Sonnenschutz mit Stil

Es gibt ja diese albernen Stoffhüte, die man so gegen die Sonne trägt, am Strand, beim Angeln, beim Wandern oder sonst im Rahmen touristischer Betätigung. Die Dinger sind rund, d.h. sehen von vorne, seitwärts und hinten ungefähr gleich aus. Wolfgang Stumph hat als Vater Udo Struutz in Go Trabi Go so einen Hut getragen.

Oft haben diese Dinger eine kleine Tasche mit Reißverschluss, wo man Kleingeld oder Schlüssel angeblich sicher aufbewahren kann (den Denkfehler bemerkt man, wenn einem der Wind den Deckel vom Kopf weht, nach Murphys Gesetz natürlich an einem Aussichtspunkt in den Bergen, am oberen Rand einer steilen Wand, oder auf einem Ausflugsdampfer). Sehr häufig findet man diese Sorte Hut in Andenkenläden und an Ausflugsorten, dann gern mit den beliebten, einfach lokalisierbaren Aufdrucken wie Ortsname oder Ich Herz Ortsname, mit Fotos der Sehenswürdigkeiten am Ort, oder auch mit ortsunabhängigen launigen Sprüchen zum Wetter oder zur Darmtätigkeit usw.

Etwas erstaunlich finde ich, dass renommierte Hutmarken sowas oft im Programm haben, da kann man locker an die Hundert Euro für ausgeben (das muss ungefähr so ähnlich sein wie Currywurst mit Pommes rot/weiß im Nobelrestaurant für einen dreistelligen Europreis, oder ein nichtironisch tiefergelegter, hochglanzpolierter Citroën 2CV mit V8-Motor, Klimaanlage und elektrisch verstellbaren Außenspiegeln – irgendwie unpassend).

Wie vielleicht angeklungen ist – ich mag die Dinger nicht, vor allem aus ästhetischen Gründen, dabei kann ihr Einsatz durchaus sinnvoll sein: Wenn man lange in der Sonne unterwegs ist, das Haupthaar sich (z.B. altersbedingt) lichtet und man sich die Resthaare nicht mit Sonnencreme verkleistern will (sowas ist heute in der Regel extra wasserfest und geht dann entsprechend schlecht wieder raus, und wer will sich schon die Haare hinterher mit Scheuermilch waschen müssen), muss man sich das Sonnenlicht irgendwie anders von der Kopfhaut fernhalten.

Klassische Strohhüte sind empfindlich, man kann sie nicht zusammenfalten und in Rucksack oder Tasche stecken. Jedenfalls nicht, wenn man sie hinterher noch zu benutzen gedenkt. Filzhüte sind im Sommer zu warm, und wenn man die zu sehr zusammenknüllt, kriegt man sie hinterher auch nicht mehr unbedingt in Form. Stoffhüte dagegen kann man falten und komprimieren soviel man will, sie beliebig lange in Rucksäcken, Taschen und sonstwo aufbewahren, und sie funktionieren immer noch.

Sogar wenn sie total zerknittert sind, wirken sie längst nicht so schäbig wie ein außer Form geratener Filzhut oder ein zerfaserndes Strohgebilde. Vielleicht, weil von so einem Stoffdingens sowieso niemand Stil erwartet. Oder weil es an leinentypisches Edelknitter erinnert, wer weiß. Außerdem kann man die quasi on the go bügeln, indem man sie nassmacht und auf dem Kopf trocknen lässt.

** * **

Egal, neulich ist im Hause gnaddrig das Gespräch auf diese Art Stoffhut gekommen, und ich hatte eine großartige Idee für ein innovatives Design. Wenn man schon mit ästhetisch unbefriedigendem Zubehör leben muss, und sei es nur weil alle möglichen Leute ständig sowas tragen und damit fast immer mehr oder weniger bescheuert aussehen, könnte man das doch durch ansprechende Gestaltung halbweg erträglich machen, oder für den empfindsamen Geist wenigstens etwas weniger unangenehm. Im Zeitalter realistischen und bezahlbaren Fotodrucks auf Stoff könnte man, entwickelte ich meine Idee laut denkend, doch alles mögliche auf diese Hüte drucken.

An dieser Stelle, noch bevor ich meine eigenen Motivideen präsentieren konnte, kam meine Frau mit Haarschopf. Klasse Idee, das könnte eine Eigenhaarverpflanzung überflüssig machen und dadurch erhebliche Kosten sparen. Bei guter Druckqualität und nicht allzuguter Beleuchtung sieht man vielleicht kaum einen Unterschied.

Ich selbst wollte Stahlhelm oder Strohhut auf den Stoffdeckel drucken. Schick fände ich auch einen Steampunk-Cyborg-Schädel…

Advertisements

One Comment on “Sonnenschutz mit Stil”

  1. […] Hüte auf der Straße. Alle möglichen Leute tragen Hut. Nicht Basecap, nicht Stetson, nicht Touristenhut, sondern den altmodischen Herrenhut. Trilby heißt die Sorte Hut wohl, und ich fand die schon immer […]

    Gefällt mir


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s