Kakerlake auf Rädern

Autos haben Namen. Damit meine ich nicht die individuellen Spitznamen, die manche Exemlare von ihren oft langjährigen Besitzern erhalten („Und dann fahre ich mit Paulchen zum Einkaufen“), sondern die Bezeichnungen, unter denen die Modelle vom Hersteller angeboten werden.

Oft sind das einfach technisch anmutende Kürzel wie R4 oder Ro 80, A6 oder V70. Oft sind es aber auch „richtige“ Namen – Taunus, Kadett, Passat, Cayenne, Quattroporte, Barchetta usw. Manchmal werden klingende Namen in Abkürzungen versteckt wie bei der DS von Citroën, wo die beiden Buchstaben ausgesprochen wie Déesse – Göttin klingen. Dann haben Automodelle oft Spitznamen, die ihnen der Volksmund gibt – Badewanne, Bulli, Käfer, Ponton, Ente usw.

Es ist für Autohersteller nicht einfach, für ihre Produkte geeignete Namen zu finden. Egal ob ein alphanumerisches Kürzel, ein gemeinsprachliches Wort oder ein Kunstwort als Name vergeben werden soll – er soll gut klingen und in den Sprachen möglichst vieler Zielmärkte ausprechbar sein. Er soll dem Auto eindeutig zugeordnet werden können, darf also noch nicht vergeben sein. Er soll klanglich zum Auto passen, also nicht zu aggressiv oder zu mild klingen, je nach Auto.

So ein Name darf keine Markenrechte verletzen und soll auf keinen Fall eine unerwünschte Bedeutung in egal welcher Sprache haben. Und dieses letztere ist ausgesprochen schwierig. Es gibt mehrere tausend Sprachen auf der Erde. Die kann man natürlich nicht alle berücksichtigen. Wenn man sich auf die Sprachen beschränkt, die eine Wikipedia mit mehr als 25.000 Artikeln haben, sind das immer noch knapp 100. Niemand beherrscht alle diese Sprachen, und kein Autohersteller hat Sprecher aller dieser Sprachen greifbar, um Namensvorschläge auf peinliche Bedeutungen abzuklopfen.

Die Wörter durch Suchmaschinen und Wörterbücher zu jagen, hilft da wenig, da man gerade auf umgangssprachliche Bedeutungen und Slangausdrücke abzielen sollte, die nicht immer Wörterbüchern auftauchen. Schon in den Sprachen mit den meisten Sprechern findet man längst nicht alles, was umgangssprachlich passiert, in Online-Wörterbüchern. Und manchmal kommen die verantwortlichen Produktvermarkter scheint’s auch gar nicht erst auf die Idee, dass es ein Kunstwort schon irgendwo in echt geben könnte und das Wort in der betreffenden Sprache eine nicht zum Auto und zum angestrebten Image passende Bedeutung haben kann.

Ein klassisches Beispiel für einen peinlichen Fehlgriff ist der Mitsubishi Pajero. Pajero heißt auf Spanisch u.a. auch Wichser. Das heißt, das Auto ist unter dem Namen in den spanischsprachigen Ländern mit insgesamt knapp 400 Millionen Sprechern nur schwer verkäuflich. Das war also ein unschöner Schuss ins eigene Knie. (Man hat das Modell dann für die spanischsprachigen Märkte schnell in Montero umbenannt.)

Auch Markenrechte können ein Problem sein. Opel hatte einen zweisitzigen Flitzer namens Tigra im Programm, und der russische Autohersteller GAZ baut einen Hardcore-Geländewagen namens Тигр (Tigr), das ist in etwa die russische Antwort auf den amerikanischen Hummer. Irgendjemand hat diese Monster unter dem Markennamen Tigr auch in Deutschland vertrieben und prompt Ärger von Opel bekommen, wegen der Ähnlichkeit der Namen (obwohl die beiden Autos nun wirklich niemand verwechseln kann, jedenfalls nicht vor der dritten Flasche Doppelkorn).

Und jetzt ist mir der Hyundai Terracan untergekommen, übrigens eine Art Cousin des oben erwähnten Mitsubishi Pahero/Montero. Bei dem Namen musste ich gleich an das russische Wort таракан (tarakán) denken, das heißt Kakerlake…


7 Kommentare on “Kakerlake auf Rädern”

  1. Nesselsetzer sagt:

    Mir sind auch auch ein paar Wörter bekannt, die ganz lustige und manchmal auch peinliche Verwechslungen in verschiedenen Sprachen erzeugen. So sollte ein griechisches Restaurant in Polen niemals Henne (Kota) servieren, denn Polen mögen keine Kätzchen auf dem Teller. Auch sollte man einem Deutschen nie auf Polnisch sagen, dass er jetzt eine Katze (Kot) geschenkt bekommt.

    Doch auf keinen Fall sollte eine Frau auf Polnisch im Beisein von Griechen ganz unbefangen von ihrer Lunge (płuca) sprechen. Die entrüsteten Blicke der griechischen Gesellschaft wären ihr sicher…

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  2. gnaddrig sagt:

    Falsche Freunde und sprachliche Fettnäpfchen gibt es viele, da kann man eine Menge Spaß mit haben.

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Gerade im südamerkianschen Spanischen soll es wohl extrem schwierig sein, einen Werbeslogan zu finden, der nicht total schweinisch ausgelegt werden kann. Jedes Substantiv und jedes Verb hat angeblich eine sexuelle Zeitbedeutung, und nur ein Muttersprachler kann sicher sagen, ob die ausgesuchte Kombination von Begriffen (also der Slogan) ausreichend koscher ist.

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  4. gnaddrig sagt:

    Stimmt, und dann können sich die Details noch von Land zu Land ändern. Was in Argentinien geht, kann in Mexiko, Chile oder Kolumbien unmöglich sein und umgekehrt.

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  5. Autonamen sind eigentlich schon recht schwer zu wählen. In fast jedem Land sollten Autohersteller ihre Namen testen lassen.

    Toyota musste so den den MR2 in Frankreich auch umbenennen ;-). Die sportliche Version vom Focus, der Focus ST sorgte in England für Gelächter, weil es die Abkürzung für „sanitary towel“ sei. Und „iMiev“ ist für ein Elektroauto in Deutschland vielleicht auch nicht gerade passend. Der VW Bora wurde bei einigen oft „bore“ genannt.

    Aber auch bei Nummern gab es schon ärgern.

    Porsche wollte den 911er zuerst auch als 901er auf den Markt bringen. Peugeot hatte sich aber alle Nummern mit einer Null in der Mitte schützen lassen. Dann kamen halt noch 10 dazu. Volvo wollte die Modellreihe S40/V40 erst S4, bzw. V4 nennen. Das ging aber nicht, weil Audi dazu die Rechte hat.
    Aber auch mit dem Design haben einige Autohersteller schon daneben gegriffen. Vor allem der Ford Edsel war ja ein Flop, weil der Kühlergrill an den Intimbereich einer Frau erinnerte.

    Das Beste ist wohl einfach – ausprobieren. Und das machen die Hersteller ja.

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  6. gnaddrig sagt:

    Hast recht, letztendlich läuft es auf Ausprobieren raus. Aber je mehr man im Vorfeld abcheckt, desto eher schafft man es, peinliche Missgriffe wie das mit dem Pajero zu vermeiden. Solche Dinge können immerhin Umsatz kosten, und so eine Umbenennung und Neuplatzierung ist sicher auch nicht billig. Und meistens ist es anscheinend mit einem Namen nicht getan, heute wird gleich in Namensräumen gedacht (wie bei Peugeot mit der Mittelnull). Das ist also ein Minenfeld, man darf auf die nächste Panne gespannt sein…

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  7. Das bedeutet natürlich auf jeden Fall ein Verlust für den Hersteller. Ich bin gespannt, wie BMW den „M4“ in GB verkaufen wird. Dort heißt eine „Autobahn“ so. Bei einigen Autos hat sich der „falsche“ Name auch durchgesetzt. Volvo durfte in Deutschland die Amazon nicht Amazon nennen, weil irgendein Moped so hieß. Da wurde es die „120“er-Serie.

    Ich finde „alte“ Auto-Namen immer noch besser. Kadett, Kapitän, Admiral, Isabella, Golf, Passat, Karmann Ghia. Klingt so gut :).

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