Stellwerkstörung

Neulich auf dem Heimweg. Während ich auf den Zug warte, läuft die Mitteilung über die Anzeigetafel am Bahnsteig, der Zug ende heute in [nächster Ort]. Über Anschlusszüge u.ä. werde per Ansage im Zug informiert.

Mir ist es im Prinzip egal, wo ich auf den Schienenersatzverkehr warte, also steige ich ein. Im Zug weiß niemand etwas, denen hat noch niemand etwas gesagt. Dementsprechend schrecken sie auf, als der Lokführer ungefähr eine Kirschkernspuckweite vor [nächster Ort] durchsagt, der Zug ende hier wegen einer Stellwerkstörung bzw. fahre gleich wieder zurück, man solle also aussteigen. Anschlusszüge? Schienenersatzverkehr? Zeitrahmen der zu erwartenden Verzögerung? Kein Mucks.

Wir also alle raus aus dem Zug. Auf dem Bahnsteig wird dann erwartungsgemäß ausgiebig gemeckert. Es gibt – gibt es immer – ein paar, die besonders gut bescheidwissen, was passiert ist, wie man am besten damit umgeht bzw. seitens der Bahn umgehen sollte. Ein paar – gibt es auch jedes einzelne Mal – reden sich schön in Rage. Weil ich mich jederzeit außer Hörweite begeben kann, ist das Gemecker nicht nervig, sondern unterhaltsam.

Zu diesen Luftmachereien kommt noch die Telefoniererei. Mitten in der Menge stehend höre ich bis zu einem Dutzend Telefongespräche derselben Art: Ja, fällt aus. Stellwerkschaden. Ne, keine Ahnung, haben noch nichts gesagt. Melde mich, wenn ich was weiß. Und natürlich eine Reihe von dieser Sorte: Ja, erst der Streik, dann letzte Woche das [da war die Strecke wegen Personenschaden länger gesperrt], und jetzt wieder. Zum Kotzen, dass die das nicht mal auf die Reihe kriegen. Alles in allem bleibt es aber friedlich – nicht mal den Lokführer beschimpft jemand.

Da steht nun also eine Zugladung Pendler im Dunklen auf dem zugigen Bahnsteig im Beinahe-Nicht-Nieselregen und wartet brav, was passiert. Die Strecke ist voll gesperrt, bis zum Horizont in beiden Richtungen nur rote Signale. Es gibt keinerlei aktuelle Information von der Bahn.

Aber wie zum Hohn kommt alle paar Minuten die beliebte Ansage vom Band:

Achtung Zugbetrieb. Halten Sie Abstand von der Bahnsteigkante und betreten Sie den gekennzeichneten Bereich erst nach Halt des Zuges.

Das wirkt zuallermindest etwas unpassend. Aber gut, lieber einmal zu viel gewarnt als einmal zu wenig.

Als dann erstaunlich bald der nächste Zug kommt (die Störung war wohl behoben; nicht, dass man es für nötig gehalten hatte, uns das in irgendeiner Form mitzuteilen), steigen wir ein. Kurz nach Abfahrt die Ansage des Lokführers: Ich habe von mehreren von Ihnen gehört, dass es irgendwelche Probleme auf der Strecke geben soll. Da die Fahrdinstleitung mir davon bisher nichts verraten hat, fahre ich erstmal weiter, so lange es geht, und dann schauen wir mal.

Der Zug fuhr anstandslos bis zur Endstation. Am Ende war ich nur eine Dreiviertelstunde später als gewöhnlich zuhause. Das hätte auch anders laufen können…



In den Wald hineinrufen

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