Haste ma’ne Mark?

Vor einer Weile hat mich auf dem Frankfurter Hauptbahnhof jemand um ein bisschen Kleingeld angegangen: Kannste nich ma was aktivieren zum Überleben.

Auch wenn es in Deutschland bekanntlich gar keine wirkliche Armut gibt, landen mehr Leute als man denken mag auf irgendwelchen Treppen ins Nichts. Und mancher von denen sieht dann irgendwann keinen anderen Ausweg, als Leute auf der Straße anzubetteln.

Manche mögen sich ihre Notlage nur einbilden, andere sind vielleicht wirklich nur zu faul zum Arbeiten oder haben ihre überrreichliche Sozialhilfe schon am 20. des Monats für teuren Zahnersatz verballert. Viele könnten vielleicht anders, sehen aber den Weg dahin nicht. Andere sind möglicherweise Teil organisierter Bettlerkolonnen, die ihre Erträge dem Chef abliefern müssen und selbst mit Wasser und trocken Brot abgespeist werden. Manche brauchen einfach nur Geld für das nächste Bier oder den nächsten Schnaps. Das alles sieht man den Leuten nicht unbedingt an.

Viele werden aber wirklich in Not sein, auf die eine oder andere Weise. Gebettelt wird jedenfalls, und nach meinem persönlichen Eindruck nimmt das in den letzten Jahren merklich zu. Tragisch, dass so viele Leute abgehängt werden, vielleicht auch sich selbst abhängen.

Bleibt im konkreten Fall immer die Frage: Geld geben oder nicht? Und das finde ich schwierig. Einerseits kann ich nicht alle mit durchfüttern, die zuwenig haben. Andererseits tut mir ein Euro hier oder da nicht weh. Und sogar, wenn meine Spende nicht für das Stillen akuten Hungers verwendet wird, sondern in Alkohol angelegt wird, muss das nicht schlimm sein. Wer säuft, tut das so oder so. Und sogar Arme, Bedürftige, Abgehängte aller Art haben das Recht, selbst zu entscheiden, wie sie ihr Geld ausgeben. Agenda 2010 hin, Fördern und Fordern her.

Retten oder auf den rechten Weg zurückbringen werde ich sie so oder so nicht, egal ob ich ihnen ein bisschen Kleingeld gebe oder nicht. (Und dass der von mir für richtig, gut, erstrebenswert o.ä. gehaltene Lebensstil wirklich das Wahre ist, muss man auch nicht als gegeben hinnehmen.)

Aber eine freundliche Geste kann an einem kalten, einsamen Abend einigen Trost spenden, und der davon vielleicht finanzierte Schnaps ebenfalls. Wie gesagt, ich tu mich schwer mit dem Geldgeben, aber einfach so Nein zu sagen fühlt sich auch oft nicht richtig an.

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2 Kommentare on “Haste ma’ne Mark?”

  1. The Hagenz sagt:

    Schwierige Frage …. Oft gebe ich etwas aus einer Stimmung oder Laune raus, manchmal eben nicht. Es kommt auch darauf an, wie man gefragt wird. Es kann auch vorkommen, dass ich einfach meine Schachtel Zigaretten oder etwas aus meiner Einkaufstasche spende.

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  2. gnaddrig sagt:

    Man kann halt nicht auf Autopilot fahren, sondern muss sich mit dem Menschen und der jeweiligen Situation auseinandersetzen.

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In den Wald hineinrufen

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