Recht auf Information

Früher Abend, ich bin in der Stadt unterwegs. Die Straße, die ich entlanggehe, hat je zwei Fahrstreifen pro Richtung, in der Mitte laufen Straßenbahnschienen. Voraus ein Laden, wo ich schnell ein paar Kleinigkeiten zu besorgen gedenke.

Schräg gegenüber von dem Laden steht seit Minuten ein Kleinbus der Polizei mit eingeschaltetem Blaulicht am Straßenrand, davor zwei andere Autos mit Warnblinker. In dem fahrbaren Blaulichtbüro spricht ein Polizist mit einem Mann, dem vermutlich einer der beiden Pkw vorn dran gehört.Es sieht aus wie eine typische Vernehmung bzw. Protokollaufnahme nach einem Unfall oder einer Führerscheinkontrolle. Nichts Aufregendes, nichts Außergewöhnliches, tausendmal gesehen, einmal selbst mitgemacht. Weitergehen, hier gibt’s nichts zu sehen.

Als ich nach dem Einkauf aus dem Laden komme, sitzen die immer noch drin und reden. Das Blaulicht flackert auch noch; dass die sich nicht dran stören? Wer weiß, was die dort verhandeln. Zum Glück ist das nicht mein Problem.

Während ich auf die Straßenbahn warte, kommt neben mir ein Mann über das Geländer geklettert, das den Bahnsteig von der einen Fahrbahn trennt. Der Typ ist vielleicht 50, unrasiert aber nicht ungepflegt. Turnschuhe, Jeans und Windjacke, eine Kippe im Mund und anscheinend schon ganz ordentlich betankt. Kommt wohl direkt aus der Spelunke auf Höhe der Haltestelle.

Junger Mann, spricht er mich an und deutet auf den Polizeiwagen, was’n da los? Ich sitz da inner Kneipe und da is jetzt das Blaulicht und so. Mit Kindern [ein Stück weiter ist eine Grundschule, da ist aber seit Stunden niemand mehr, schon gar keine Kinder], das ist ja schlimm sowas, da hab ich mich gefragt, was’n da los.

Ich kann ihm da natürlich nicht weiterhelfen, habe ja auch nichts gesehen. Er will’s aber unbedingt wissen:

Dann geh ich und frag. Ich bin Bürger, ich zahl Steuern, da kann ich auch fragen gehen. Ich hab’n Recht auf Information.

Sagts, läuft quer über die Gleise, klettert drüben über das Geländer, läuft durch den (in dem Moment zum Glück nicht allzu dichten) Verkehr über die andere Fahrbahn und klopft an das Seitenfenster des Polizeibusses.

Leider kommt in dem Moment meine Bahn, den Ausgang der Geschichte habe ich also verpasst. Ich mochte dafür eben nicht noch 10 Minuten im kalten Wind warten. Jetzt würde es mich nur  interesssieren, ob er was in Erfahrung gebracht hat bzw. wie die Ordnungshüter ihn abgewimmelt haben.

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In den Wald hineinrufen

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