Abtauen leichtgemacht

Kühltruhen und Eisschränke sollten bekanntlich einigermaßen regelmäßig abgetaut werden. Das hat einerseits hygienische Gründe – im Rahmen der normalen Benutzung kommt es unvermeidlich zu Verunreinigungen, und irgendwann fängt auch der tiefgekühlteste Dreck an, komisch zu riechen. Außerdem setzt sich bei jedem Öffnen Luftfeuchtigkeit als Reif an den Kühlelementen ab und wächst mit der Zeit zu beachtlichen Eisschichten und Klumpen heran, bis die Schubladen irgendwann verklemmen oder man die Tür nicht mehr zukriegt. Und auch wenn die Tür noch zugeht, verbraucht das Ding dann mehr Strom als nötig.

Also ist es sinnvoll, die Kisten immer mal abzutauen und bei der Gelegenheit auch gleich den Innenraum zu säubern. Das geht meistens ganz einfach – ausschalten (oder Abtauautomatik einschalten), leerräumen, bei offener Tür stehenlassen, bis das Eis weg ist. Ob man das Tauwasser in einer Schüssel o.ä. auffängt oder hinterher die zu erwartende Riesenpfütze aufwischt, bleibt jedem selbst überlassen.

Das Problem

Je nach Vereisungsgrad muss man für das Abtauen einiges an Geduld mitbringen. Trotzdem sollte man tunlichst auf mechanisches Nachhelfen verzichten, sonst beschädigt man mit dem Schraubenzieher, Pfannenkratzer oder was man sonst so benutzt, möglicherweise ein kühlmittelführendes Rohr (die sind aus eher weichem Material gemacht und darum recht empfindlich). Dann entweicht das Kühlmittel und ein neuer Eisschrank ist fällig. Ich habe das mal in einer WG fertiggebracht. Der uralte und reichlich vergammelte Kühlschrank war dem Schraubenzieher nicht gewachsen und musste dann auf den Sperrmüll. Trotz allgemeiner Freude über diesen lange überfälligen Abschied war der Vorfall jedenfalls ziemlich peinlich.

Wem das Abtauen à la nature zu lange dauert, kann sich natürlich mit dem Föhn davorsetzen, aber das soll auch nicht so gut sein, weiß aber nicht warum. Vielleicht weil dann Plastikteile im heißen Luftstrom überhitzen, keine Ahnung. So oder so bleibt es lästig, und wer die Eiskühlvorräte vor dem Auftauen nicht ganz aufbrauchen kann oder will, muss das Zeug mit Kühlakkus, Isoliertaschen oder -boxen kühlstellen und hoffen, dass das Abtauen des Eisschranks schneller geht als das Auftauen der Vorräte. (Ich mache das sonst immer im Winter und stelle die Vorräte dann einfach bei Minusgraden so lange auf den Balkon; aber da der Winter bei uns in den letzten beiden Jahren ausgefallen ist, ging das nicht, es war einfach nie kalt genug.)

Die Lösung

So oder so, zur Beschleunigung des Abtauvorgangs wäre ein Abtaubeschleuniger nützlich. Die nötige Hardware haben Eisschränke meiner Meinung schon an Bord. Das Aggregat, das die Kälte produziert, müsste auch umgekehrt zur Produktion von Wärme fähig sein, ähnlich wie Lautsprecher auch als Mikrofon und Mikrofone auch als Lautsprecher benutzt werden können. Mit gewissen Einschränkungen in Funktionalität und Qualität, aber immerhin.

Wenn man jetzt das Kühlaggregat umgekehrt laufen ließe, also das Kühlmittel mit der Pumpe nicht auseinander ziehen sondern komprimieren ließe, müsste das Gerät ein gewisses Maß an Wärme produzieren. Das muss ja nicht einmal besonders viel sein. Beim Abtauen braucht man ja nicht jahrelang zuverlässig Hitze, auch muss das Ding nicht die Wohnung heizen. Es würde reichen, die Kühlrippen auf Handwärme zu erhitzen, dann würde das Eis viel schneller schmelzen, bzw. die Eisplatten würden von den Kühlelementen einfach abfallen anstatt von außen nach innen langsam aufzutauen. Dann könnte man die Eisbrocken einsammeln und entsorgen, anstatt sie vor Ort bis zum letzten Tropfen auftauen lassen zu müssen.

Es sollte eigentlich möglich sein, eine solche Zusatzfunktion des Kühlaggregats ohne übertrieben viel Aufwand zur Marktreife zu bringen. Es würde das Leben für Eisschrankbenutzer einfacher machen und dabei wenig Kosten oder zusätzlichen Ressourcenverbrauch verursachen. Im Gegenteil, notfalls könnte man es in Verbindung mit einem flachen Suppentopf sicher auch als Schongarer verwenden…

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11 Kommentare on “Abtauen leichtgemacht”

  1. Nesselsetzer sagt:

    Zum einen gibt es das schnelle Abtauen schon, und zwar in Kühlräumen, die regelmäßig turnusmäßig den Luftstrom über einen Lüfter erwärmen und somit das Aggregat abtauen (findet man in jedem Kühlhaus). Zum anderen lassen sich Gefrierschränke ganz leicht und schnell abtauen, indem man die Schubladen herausnimmt und einen Eimer heisses Wasser hineinstellt – und die Tür fast schließt. Das hat den Vorteil, dass das Abtauwasser zum Teil in den Eimer tropft und der Rest in die Schale, die man an dem dafür vorgesehenen Ablauf angebracht hat (gut dafür sind solche Fotoschalen, in denen früher die Papierfotos nach der Entwicklung gebadet wurden). Und schneller abgetaut als das Gefriergut aufgetaut ist das allemal, solange man das auch im Sommer kompakt an einen kühlen Ort stellt.

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  2. gnaddrig sagt:

    Du hast natürlich recht, aber Kühlhaustechnik ist für den Normalverbraucherhaushalt kaum geeignet (außer dem Workaround mit dem Föhn natürlich), und das mit dem heißen Wasser ist a) umständlich und b) viel zu langweilig. Ein extra Abtauprogramm, das auf Knopfdruck anläuft, macht viel mehr her 😉

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  3. Nesselsetzer sagt:

    Ah, verstehe! Irgendwie denke ich immer zu prakrisch, wie mir scheint. Nun man könnte auch noch eine elektronische Anzeige einbauen, die anzeigt, wenn der Gefrierschrank abgetaut ist und mit dem Abtrocknen anfängt, und wenn dann alles erledigt ist, dann sollte die Anzeige nach einem fulminanten Feuerwerk (schliesslich kommt das ja nicht so oft vor) dem Verbraucher anzeigen, dass er jetzt wieder das Gefriergut einräu… nein, er holt dann mit einem automatischen Gefriergutzurückholer alles wieder zurück und räumt selbsttätig. Dazu erklingt dann der Donauwalzer – wie in Österreich an Silvester. Und wehe es sagt jetzt jemand, ich würde übetreiben…

    😉

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  4. gnaddrig sagt:

    Genau, das ist ungefähr die richtige Richtung. Anders gesagt, mein Abtauvorschlag mit umgekehrt laufendem Kühlaggregat könnte im Prinzip vielleicht sogar funktionieren und wäre von daher zwar als echte Idee und ungefähr halbernst gemeinter Vorschlag einzusortieren. Da man im echten Leben aber erwiesenermaßen gut ohne auskommt, weil es genügend Methoden zur Beschleunigung gibt, muss man nicht mehr so streng realitätsnah denken und kann genausogut noch ein paar Wünsche drauflegen.

    Interessant wäre auch ein Gerät, das die abzutauende Eismenge misst. Egal, wie die Eismengenbestimmung technisch realisiert wird (Ich habe neulich mehrere Liter Wasser durch Abtauen gewonnen. Genau habe ich das nicht gemessen, aber es war schon ordentlich). Da der Kühlschrank der Zukunft ja sowieso internetfähig und mit aller möglichen Elektronik ausgestattet sein wird, hat man die nötige Infrastruktur ja schon verfügbar. Über das in wenigen Jahren sicher standardmäßig vorhandene Touchscreen kann man – wie beim Handy – eine Art Ladeanzeige ausgeben, damit man jederzeit weiß, wie es aussieht. Auch eine Smartphone-App wäre denkbar.

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  5. pantoufle sagt:

    Moin Gnaddrig

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  6. gnaddrig sagt:

    Moin Pantoufle, vielen Dank, das Eis ist weg 🙂

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  7. Pfeffermatz sagt:

    Was für ein Zufall, ich habe am WE meinen Tiefkühlschrank abgetaut – mit der langweiligen Heißwasser-In-Auflaufform-Methode. Dass man die Tür dabei schließen sollte, wusste ich nicht, klingt aber schlau. Das versuche ich nächstes Mal, außer natürlich ich besitze bis dahin ein Gnaddrig-Gefrier-System.

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  8. Nesselsetzer sagt:

    Die Tür schliessen? Das macht sicher Spaß, wenn sich beim Öffnen der Tür dann das Abtropfwasser tsunamimäßig in der Küche verteilt. Ein Spaß für jede Hausfrau. Fast schließen, FAST! 😀

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  9. gnaddrig sagt:

    Außer man hat einen gefliesten Küchenboden mit Abfluss…

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  10. Stefan R. sagt:

    Mann, müsst ihr mich alle pünktlich zum Frühlingsanfang daran erinnern, dass sich in meinem Gefrierschrank schon wieder Gevatter Permafrost breit zu machen beginnt? Ich hatte das so schön verdrängt! In Ermangelung geeigneter Evakuierungsmöglichkeiten (alle, die ich kenne, haben ihre Truhen bis zum Anschlag voll – der Mensch stammt wohl vom Hamster ab) hilft wohl nur: Leerfressen, das Ding.
    @pantoufle: Interessanter Vorschlag, ich werde darüber nachdenken…

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  11. gnaddrig sagt:

    Tja, das sieht tatsächlich nach Leerfressenmüssen aus. Obwohl, das macht man ja sowieso. Der Trick bei der Abtauvorbereitung ist, eine Weile nichts nachzukaufen bzw. einzufrieren, damit dann irgendwann nur noch das Echo drin friert.

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