Schnellere medizinische Hilfe

Neulich habe ich einen Artikel über das Projekt United Hatzalah gelesen. Das ist eine Organisation in Israel, die ehrenamtliche Rettungssanitäter ausbildet, mit einem Notfallkoffer ausstattet und ihren Einsatz parallel bzw. ergänzend zum offiziellen Rettungsdienst organisiert. Das geschieht über eine App, die bei einem eingehenden Notruf die zehn UH-Leute über das Handy alarmiert, die dem Einsatzort am nächsten sind. Welche das sind, wird über GPS ermittelt.

Es gibt derzeit gut 2000 aktive Ersthelfer bei United Hatzalah, die bei Alarmierung sofort alles stehen und liegen lassen und den Unfallort aufsuchen. Sie sind dafür anscheinend freigestellt, ähnlich wie bei uns Mitglieder der freiwilligen Feuerwehren, vermute ich.

Die UH-Leute sind im ganzen Land unterwegs. In den (zumindest zu den Stoßzeiten oft staugeplagten) Großstädten teils zu Fuß, teils auf dem Fahrrad, zunehmend auch mit Mopeds oder so. Dadurch kommen sie – anders als sperrige Rettungswagen – auch bei Stau schnell zum Einsatzort. In ländlichen Gegenden sind sie oft näher am Einsatzort als die nächste Rettungsstation und sind deshalb meistens schneller vor Ort als der offizielle Rettungsdienst.

Der Einsatz von UH hat anscheinend die Rettungszeit in Israel (also die Zeit bis zum Eintreffen des ersten qualifizierten Ersthelfers) von durchschnittlich acht auf drei Minuten gesenkt. Das erhöht die Überlebenschancen vieler Patienten erheblich. Bei einem Herzinfarkt etwa zählt buchstäblich jede Sekunde, da sind fünf eingesparte Minuten ein Vermögen.

Die Ausbildung bei United Hatzalah umfasst 200 Stunden, verteilt über ein halbes Jahr. Das entspricht etwa 25 Arbeitstagen und ist recht ordentlich. Zum Vergleich: Die in Deutschland in Firmen ab einer bestimmten Größe vorgeschriebenen Betriebssanitäter, die in ihren Firmen genau dasselbe tun wie die UH-Leute in der israelischen Öffentlichkeit, erhalten 95 Stunden Ausbildung. Damit kommen sie zwar lange nicht an vollausgebildete Rettungskräfte heran (die Ausbildung zum Rettungsassistenten in Deutschland umfasste 1200 Stunden, die Anfang 2014 eingeführte Ausbildung zum Notfallsanitäter umfasst 1920 Stunden), können aber auf jeden Fall die lebensrettenden Maßnahmen einleiten, die die Opfer bis zum Eintreffen eines Notarztes am Leben halten.

Ich finde dieses Projekt genial. Nicht nur, weil es den regulären Rettungsdienst sinnvoll ergänzt und seine Effizienz so erheblich steigert, sondern auch weil es grundsätzlich begrüßenswert ist, wenn möglichst viele Leute sich in Erster Hilfe auskennen. Das erhöht ganz allgemein die Überlebenschancen bei Unfällen und lebensbedrohlichen Erkrankungen – je mehr solche Ersthelfer es gibt, desto größer ist die Chance, dass im Notfall jemand in der Nähe ist, der sich auskennt und die nötigen lebensrettenden Maßnahmen ergreift. Außerdem kommt das dem Katastrophenschutz zugute und würde viele Menschenleben retten.

Hut ab vor Eli Beer, dem Gründer, und ich hoffe, dass das Vorbild möglichst viele Nachahmer findet. Vielleicht auch in Deutschland. Fände ich gut…

Offizielle Website: United Hatzalah (Englisch)



In den Wald hineinrufen

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