Sichern

Gewinncode eingeben und viele tolle Prämien sichern

Solche Formulierungen finden sich auf jeder zweiten Lebensmittel- oder Spielzeugverpackung. Man muss nur den üblicherweise auf der Innenseite der Packung aufgedruckten Code auf der Webseite des Herstellers eingeben und kann ganz großartige Sachen kriegen, von denen man bis dato nicht wusste, dass man sie haben will oder überhaupt brauchen kann.

Bestimmt – spekuliere ich jetzt mal munter drauflos – muss man auch nur das Porto bezahlen oder sämtliche persönliche Daten angeben, und für die besten Sachen muss man bestimmt noch ein bisschen zuzahlen. So oder so ist das ein einziger Schmu, man spielt der Firma in die Hände, macht Werbung für die und hat selbst nur sehr bedingt was davon. Aber das ist nicht Neues, das hat gute Tradition, darüber muss ich also gar nicht viel Worte verlieren.

Was mich, neben der penetranten Ranwanzerei dieser Aktionen, vor allem nervt ist die Verwendung des Wortes sichern. Ich will die Prämien nicht sichern, die sind ja gar nicht in Gefahr. Wenn, dann will ich mir die Prämien sichern. Aber das lässt sich nicht so schmissig formulieren, also macht man’s ohne sich. Das alternativ denkbare, inhaltlich sicher auch angemessene abgreifen klingt nicht fröhlich-optimistisch-sonnig genug und passt darum – unbeachtet der mittlerweile fast zum guten Ton gehörenden Schnäppchengeilheit – nicht in die blitzesaubere Werbewelt:

Gewinncode eingeben und viele tolle Prämien abgreifen

Ganz nebenbei ist das ganze sowieso ein falsches Versprechen. Man kriegt ja nicht ganz viele tolle Prämien, sondern man kann allenfalls eine aus ganz vielen tollen Prämien auswählen. Und toll ist hier sicher auch nicht im gängigen Sinn des Wortes gemeint, sondern eher im Sinn von sieht jetzt toll aus, ist aber in Wirklichkeit totaler Schrott/absolut unnütz/sowieso schon vergriffen (nicht zutreffendes streichen).

Aber es müssen genügend Leute drauf reinfallen, dass solche Aktionen sich nach wie vor lohnen. Nur als Steuersparmasche werden die das ja kaum machen…

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10 Kommentare on “Sichern”

  1. aurorula a. sagt:

    Ach ja, transitive Verben werden sowieso überbewertet.
    Es wird nicht mehr über etwas berichtet, etwas wird berichtet.
    Es wird sich nicht mehr an etwas erinnert, etwas wird erinnert.
    Was machts da, wenn etwas gesichert wird statt daß man es sich sichert?
    (und es wird sich in einem doppelten auch nicht mehr bei jemandem für etwas entschuldigt, sondern sich gleich – selbst? global? – entschuldigt)
    Was ich aber wirklich unfreiwillig komisch finde ist die Formulierung „aus [Zeitraum]“: der Kalender ist aus 2013, das Memo aus Oktober – und das Essen im Kühlschrank aus Mittwoch? Nee, also, Mittwoch esse ich nicht! (;

    … jetzt Gutscheincode eingeben, nur vielzuviel zusätzlich berappen und schon vergriffenen, nutzlosen Ramschschrott abgreifen… *LOL!* 😆

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  2. gnaddrig sagt:

    Och, zwischen etwas berichten und über etwas berichten kann es schon einen Unterschied geben. Der mag meistens egal sein, aber manchmal wählt man die eine oder andere Formulierung, um Nuancen auszudrücken.

    Etwas erinnern statt sich an etwas erinnern ist, glaube ich, aus dem fachspezifischen Sprachgebrauch von Psychologen oder Psychiater in die Alltagssprache gesickert, vielleicht begünstigt vom Englischen to remember something. Mag ich nicht besonders, versuche ich nach Möglichkeit zu vermeiden.

    Aus bezogen auf Zeitraum finde ich auch komisch. Das passt, wenn überhaupt, nur zu Jahren, finde ich. Aus 2013 geht grad noch so, aus Oktober ist nix, und aus Freitag kann sich nur auf den Kumpel von Robinson beziehen, der das zuviel getrunkene Bier wieder von sich gibt. Dann schießt es aus Freitag heraus…

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  3. aurorula a. sagt:

    🙂 aus Freitag (:
    Wenn schon Anglizismen, dann richtig. Es gibt soooo schöne davon: master of desaster, laptop, cocktail, swimming pool, epic fail, globetrotter, sex on the beach, …
    … aber nein. Wenn die Leute Wortpoesie haben können, was nehmen sie stattdessen? Übelkeit wird beklagt. Schwindel wird berichtet. Alles mögliche wird nicht erinnert. Und das alles in 2014.

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  4. gnaddrig sagt:

    Tja, Sprachpoesie, hat nicht sollen sein. Was in mit Jahreszahl angeht, muss ich Dich aber leider enttäuschen, das ist guter, jahrhundertealter Sprachgebrauch

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  5. aurorula a. sagt:

    Cool, das wußte ich garnicht 😀 !
    (Trotzdem ist das Essen von Freitag hoffentlich nicht aus Freitag – irgendwie squickt mich das aus)

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  6. gnaddrig sagt:

    War mir bis zur Lektüre des Sprachlogartikels von vor 3 Jahren auch nicht bekannt gewesen. Und das mit dem Freitag vergessen wir einfach, ok? Das war zugegebenermaßen etwas abseitig.

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  7. aurorula a. sagt:

    🙂
    A propos Freitag: schönes Wochenende, übrigens!

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  8. gnaddrig sagt:

    Gleichfalls 🙂

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  9. Pfeffermatz sagt:

    Erstens sprichst du mir aus der Seele 🙂 Und zweitens hast du in einem Punkte unrecht: Tatsächlich kriegt man fast immer ein Prämie. Die ist nur nicht so toll, sondern irgendwas virtuelles, wie ein Bildschirmschoner oder ein anderer Bildschirmschoner oder sogar zwei Bildschirmschoner. Weiß ich, weil ich ein mal meinen Kindern zuliebe eine Tolle Prämie gesichert habe. Kaum hatte ich email-Adresse, Lebenslauf, Bankdaten und eine handvoll TANs eingegeben, schon erhielt ich einen Link zum Download eines… Bildschirmschoners. Den habe ich aber sowas von gesichert…

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  10. gnaddrig sagt:

    Ah, und jetzt sind Deine ganzen digitalen Besitztümer hinter diesem Bildschirmschoner gesichert. Auch gut…

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