Spielstopp

Es gibt Spiele und Ausdrücke, die mehr oder weniger weit im deutschen Sprachraum verbreitet sind und die von Kindern an den verschiedensten Orten gespielt bzw. gebraucht werden. Gebraucht von Kindern, die sich gegenseitig nicht kennen, keinen Kontakt miteinander haben und bei denen man auch nicht ohne weiteres gemeinsame Bekannte voraussetzen kann, von denen sie die Wörter oder die Spielregeln kennen könnten. Ein überlieferungstechnisches Rätsel, über das ich im Zusammenhang mit Abzählreimen schonmal nachgedacht hatte.

Ein Ding, das mir heute wieder begegnet ist, ist Spielstopp. Das sagen Kinder, wenn sie das Spiel kurz anhalten und etwa Deteils zu den Spielregeln oder zum Verständnis der aktuellen Spielsituation diskutieren wollen. Das funktioniert genauso wie Ok, Glass bei der Datenbrille von Google – das Aussprechen des Stichworts führt zu einer Statusänderung.

Das Konzept Spielstopp dürfte überall bekannt sein, wo Leute, v.a. Kinder, spielen. Besonders bei Rollenspielen ist es sehr nützlich. In meiner Kindheit war das zwar auch gebräuchlich, aber von mir haben sie das Wort nicht. Vielleicht haben sie es sich selbst ausgedacht, wie viele andere Kinder anderswo vermutlich auch. Und dass sie für das Konzept dasselbe Wort benutzen, kann Zufall sein. Es ist aber auch eine naheliegende Bildung für diesen Inhalt.

Oder sie sind von meiner Art Umgang mit der deutschen Sprache geprägt. Meine Lieblingsausdrücke und sonstigen sprachlichen Marotten kennen sie ja auch schon so gut, dass sie gelegentlich wissen, was ich wie sagen will, bevor ich den Mund aufmache.

Dass irgendeine besondere Volksseele, ob nun heilig oder nicht, durch das Land weht und dem biodeutschen Nachwuchs ein Grundvokabular der Einheimischkeit einflüstert, mag ich jedenfalls nicht recht glauben. Eher stelle ich mir vor, dass sich solche Sachen über die üblichen Kinderbücher von den Pixi-Büchern über Petzi zu Conni, von Astrid Lindgren bis Kirsten Boie weiterverbreiten, über Hörspiele und Fernsehserien, und dass ich natürlich nicht das gesamte Vokabular aller dieser Kanäle kenne und darum nicht weiß, was da wo vorkommt.

Keine Ahnung, ob und wenn ja, wie man die Verbreitungswege solcher Wörter erfassen kann. Aber ich finde es witzig, dass man so alten Bekannten immer mal wieder begegnet, wenn man gar nicht damit gerechnet hat.

Advertisements

2 Kommentare on “Spielstopp”

  1. aurorula a. sagt:

    Was mir überall immer wieder auffällt: ich habe noch kein Land bereist, in dem die Kinder keine Hupfkästchen kennen. Also dieses Spiel mit unterschiedlich vielen auf die Straße oder in den Staub gemalten Kästchen, durch die mal auf einem Bein, mal auf beiden und mal gewechselt gehüpft wird. Hin und zurück, und meistens gibt es noch einen Kiesel oder eine Murmel, die in eins der Felder geworfen und aufgesammelt werden müssen, ohne das jeweilige Feld zu betreten.

    Vielleicht reise ich unbewusst nur in Hupfkästchenländer? 🙂

    Gefällt mir

  2. gnaddrig sagt:

    Ja, stimmt, die Sorte Spiel gibt es überall, wo es flache Oberflächen gibt. Vielleicht ist das genetisch programmiert?

    Gefällt mir


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s