Am Bahnhof

Kleinstadtbahnhof, drei Gleise. Auf der Fußgängerbrücke über den Gleisen stehen sie, ein paar Meter von mir entfernt am Geländer: ein stämmiger älterer Herr und sein drei- oder vierjähriger Enkel. Beide tragen Jeans und gestreifte T-Shirts.

Offensichtlich haben sie viel Zeit. Vielleicht erwarten sie jemanden und sind sehr rechtzeitig gekommen, oder sie sind nur zum Zügekucken hier. Das letztere tun sie jedenfalls ausgiebig. Nicht, dass hier viel los ist, in den zehn Minuten, die ich auf meinen Zug warte, kommt hier wie erwartet nichts durch.

Aber es gibt ja auch jede Menge andere interessante Dinge von so einer Brücke aus zu sehen. Die Stromkabel etwa und deren Aufhängungen. Die Bahnsteigdächer und das Zeug, das darauf liegt. Da kann man schonmal ein paar Sätze lang drüber nachdenken, wie die Bierflasche und die Sonnenbrille auf das Dach kommen.

Dann sind da die Signale, die auch diskutiert werden müssen. Die Leute, die auf den Bahnsteig kommen. Manche durch den Tunnel, manche über die Brücke. Mit vier ist das noch ein verheißungsvolles Gesprächsthema, da kann man sich von Fachmann zu Fachmann über die große Welt austauschen. Und der Großvater geht auf den kleinen Kerl ein, ohne Herablassung, ohne Klugscheißerei. Sie unterhalten sich wie auf Augenhöhe, ernsthaft, gelöst, vertraut. Fühlen sich offensichtlich wohl miteinander.

Leider kam dann mein Zug und ich musste gehen. Den beiden hätte ich gern noch länger zugehört und zugesehen.

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