Gehaltvoll

Kaum ein Tag, naja, kaum eine Woche jedenfalls, vergeht, ohne dass in den Medien der Smog in einer chinesischen Großstadt erwähnt wird. Mal ist es Peking, mal Shanghai, mal das weniger bekannte Neihuang. Die Bilder gleichen sich – Häuser verschwinden in grauem Nebel. Gelegentlich sieht man Vorher-Nachher-Bildpaare, wobei auf den smogfreien Bildern auch nicht immer so richtig klare Sicht herrscht.

Es gibt da eine Feinstaubskala, mit der der Smog erfasst wird. Es heißt, ab einem Wert von 10 was-auch-immer pro was-auch-immer sei es auf Dauer gesundheitsschädlich, diese Luft zu atmen. Die offizielle Skala in China hört bei 500 auf. Dass Werte deutlich über 500 gemessen werden, ist anscheinend keine Seltenheit, und Werte bis kurz unter 700 kommen immer mal wieder vor. (Das wird von den zuständigen chinesischen Behörden nicht offiziell bekanntgegeben oder bestätigt, ist aber wohl so.)

Smog ist jedenfalls ein großes Problem in China. In anderen asiatischen Ländern auch, Indien etwa. Von Kolkata, New Delhi, Mumbai sieht man auch gelegentlich Bilder mit dicker Luft. Ähnlich dürfte es in anderen Ballungsräumen aussehen, Mexico City etwa oder Rio de Janeiro. Auch Los Angeles und San Francisco in Kalifornien kennen den trüben Dunst zur Genüge.

Moskau hat ebenfalls ein Smogproblem. Die dortige Spezialität sind die praktisch nicht löschbaren Schwelbrände in den natürlichen Torfvorkommen im Umland, die jeden Sommer in der größten Hitze und Trockenheit ordentlich Rauch produzieren und damit die Stadt mal weniger mal mehr einnebeln. Das ist manchmal wochenlang dramatisch, und man kann froh sein, dort nicht wohnen zu müssen.

** * **

Dieser Smog verursacht jedes Jahr gewaltige Kosten: Erkrankungen der Atemwege müssen behandelt werden oder führen zu erheblichen Einnahmeausfällen bei den Betroffenen, die Lebenserwartung der Bevölkerung sinkt drastisch, und der Dreck in der Luft zerstört auch sonst alle möglichen Werte – Gebäude, technische Geräte. Und das Grundwasser ist zumindest in China genauso verdreckt, aber das ist ein anderes Kapitel dieser traurigen Geschichte.

Jedenfalls könnte man chinesische Luft abfüllen und verkaufen. An Forscher, als Sensation auf Partys, als Andenken („Jaha, sowas haben wir damals atmen müssen!“). Die Provenienzen Shanghai, Peking, Honkong, Chongqing, Shenyang, Tianjin, Guangzhou, Xi’an, Hangzhou und Harbin sind serienmäßig im Sortiment, weitere Großstädte bzw. Ballungsgebiete auch aus anderen Ländern auf Bestellung.

Eine weitere Produktlinie könnten Schneekugeln sein, nur eben nicht mit Schwarzwaldhäusern oder Schloss Neuschwanstein in kristallklarer Flüssigkeit mit blendendweißen Schneeflöckchen, sondern ergraute Betonklötze in trüber Brühe mit schmuddeligen Schlammflocken. Die Kugeln könnten den optischen Eindruck vermitteln, den der typische Smog beliebiger Ballungsräume dem Besucher bietet.

Die Flüssigkeit in den Schneekugeln könnte in Sachen Undurchsichtigkeit und Farbgebung die lokalen Gegebenheiten abbilden. Etwa so:

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7 Kommentare on “Gehaltvoll”

  1. Nicht schlecht, nicht schlecht… eine echte Marktlücke entdeckt!
    Sofort patentieren lassen, sonst macht das er erstbeste Chinese (oder sonst ein Landesbürger), der diesen Eintrag liest, und der Erfinder geht – wie so oft – leer aus.
    Ich hätte da noch eine Idee: Mit ein wenig Plastikmüll und einer kleinen Kurbel nebst Propeller o.ä. könnte man in gleicher Weise einen Müllstrudel für daheim konstruieren.

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  2. gnaddrig sagt:

    Auch nicht schlecht 🙂 Oder man baut in so eine Smogkugel eine Fabrik (statt Schwarzwaldhaus oder Neuschwanstein) rein, und über einen am Sockel angebrachten Gummiball, so ähnlich wie bei altmodischen Fahrradhupen oder Parfümzerstäubern, kann man dann feine Staubpartikel aus dem Schornstein blasen. Staub statt Schnee. Das Zeug lagert sich dann unten ab, und man müsste dann so eine Art Senke ins Gelände bauen mit der Ansaugöffnung des Blasebalgs an der tiefsten Stelle, dass sich dort immer wieder genug Dreck absetzt, den man dann oben rausblasen kann.

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  3. Stefan R. sagt:

    Coole Idee! Bin sicher, dass sich daraus was machen ließe.

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  4. gnaddrig sagt:

    Danke 🙂 Wie wär’s, wir machen auf Erwin Perzy und bauen im Nebenerwerb Smogkugeln?

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  5. Stefan R. sagt:

    Wenn ich nicht meinen Tagesjob aufgeben muss… 🙂
    Schon zum Patent angemeldet?

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  6. gnaddrig sagt:

    Und mein privilegiertes Geheimwissen öffentlich machen? 😀

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  7. […] in Mitteleuropa in Sachen Luftqualität längst nicht so schlimm geht wie den geplagten Anwohnern so mancher Metropole, riecht es gerade in der Hitze oft eher nicht nach Rosen, und von der Temperatur passt es […]

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In den Wald hineinrufen

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