Perform dream picture onto the ceiling

In einer zunehmend zum globalen Dorf zusammenwachsenden Welt mit zunehmend globalen Märkten werden Produkte zunehmend für alle Welt hergestellt. Größere Unternehmen haben oft zumindest in den wichtigen Märkten eigene Standorte, Tochterfirmen oder wenigstens Vertretungen, die dann meistens auch den Vertrieb vor Ort organisieren. Mittelständler können sich das vermutlich nicht so ohne weiteres leisten. Die machen dann eher alles am Stammsitz in Hintertupfingen, und allzuoft wird dabei am falschen Ende gespart.

Die Verpackungen werden vernünftigerweise gleich mehrsprachig bedruckt, dann muss man nicht für jedes Land eine eigene Verpackung entwerfen. Ähnliches gilt für die Pappdinger, die man Ladengeschäften zur Verfügung stellt, um die Ware an strategisch günstiger Stelle schön auf Augenhöhe anbieten zu können.

Hier zum Beispiel bietet HABA, international tätiger, eigentlich schon lange nicht mehr mittelständischer deutscher Anbieter von Holzspielzeug aller Art für die Kleinsten und Kleinen, einen Projektor an, der bei Dunkelheit ein Bild an die Wand oder an die Zimmerdecke projiziert, eine Art High-Tech-Nachtlicht:

we_can_english

Das Ding hat sechs verschiedene Motive auf winzigen Dias auf einem Rad, das man per Hand weiterdreht. Das funktioniert im Prinzip wie diese altmodischen Souvenirs in Form von Fotoapparaten oder Fernsehgeräten, wo man durch eine Art Sucher blickt und per Knopfdruck die Motive weiterklickt.

Dieses Wundergerät (ernstgemeint, das ist wirklich eine klasse Idee!) wird offenbar auch in englisch- und spanischsprachigen Gegenden verkauft. Auf Deutsch wird das Gerät folgendermaßen angepriesen:

Zaubert ein Träume-Bild an die Decke

Hübsch, man weiß, was gemeint ist, alles in Butter. Auf Englisch fängt dann aber gleich das Elend an:

perform dream picture onto the ceiling

Dass man einen Satz auch im Englischen mit einem Großbuchstaben beginnt – geschenkt, ebenso der wie auch im Deutschen fehlende Punkt am Ende. Aber soll das eine Aufforderung sein? Der Deutsche Slogan beschreibt, was das Ding tut, die englische Version fordert den Benutzer auf, ein Bild an die Decke zu zaubern. Zaubern? Das Wörterbuch bietet für zaubern u.a. to perform magic an. Bei der Magie wusste man wohl nicht, wie man die in den englischen Satz einbauen sollte und hat sie weggelassen. Ansonsten ist es mir rätselhaft, wieso man hier perform schreibt.

Ich bin kein Werber, und Englisch ist nicht meine Muttersprache, darum werde ich hier keinen Formulierungsvorschlag machen. Aber ich bin sicher, dass man das auf Englisch ziemlich anders formuliert hätte. Gerade in der Werbung dürfte es fast immer sinnvoller sein, solche Texte nicht zu übersetzen, sondern in der Zielsprache neu zu formulieren.

Und damit kommen wir zum Spanischen:

evocan una imagen de sueños en el techo

Spanisch ist auch nicht meine Muttersprache, mein letzter Spanienaufenthalt ist schon etwas länger her, Kontakt zu spanischsprechenden Mitmenschen habe ich auch fast nie, und die Traumbildzauberei zählt nicht zu meinen Kernkompetenzen. Wie idiomatisch die spanische Übersetzung ist, kann ich darum nicht beurteilen.

Aber sie scheint mir immerhin ungefähr dasselbe auszusagen wie der deutsche Spruch: (Sie) beschwören ein Traumbild an der Decke herauf, anders gesagt: Zaubert ein Träume-Bild an die Decke.

Bestimmt hätte man das auf Spanisch insgesamt eher anders formuliert, und der Plural (evocan) wirkt etwas unmotiviert. Vielleicht war es als Aufforderung gedacht (Zaubern Sie ein…, das hätte auf Spanisch dann Evoquen una imagen… geheißen), das werden wir wohl nie wissen. Das Spanische kommt mir immerhin einigermaßen verständlich vor, und für eine vermutlich selbstgestrickte Übersetzung ist das um Längen besser als das englische Gewürge weiter oben. Vielleicht hatten die auch einfach nur Glück mit dem, was das Wörterbuch so angeboten hat.

Noch besser wäre es natürlich, jemanden dranzulassen, der die jeweilige Zielsprache wirklich beherrscht, aber das wäre irgendwie auch wieder langweilig, Fast wie eine Speisekarte ohne Tippfehler…

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5 Kommentare on “Perform dream picture onto the ceiling”

  1. aurorula a. sagt:

    Meine beiden Lieblingsübersetzungen:

    Toilette im Keller. Einfach wegen der bildlichen Vorstellung dazu!
    Und der andere:

    Rasen betreten verboten. Wer sagt denn, daß jemand Sprachkenntnisse durch Engagement aufpeppen kann? Auf den Rasen geht wohl keiner so schnell 😀
    (vielleicht war das letzte auch Absicht)

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  2. aurorula a. sagt:

    … Hallo, Silbenfundbüro? Mir ist ein ’nicht‘ verlorengegangen. Aus dem Satz „Wer sagt denn, daß jemand Sprachkenntnisse nicht durch Engagement aufpeppen kann“.

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  3. gnaddrig sagt:

    Streng genommen nähert man sich der Toilette ja auch rückwärts, jedenfalls das allerletzte Stück, bevor man sich draufsetzt…

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  4. aurorula a. sagt:

    ^^ da ist was dran, doch. Wobei sich die wenigsten Harmoniesucher auf öffentliche Toiletten tatsächlich setzen, dem Zustand nach zu urteilen.

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  5. gnaddrig sagt:

    Das ist allerdings ein Problem. Man fragt sich gelegentlich (und will es eigentlich nicht wirklich wissen), was die da so machen, dass es hinterher so aussieht, wie es viel zu oftaussieht.

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In den Wald hineinrufen

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