittag bin ich dann ans Wasser und habe ungefähr einen Meter vom Meer entfernt angefangen, ein Loch zu graben, ungefähr 80 mal 80 cm, einen halben Meter tief. Die Idee war, daraus vielleicht einen Hafen mit Kanal zum Wasser zu machen. Vielleicht. Nicht dass ich ein Schiff dabei gehabt hätte oder Material, um eins zu basteln. Aber egal.

Ich habe also in aller Ruhe gebuddelt wie ein Fünfjähriger, so richtig selbstvergessen mit einer langsamen Art Flow. Nach einer ganzen Weile sah ich, wie Alicia kurz mit meiner Frau sprach, offensichtlich über mich. Später habe ich erfahren, dass der Dialog ungefähr so gelaufen war: Was macht denn der gnaddrig da? – Weiß nicht, sieht aus als ob er ein Loch gräbt. – Ein Loch? Wozu das denn? – Keine Ahnung, geh ihn halt fragen.

Daraufhin kam sie stirnrunzelnd zu mir ans Wasser und wollte wissen, was ich da machte. Ich grabe ein Loch. Das hatte sie auch schon gesehen, hatte aber wissen wollen, wozu ich das Loch grub, und wusste nicht recht, wie sie weiterfragen sollte. Schließlich rang sie sich zu Was’n für’n Loch? durch. Meine Antwort – Mal sehen, ein Loch eben, einfach so – war natürlich nicht, was sie erwartet hatte. Sie ging leicht verwirrt wieder zurück zum Strandkorb, die Buddelei wurde danach nicht mehr erwähnt.

Es ist dann kein Hafen draus geworden, aber das Buddeln hat Spaß gemacht. Als ich keine Lust mehr hatte und zurück zum Strandkorb ging, haben, glaube ich, ein paar Kinder das Loch übernommen und weitergegraben. Ich finde, es muss auch nicht alles einen Zweck haben. Manchmal muss man auch einfach so vor sich hinmäandern und hinterher sehen, ob und wenn ja was dabei herauskommt. Man muss manchmal die Seele baumeln lassen, das ist gut für den inneren Frieden, gibt Spannkraft und neue Ideen. Das mag vom Persönlichkeitstyp abhängig sein, aber ich brauche das immer mal wieder.

In meinem Blog tobe ich diese Neigung übrigens regelmäßig aus. Auch wenn die Zweckfreiheit kein Programm ist – viele Texte hier sind einfach nur so, aus Spaß an der Freude, dem Spieltrieb geschuldet. Die meiste Zeit sitze ich hier quasi am digitalen Strand und spiele im Sand, baue Burgen aus Bits und Bytes und verziere die gelegentlich mit Pixeln.


2 Kommentare on “Am Strand”

  1. Werde ich jetzt berühmt? Naja, egal – Hauptsache, ich muß nicht erwachsen werden. 🙂 Dank für den Link – die Sprottendeern

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  2. gnaddrig sagt:

    Berühmt weiß ich nicht, soweit habe ich es auch noch nicht geschafft, aber für eine handvoll Besucher könnte das hier schon gut sein! Und nein, erwachsen musst Du nicht werden, jedenfalls nicht wegen mir 🙂

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