Mikrokosmen

Das Universum ist cool. Und es gibt jede Menge Dinge, die man noch nicht drüber weiß. Weil das so ist, konnte Science Fiction als Genre überhaupt so erfolgreich werden. Wäre das Weltall bis in die letzte Lichtsekunde des letzten schwarzen Lochs bekannt, wären diese Geschichten kaum so reizvoll. Wenn sie überhaupt geschrieben worden wären, dann als verstiegene Cousins des Heimatromans bzw. -films und höchstwahrscheinlich eher uncool.

Das Universum ist also cool, und es gibt da draußen noch jede Menge zu entdecken. Nun ist es natürlich nicht so, als wäre die Erde bis in den letzten Winkel erforscht. Der Ozeanboden beispielsweise ist weitgehend unbekannt, es gibt nicht einmal genaue Karten davon. Im Vergleich zu dem, was wir über die Tiefsee wissen, kannte sich Columbus auf der Erdoberfläche hervorragend aus. (Deshalb sind die Westindischen Inseln auch in der Karibik und nicht in der Gegend von Indien.)

Man muss allerdings gar nicht so weit reisen, um Unbekanntes zu finden. Sogar von dem, was in einem einzigen Kuhfladen vor sich geht, weiß man noch längst nicht alles. Vom menschlichen Gehirn ganz zu schweigen.

Und ganz erstaunlicherweise sind es nicht nur solche – nehmen wir das Gehirn – hochkomplexen und in ihren mikroskopisch kleinen Strukturen und unzähligen biochemischen Prozessen dann doch unüberschaubar großen Dinger, die Geheimnisse bergen. Schon eine ganz banale Küchenschublade kann, wenn sie schon nicht gänzliches Neuland ist, ihre erstaunlichen weißen Flecken enthalten. Da finden sich beim jährlichen Aufräumen Dinge, die man dort nie erwartet hätte und von denen man auch nie gedacht hätte, dass sie dort überhaupt reinpassen, ohne dass man sie auf den ersten Blick sieht.

Eine andere Klasse Mikrokosmos von erstaunlichem Fassungsvermögen sind Kabelsalate an oder hinter technischen Geräten. Die gemeine Stereoanlage etwa, das sind oft drei, vier einzelne Geräte. Verstärker, Radio, Cassettendeck (manche haben sowas noch rumstehen), CD-Player, alles schön mit Kabelwerk vernetzt. Die Kabel sind natürlich viel zu lang, und je nach Veranlagung knüllt man die überzähligen Drahtmeter dann hinter den Apparaten zusammen oder wickelt sie ordentlich auf und fixiert sie mit Kabelbindern. Egal wie man es macht, der Kabelhaufen kann beeindruckende Ausmaße annehmen.

Ähnlich sieht es hinter vielen heimischen Computerarbeitsplätzen aus: High Tower, Monitor, Tastatur, Maus, Drucker, externe Lautsprecher, externe Festplatte, evtl. Joystick o.ä. Nicht jeder hat das ganze Zubehör per Bluetooth oder Infrarot angebunden, und dann kommt auch wieder mancher Meter Kabel zusammen.

Wir haben uns vor einer Weile einen neuen PC besorgt, weil der alte nicht mehr recht mochte. Beim Aufstellen habe ich den ganzen über die Jahre gewucherten Kabelwust der alten Maschine weggemacht und alles neu und sauber verkabelt. In dem alten Zeug steckten neben irrsinnig viel Staub (obwohl ich da regelmäßig mit dem Staubsauger drangegangen war, echt jetzt!) ein paar Münzen, einige Plastikperlen und ein Teelöffel mit fossilen Joghurtresten.

Wenn man sich das dort zu beobachtende Prinzip zunutze machen könnte, man könnte fast alles fast überall unauffindbar verstecken. Ganze Zivilisationen könnten dort evolvieren, ohne dass es jemand mitkriegt. Wer weiß, wieviele kleine bis kleinste Paralleluniversen hinter Sofas, unter Schränken und hinter Stereoanlagen so entstanden sind…

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In den Wald hineinrufen

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