Hosentaschentelefonate

Irgendwo habe ich gelesen, dass sogenannte Hosentaschenanrufe bei Rettungsleitstellen gelegentlich zum Problem werden. Je nachdem, wie die Telefone konfiguriert sind, kann es wohl, wenn sie in Hosen-, Jacken- oder Handtaschen oder Rucksäcken stecken, dazu kommen, dass Tasten (oder Displays) gedrückt werden und so SOS-Anrufe zustandekommen.

Der Besitzer merkt das in der Regel nicht, er hat ja sein Telefon gar nicht in der Hand. Die Leitstellen haben dann gelegentlich Probleme, festzustellen, ob ein Notfall oder ein Hosentaschenanruf vorliegt, und im letzteren Fall Schwierigkeiten, den Anruf wieder aus der Leitung zu kriegen.

Dabei könnte man solche Situationen mit vergleichsweise einfachen technischen Mitteln verhindern. Praktisch jedes Smartphone enthält eine Vielzahl von Sensoren und Messgeräten, die von Position und Beschleunigung des Geräts über Umgebungstemperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit, Helligkeit alles nur denkbare messen und vergleichen können.

Es dürfte nicht besonders aufwändig sein, mit Hilfe der Messerte dieser Geräte zu ermitteln, ob das Telefon in einer Tasche steckt, oder ob es auf dem Tisch liegt oder es jemand in der Hand hält. Per Abgleich der Messwerte mit vorher definierten typischen Bewegungsmustern könnte die SOS-Taste solange gesperrt sein, wie das Telefon in einer Tasche steckt.

Eine andere Lösung wäre es, die Notruftaste generell zu sperren und nur durch Eingabe eines Codes freizugeben. Wenn man die Notruftaste drückt, könnte das Telefon ein Buchstabenfeld aus 4 mal 4 Buchstaben anzeigen, und um einen Notruf abzusetzen müsste man die naheligende Buchstabenfolge SOS drücken. Die Wahrscheinlichkeit, dass zufällig SOS gedrückt wird, wäre damit hinreichend niedrig.

Eine noch viel simplere Lösung wäre natürlich eine mechanische Sperrtaste. Ein MP3-Player, den ich mir vor sieben, acht Jahren gekauft habe, hat so ein Ding. Das ist sehr praktisch – Gerät gesperrt, dann verstellt sich nichts. Gerät entsperrt, und alles ist sofort zugänglich. So ein Ding könnte man ohne Probleme in jedes Smartphone einbauen.

Der Platzbedarf ist minimal, auch die softwaremäßige Integration dürfte keine Schwierigkeiten bereiten. Der Kostenfaktor wäre ebenfalls zu vernachlässigen – ein vermutlich zweistelliger Centbetrag bei Geräten mit Endverbraucherpreisen im deutlich dreistelligen Eurobereich! Bei sinnvoller technischer Realisierung wäre eine versehentliche Fehlbetätigung etwa durch Gegenstände in derselben Tasche praktsich auszuschließen. Aber das wäre wohl zu simpel für den Zeitgeist. Ein mechanischer Schalter ist einfach uncool, bin ich sicher.

Und weil man das weithin so sieht, wird es weiter Hosentaschentelefonate geben, bis jemand eine entsprechende App anbietet, die sich (wieder einmal) uneingeschränkten Zugriff auf sämtliche Sensoren und Daten des betreffenden Smartphones genehmigt, die abgegriffenen Daten auf unsicheren Kanälen heimlich in eine unzureichend geischerte Datenbank schiebt, die dann entweder unter der Hand verkauft oder von interessierten Parteien gehackt wird. Unter den Umständen braucht man eigentlich auch kein Passwort mehr für’s Telefon – ist ja letztendlich sowieso alles so gut wie öffentlich…

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6 Kommentare on “Hosentaschentelefonate”

  1. Mein Telefon steckt in einem soliten Etui, welches das Display gut genug schützt. Vor ewigen Zeiten jedoch hatte ich mit meinem damals ersten Smartphone ein ähnliches Problem. Es steckte in meiner Dienstkleidung und betätigte dauernd unbemerkt die Wahlwiederholung und rief so ständig eine Kollegin samt Gatten an, der ich es vor Dienstbeginn zum Telephonieren gegeben hatte.

    Das Problem: Ich hatte Nachtschicht. Und das ganze geschah zwischen 2 und 5 Uhr morgens. 😀

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  2. gnaddrig sagt:

    Jei, das hat sicher Freude gemacht. Eine gescheite Tastensperre ist demnach also auch für die Pflege (oder das Nicht-über-Gebühr-Strapazieren) von Freundschaften und sozialen Kontakten aller Art ein Faktor…

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  3. Ich habe daraus gelernt. 😀

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  4. tinyentropy sagt:

    Die Idee mit der SOS-Eingabe gefällt mir.

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  5. gnaddrig sagt:

    Freut mich. Ist halt ein guter Kompromiss zwischen Sicherheit und Bedienbarkeit auch unter Adrenalin im Notfall. Dass man einfach nur die Notruftaste drücken muss, ist zu einfach, das passiert zu leicht „von selbst“.

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In den Wald hineinrufen

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