Ergonomie von der Stange

Ich gehöre zu den vielen Leuten, die ihren Lebensunterhalt am Computer verdienen. Monitor, Tastatur und Maus bzw. Trackball sind die Arbeitsgeräte, mit denen ich meine Tage so verbringe. Und mein Blog diktiere ich natürlich auch nicht meinem persönlichen Referenten ins Notizbuch, das betreibe ich in meiner Freizeit mit den gleichen Utensilien. Da kommt also einiges an Zeit am Computer zusammen, da liegt die Idee nahe, möglichst mit qualitativ hochwertigen Geräten zu arbeiten, die zu meiner Anatomie passen.

Auf Anraten eines Ergonomieberaters habe ich mir eine Tastatur ohne Nummernblock besorgt, damit die Maus dichter am Kerntastenfeld liegen kann und ich mit der rechten Hand nicht so weit nach rechts greifen muss, um die Maus bedienen zu können. Das tut meiner rechten Schulter merklich gut. Außerdem habe ich mir einen Trackball besorgt, zusätzlich zur Maus. So kann ich immer mal zwischen den Geräten wechseln oder die Maus eine Weile lang mit links statt mit rechts bedienen, um Rücken, Schultern, Arme und Handgelenke durch verschiedene Hand- und Armhaltungen zu entlasten.

Seit Jahren arbeite ich lieber mit Trackball als mit Maus, u.a. weil ich bei der Maus nach einer Weile Unterarm und Hand verkrampfe. Beim Trackball bleibe ich entspannter. Das Problem an Trackballs ist nun, dass die zwar häufig damit beworben werden, sie seien „ergonomisch geformt“, dieses Versprechen aber kaum einhalten können, obwohl sich in der Hinsicht in den letzten Jahren enorm viel getan hat. Der Grat zwischen zu langsam und so  stark beschleunigt, dass man kaum noch präzise arbeiten kann, weil man mit dem Zeiger den Zielpunkt nicht trifft ist beim Trackball schmaler als bei der Maus, und lange Zeigerbewegungen kann man meist nicht in einem Stück machen. Ich muss oft mehrmals ansetzen, um von einer Ecke des Bildschirms in die andere zu kommen. Ob sich das mit größeren Kugeln lösen ließe, weiß ich nicht, ich bin aber skeptisch.

Überhaupt ist die Bauform bei Trackballs ein schwieriges Ding. Von einem ergonomisch einwandfrei geformten Trackball erwarte ich, dass er gut in der Hand liegt, dass ich die Hand bequem auflegen und unverkrampft arbeiten kann. Da Leute aber sehr unterschiedlich große und proportionierte Hände haben (Verhältnis Fingerlänge zu Handfläche, Breite der Hände usw.), passen die one-size-fits-all-dimensionierten handelsüblichen Trackballs der Mehrheit der Benutzer zwangsläufig nicht wirklich gut in die Hände.

Dazu kommt, dass man zur Bedienung der Geräte, ähnlich wie bei Standardmäusen auch, den Unterarm mehr oder weniger verdrehen muss, um die Tasten gut zu erreichen. Das ist auch nicht gut. Aber senkrechtstehende Mäuse passen nicht jedem (ich habe das ausprobiert und das Arbeiten damit als viel anstrengender empfunden). Keilförmige, idealerweise variabel einstellbare Unterlagen für den Trackball, mit denen sich das Ding in eine ergonomisch günstigere Position bringen lässt, gibt es meines Wissens im Handel nicht, und das Selberbauen birgt manche Schwierigkeiten.

Natürlich kann man Trackballs auch auf vielerlei Arten benutzen, und zwei Leute mit gleich großen und gleich dimensionierten Händen können denselben Trackball sehr unterschiedlich bewerten – dem einen passt er, dem anderen ist er zu groß, zu klein oder sonstwas.

Mein derzeitiges Gerät – ein Logitech M570 – funktioniert gut und liegt, sagen wir, akzeptabel in der Hand, ist aber weit davon entfernt, wirklich gut zu passen.

Meine Idee zur Lösung des Problems: Ich sehe einen Markt für halbfertige Trackballs, wo statt der Handauflage nur eine Art leere Schale mitgeliefert wird, in die man sich von einem Orthopädiemechaniker eine passende, maßgeschneiderte Handauflage hineinmodellieren lassen könnte. Das würde dann sicher geringfügig teurer werden als ein Trackball von der Stange, aber das Mehr an Bedienkomfort könnte das für manchen aufwiegen. Ich würde sowas sofort kaufen!

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In den Wald hineinrufen

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