Rotzjungen

Eine Frage begleitet mich im Prinzip seit dem ersten Fußballspiel, das ich im Fernsehen verfolgt habe. Oder seit ich im Sportunterricht mit einigem Befremden beobachten durfte, wie ein paar von den Tollen (das sind die, die immer die Mannschaften wählen dürfen bzw. als erste gewählt werden) das Gehabe der jeweils aktuellen Fußballstars nachäfften.

Anlässlich der aktuellen Männerfußballweltmeisterschaft kocht diese Frage wieder hoch, und auf Vorschlag meiner Frau schreibe ich die hier mal auf. Vielleicht weiß ja wer eine Antwort.

Also: Warum spucken Fußballspieler ständig auf den Rasen? Ich persönlich verspüre selten bis nie das Bedürfnis, auszuspucken. Vielleicht, wenn mir eine Fliege in den Mund geraten ist oder eine Kirsche innen faulig ist oder so, klar. Aber sonst? Eigentlich nie.

In dieselbe Schublade gehört das Naseputzen ohne Taschentuch. Da blasen immer wieder welche ihren Schnodder auf den Platz. Im Laufe von 90 Minuten müssen die 22 eifrigen Rotzjungen doch erhebliche Mengen Körperflüssigkeit mit voller Absicht auf genau den Rasen befördern, auf dem sie sich ständig langmachen und herumwälzen. Ich finde das in hohem Maße eklig, und ich kann wirklich nicht nachvollziehen, wieso die das machen.

Meine zweite Frage in diesem Zusammenhang ist, warum die Kameras da so oft draufhalten. Mir scheint, dass das bei dieser Weltmeisterschaft häufiger vorkommt als früher. Immer wieder kann man dem einen oder anderen Spieler in Großaufnahme beim Rotzen zuschauen.

Wieso macht die Bildregie das? Soll das einen Erziehungseffekt erzielen? In der Form, dass die jeweiligen Trainer oder Verbände ihre Spieler anhalten sollen, sich doch bitteschön zu benehmen, weil die Zuschauer sonst motzen? Oder ist das Gegenteil der Fall, die wollen dem Volk zeigen, dass da noch echte Kerle auf dem Platz sind, allem modernen Schnickschnack zum Trotz?

Und derweil machen die ganzen kleinen Möchtegernfußballweltmeister auf den Bolzplätzen in DFB-Land ihre Idole nach und rotzen die Fußballplätze (und natürlich auch sonst den öffentlichen Raum) voll so gut sie können. Das nennt sich dann sauberer Sport, oder was?

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10 Kommentare on “Rotzjungen”

  1. knipserei sagt:

    Zur ersten Frage: Ich spiele kein (!) Fußball, war aber über lange Jahre ein heftiger Langstreckenläufer. Frag mich bitte nicht warum, aber es ist einfach so, ab einer gewissen Körperleistung hast du soviel Speichel im Mund, den kannst Du nicht mehr schlucken, den muss man spucken. Will ich damit nur sagen, das ist ne körperliche Reaktion, keine Allüren von Sportlern.

    Das mit dem Rotzen kenne ich auch. Liegt einfach daran, dass an als Sportler kein Päckchen Tempo mit sich führt. Und, unter uns, wer das kann ist gut. Mir ist das nie gelungen. Aber auch die Nasensekrete werden durch Sport wohl angeregt – auch keine Allüren.

    Dritter Komplex, warum halten die Kameras drauf. Hey, das scheint für die Kameras die Ausgeburt des Männlichen zu sein. Harte Männer, kurze Wege (schlechte Pässe), oder irgendwie so. Gucken tu ich das auch nicht gerne, aber wenn ich bei Kilometer 23 war, hab ich das auch immer gemacht. Und vielleicht wollen die Kameras halt das Ganze vom Mann und da sie ihn nicht nackt bekommen, dann halt nackte Spucke und nackte Rotze … aber das ist nur ne These.

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  2. gnaddrig sagt:

    Wow, das ging schnell 🙂

    Ok, dass körperliche Anstrengung die Produktion dieser Sekrete anregt, kann sein. Das habe ich nie erlebt (laufen ist nicht so meins, und beim Radfahren und in den Bergen herumstiefeln ist vielleicht anders). Dass die keine Taschentücher auf dem Platz bei sich tragen, leuchtet natürlich ein. Dass das Zeug raus muss, verstehe ich auch, und wo soll es sonst hin. Beim Laufen lässt man das dann wenigstens hinter sich, während auf dem Fußballplatz… blärgs.

    Der Gedanke mit der Männlichkeit bzw. dem Versuch, selbige auszudrücken, ist mir auch gekommen. Das wird jedenfalls in der Schule ein Hauptmotiv gewesen sein. Aber das waren auch pubertierende Jungs, da ist das noch was anderes. Insofern muss ich meinen Satz vom Gehabe der Stars relativieren: Gehabe ist es eher bei den jugendlichen Nachahmern. Bei den großen Fußballern ist es wohl eher so, dass die einfach machen können, was sie wollen, solange sie Leistung bringen.

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  3. Der Spiegel schrub auch darüber: http://m.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/a-973616.html – doch auch ohne die Sache mit der Kamera. Dafür mit Foto.

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  4. gnaddrig sagt:

    Die bei SPON haben natürlich recherchiert, ich nicht. Sehr interessant jedenfalls, danke für den Link!

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  5. tinyentropy sagt:

    Den Grund kannte ich auch nicht. Wohl aber das Phänomen aus eigener Erfahrung 🙂

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  6. gnaddrig sagt:

    Dann ist es doch gut, dass wir uns hier mal drüber ausgetauscht haben 🙂

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  7. hijack sagt:

    Und alle (guten) Gründe hin oder her, es ist und bleibt für den unbeteiligten Zuschauer einfach WUÄRCH!

    (Noch viel mehr allerdings ekelt mich dieses Verhalten bei Jugendlichen in Fußgängerzonen, am Bahnsteig, etc. -.- Auf dem Fußballrasen wälzen sich ja wenigstens die Verursacher selbst drin, das mag mich zwar anwidern, aber kann mir noch relativ wurscht sein. Bei den anderen Lokalitäten hingegen…nunja. Wie oft ich Sitzbänke am Bahnsteig schon gemieden habe wegen der Rotzepfützen am Boden direkt davor….)

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  8. gnaddrig sagt:

    Oh ja, das sehe ich ähnlich.

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  9. Pfeffermatz sagt:

    Also, den ganzen Tag Mathematik machen (naja,Programmvorgaben schreiben und analysieren und auswerten) kann auch zieimlich schweisstreibend sein. Wenn ich fertig geurlaubt habe, gewöhne ich mir im Büro als erstes das Spucken an. SPON sagt das muss so!

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  10. gnaddrig sagt:

    Klasse, und dann schreibst Du einen bösen Artikel über die intoleranten Motzköppe, die sich über die Schmiere auf dem Boden beschweren…

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In den Wald hineinrufen

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