Existenzphilosophisches Postscriptum

postscriptum

Hängen an einem Gartentor zwei Schilder:

Bitte NICHT zuschlagen

und

Tür schließen

Da frage ich mich jetzt, welches Schild zuerst da war – sie sind ziemlich sicher nicht gleichzeitig dort angebracht worden. Das legen zumindest die unterschiedlichen Abmessungen, die unterschiedliche Schriftart und die unterschiedliche Befestigung nahe.

Gut, was also war zuerst, was ist das Postscriptum? Tür schließen, und dann haben fröhliche Mitmenschen dauernd das Tor hinter sich zugeworfen und der pfeffrige Oberstudienrat a.D. im 1. Stock hat jedesmal Probleme mit dem Blutdruck gekriegt und dann den Hausmeister veranlasst, den Hinweis Bitte NICHT zuschlagen anzubringen.

Oder es stand zuerst Bitte NICHT zuschlagen dort. Vielleicht hate der erwähnte Oberstudienrat a.D. angesichts leidvoller Erfahrungen in einem ähnlichen Haus mit einem ähnlichen Tor nach seinem Umzug hierher gleich das Schild anbringen lassen.

Und dann haben sie das Tor freundlicherweise nicht zugeknallt, sondern es ständig offen stehen lassen. Und dann sind die Hunde des ganzen Viertels gekommen und haben den Vorgarten ständig derart vollgeschissen dass die Gartenzwerge rebellisch wurden und kein Mensch die nötigen Aufkleber zum Beseitigen hätte bezahlen können. Deshalb dann das zweite Schild: Tür schließen.

Wir haben es hier mit einer Metaversion des alten Henne-Ei-Problems zu tun. Eines der Schilder war zuerst da, aber welches? Meta, weil auch nach Klärung der Reihenfolge nicht klar ist, welches der Schilder der Henne entspricht und welches dem Ei…


6 Kommentare on “Existenzphilosophisches Postscriptum”

  1. aurorula a. sagt:

    Es kommt auch drauf an, ob sich das ‚bitte nicht zuschlagen‘ auf die Tür bezieht. Wenn nun statt der Tür nicht zu der Oberstudienrat aus dem ersten Stock garnicht geschlagen werden soll (wer weiß, welchen Grund es hat daß das so häufig geschieht daß ein Schild nötig wird, vielleicht weil er das ‚Tür schließen‘-Schild zu verantworten hat) — dann haben die Schilder ganz anders miteinander zu tun als gedacht.
    In München ist vor ein paar Jahren ein Rentner zusammengeschlagen worden, weil er jemanden gebeten hat in der UBahn nicht zu rauchen. Vor diesem Hintergrund könnte die Schilderkombi durchaus heißen: schlagt mich nicht für den Hinweis, aber macht die Tür bitte trotzdem zu. Wegen der Hunde. Und der Gartenzwerge. Und der fehlenden Aufkleber.

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  2. gnaddrig sagt:

    Hmja, kann schon sein. Ist aber eigentlich nicht die Gegend für so gewalttätige Hintergründe. Anderereits, wer weiß, was da draußen abgeht, wenn anständige Bürger brav an der Matratze lauschen…

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  3. aurorula a. sagt:

    😀

    [Ich sage, das linke Schild schaut neuer aus:
    die Drucktype sieht individueller aus (Sonderanfertigung?), die vom rechten Schild eher nach fertig gekauft (ist ja auch nicht gerade selten). Und älter.
    Das rechte Schild ist gerade verschraubt (kam das fertig mit der Tür?), das linke etwas schief geklebt.
    Links verläuft die Farbe, rechts blättert sie ab.
    Das linke Schild klingt genervt.
    Und das rechte Schild ist genau neben dem, wo jemand mit der rechten Hand (Rechtshänder sind etwa neunmal so häufig wie Linkshänder) spontan die Tür aufschiebt und es automatisch liest. Knapp rechts daneben sieht man wo vom vielen öffnen die Farbe abgerubbelt ist.]

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  4. gnaddrig sagt:

    Schöne Analyse, klingt plausibel, nehme ich so.
    Das linke Schild klingt genervt. Allerdings. Passt auch dazu, dass es das neuere Schild ist.

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  5. Pfeffermatz sagt:

    Wenn das „nicht zuschlagen“-Schild als zweites kam (was ich auch vermute), wäre es vom OStR schlauer gewesen, stattdessen neben dem „Tür schließen“-Schild ein Schild mit der Aufschrift „.. aber bitte NICHT zuschlagen!“ anzubringen. In kleiner Schrift, damit es hinpasst.

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  6. gnaddrig sagt:

    Stimmt. Aber sogar das letztlich angeklebte Nicht-zuschlagen-Schild hätte rechts daneben gepasst. Knapp zwar, aber trotzdem. Ästhetische Erwägungen dürften da sowieso nur am Rande mitgespielt haben.

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