Danebengegriffen

Eigentlich halte ich mich für einen recht vernünftigen und zurechnungsfähigen Menschen. Ich bin nicht die Sorte, die man mit ein paar Euro zum Einkaufen schickt und die dann das Geld je nach Alter in Schokolade und Cola bzw. Bier und Kippen umsetzt oder gleich in der Spielhalle oder Kneipe versackt. Und wenn ich einkaufen gehe – das tue ich ungefähr einmal die Woche, um den Kühlschrank wieder vollzukriegen – arbeite ich die (meistens überschaubare) Liste mit ihrem recht stabilen Kernbestand an Posten systematisch ab. Ich weiß in „meinen“ Läden, wo was steht und kriege das in der Regel zügig in den Wagen.

Manchmal greife ich aber auch daneben. Der Kaffee für einen anstehenden Besuch ist dann versehentlich halbentkoffeiniert gewesen. Klar, Filterkaffee mögen wir nicht so, bei uns gibt es Espresso. Darum habe ich klassischen gutbürgerlichen Kaffee schon so lange nicht mehr gekauft, dass ich gar nicht weiß, wie die Standardpackung Melitta, Dallmayr oder Jakobs Krönung derzeit aussieht. Abweichende Farbgebung etwa der entkoffeinierten Variante würde mir im Laden deshalb gar nicht auffallen. Ist mir gar nicht aufgefallen.

Aber immerhin ist es Kaffee, den ich angebracht habe. Das mit den Dosenmandarinen ist deutlich peinlicher gewesen, da habe ich versehentlich Mais gekauft. Sonnenmais. Statt Mandarinorangen. Jetzt komme mir keiner damit, dass Mais und Mandarinen beide mit Ma anfangen. Die Wörter sind so unterschiedlch lang, das lässt sich mit der Theorie des Ganzwörterlesens nicht wirklich erklären, zumal Sonnnenmais nicht wirklich mit Ma anfängt. Der Mais stand im Konservenregal unter den Aprikosen und neben den Ananasscheiben, da wo sonst die Mandarinen standen oder wenigstens hätten stehen sollen. Ich hatte mich im Laden sogar noch gewundert, dass die Dosen größer als sonst waren…

Vielleicht ist das auch nur ein Zeichen von Urlaubsreife, weshalb ich mich jetzt in ein langes Wochenende verabschiede.

 

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7 Kommentare on “Danebengegriffen”

  1. Das mit dem Kaffee merkt doch sowieso keiner, auf die Frage nach Koffein muß man nur die richtige Antwort parat haben, je nach Fragesteller. Oder das Gebräu etwas stärker ansetzen. Und warum nicht mal Maistorte servieren statt Mandarinentorte? Mir passiert es aber auch öfter, daß ich das wichtigste Teil von meiner Liste nicht eingekauft habe und statt dessen jede Menge andere Sachen nach Hause schleppe.

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  2. tinyentropy sagt:

    Genieß es 😉

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  3. gnaddrig sagt:

    @tinyentropy: Habe ich, danke 🙂

    @sprottendeern: Nichts gegen Mais, aber mit Mandarinen austauschbar ist der nun wirklich an den wenigsten Stellen. Bei Maistorte hätte ich sicher Akzeptanzprobleme…

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  4. Pfeffermatz sagt:

    Ja ja, rede dich da nur raus… Tatsächlich heißt das nicht „urlaubsreif“, sondern „alt“. Jedenfalls dann, wenn das Fehleinkaufen ein neues Phänomen ist. Bei mir heißt das seit meiner Kindheit übrigens „zerstreut“. Und statt „alt und deswegen zunehmend zerstreuter“ sage ich: „besonders müde“, oder „in Formeln versunken“.
    Mein größtes Problem ist übrigens, den Einkaufszettel wiederzu finden. Ich stecke ihn zuhause in eine beliebige Hosentasche, darauf folgen Haustürschlüssel, Portemonnaie und Autoschlüssel (naja, „Karte“ heutzutage), dann arrangiere ich alle Komponenten mehrmals um und steige ins Auto. Die Autokarte kommt in den Schlitz, und dann: wieder aussteigen, Haustürschlüssel raus, Tür aufmachen, Handy holen, in eine beliebige Tasche stecken, Schlüssel in eine andere Tasche, ggf. alles umarrangieren, losfahren, ankommen, Autoschlüssel in eine Tasche, Münze für den Einkaufswagen in eine andere, alles umarrangieren, Einkaufswagen holen, zurück zum Auto, irgendwas holen, zurück zum Laden… Naja, und vor der Gemüseabteilung suche ich dann meinen Zettel, von dem ich gerade mal „Möhren für die Kaninchen“ auswendig weiß, und finde ihn nicht. Dabei hatte ich ihn doch in die linke hintere Tasche gesteckt?

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  5. gnaddrig sagt:

    Hm, während ich „alt“ als Tatsache gar nicht abstreite (wobei das ein sehr vager Term ist), bezweifle ich, dass es ursächlich mit dem Danebengreifen zusammenhängt. Derlei Stunts habe ich auch vor Jahren schon gebracht, wo ich höchstens aus Sicht eines Fünfjährigen alt war, das ist also nichts Neues. Recht hast Du aber mit der Feststellung, dass bestimmte Verhaltensweise, Macken oder Phänomene gelegentlich, ähm, kontextsensitiv benannt werden. (Wenn ich auf meinem Willen bestehe, „weiß ich was ich will“, aus der meiner Frau bin ich stur. Wenn sie auf ihrem Willen besteht, „weiß sie was sie will“, aus meiner Sicht ist sie stur.

    Meine Hosentaschen habe ich soweit geordnet, dass alles seinen Platz hat und ich den Einkaufszettel immer wiederfinde. Von wegen alt und nicht mehr ganz beisammen 😉

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  6. Pfeffermatz sagt:

    Respekt! Oder es liegt – kontextsensitiv – an meinen Hosentaschen. Vielleicht muss ich mir mal deine ausleihen 😉

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  7. gnaddrig sagt:

    Soll ich Dir die Adresse von meinem Schneider geben?

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