Wie funktioniert ein Bildschirm?

Vor einer Weile wollte meine Tochter beim Gutenachtsagen wissen, wie Bildschirme funktionieren. Das konnte ich ihr aus dem Stand so halbwegs erklären, im Prinzip jedenfalls. Später an dem Abend ist mir dann noch eine alternative Erklärung eingefallen, die ich ihr am nächsten Abend erzählt und mit ihr zusammen noch ein bisschen ausgeschmückt habe.

Jetzt ist mir der Zettel, auf dem ich das in Stichworten zur späteren Verwendung aufgeschrieben hatte, wieder in die Finger geraten, und hier ist sie, die Erklärung, wie Bildschirme wirklich funktionieren:

Früher gab es Kathodenstrahlröhren, wo ein kleiner Kobold wie blöd immer quer über den Bildschirm gerannt ist und an bestimmten Stellen eine Taschenlampe in Richtung der Mattscheibe geleuchtet hat. Zu Schwarzweißzeiten war das eine einfache weiße Lampe, er hat nur die Helligkeit reguliert. Später hatte er drei Lampen, deren Helligkeit er einzeln einstellen musste und die dann zusammen die gewünschte Farbe ergaben.

Da das menschliche Auge recht träge ist, hält es ein einmal wahrgenommenes Bild für eine kurze Zeit fest, während es gleichzeitig neue optische Reize aufnehmen und verarbeiten kann. (Obwohl, träge ist da sicher nicht das Auge, sondern irgendein für die Verarbeitung des vom Sehnerv gelieferten Inputs zuständiger Teil des Gehirns, aber das weiß ich so genau nicht. Ist ja auch egal für diese Geschichte.) So konnte der Kobold, wenn er nur schnell genug rannte, wieder oben links anfangen, bevor der bei der vorigen Runde oben links gezeigte Lichtpunkt im Auge des Betrachters verblasste. Auf diese Art kam ein Bild zustande, das den ganzen vom Kobold bedienten Bildschirm füllte.

Nur war die Geschwindigkeit des Kobolds begrenzt, und damit war auch die Zahl der Bildpunkte begrenzt. Das Bild hatte keine besonders gute Auflösung und war auch gelegentlich etwas ruckelig und, je nach Ausbildung und Tagesform des Kobolds, unscharf.

Später hat man dieses Problem so gelöst, dass man eine ganze Armee von Kobolden an die Mattscheibe gestellt hat. Das sind Kobolde einer anderen Sorte, die können nicht rennen und tragen dafür größere Lampen, die sie schneller bedienen können.

Jetzt rennt nicht mehr ein Kobold durch die Zeilen, sondern zahlreiche Kobolde betätigen gleichzeitig ihre Lampen. Dabei werden sie von Anweisern dirigiert, die jeder für eine Bildzeile (oder Spalte, das weiß ich nicht so genau) zuständig sind und den Kobolden ihres Bereichs immer ansagen, was sie leuchten sollen.

Da die neuen Kobolde kleiner als die alten Rennzwerge sind, haben die resultierenden Bilder eine bessere Auflösung, wegen der größeren Lampen einen höheren Kontrast und bessere Farben, und sind meist schärfer.

Die Moral von der Geschichte ist: Mit etwas Fantasie kann man noch dem einschüchterndsten technischen Sachverhalt einen gewissen Unterhaltungswert abringen. Ein bisschen Narrativum macht noch das trockenste Thema genießbar.

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4 Kommentare on “Wie funktioniert ein Bildschirm?”

  1. Hanseator sagt:

    Ich warte gespannt auf die Erklärung zum Dolby Digitalton. 🙂

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  2. gnaddrig sagt:

    Fast hätte ich gesagt, kalt erwischt. Aber ich glaube, das ist ungefähr so: Erstmal hat man die Datenspur auf dem Tonträger.

    (Zum Ditigalisieren hört ein Digitalwandlerkobold das zu digitalisierende Geräusch, misst in einem bestimmten Takt bestimmte Parameter – Frequenz, Lautstärke, verschiedene Klangfarbenattribute – und schreibt die Werte auf. Ein zweiter Kobold konvertiert die dann in das gewünschte Format und schreibt die Daten auf den Tonträger.)

    Beim Abspielen des Tonträgers liest ein Kobold diese Information und gibt sie per Zuruf (oder neuerdings auch per Lampensignal) weiter an die Tonspurkobolde. Die sind ähnlich wie eine Eimerkette organisiert, jeder gibt die Werte, die er vom Tonspurkobold erhält, an den Nächsten in der Reihe weiter, wie bei Stille Post, und am Ende steht der Lautsprecherkobold, der den empfengenen Wert dann in den richtigen Ton umsetzt. Für jeden Dolby-Kanal gibt es eine solche Eimerkette, und zusammen erzeugen sie das gewünschte (bzw. das auf dem Tonträger hinterlegte) Klangbild.

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  3. gnaddrig sagt:

    Anders gesagt, wenn Du Musik aus der Stereoanlage hörst, hörst Du tatsächlich Koboldchöre, pro Dolbykanal einen.

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  4. Pfeffermatz sagt:

    Sehr schön! Werde ich mir merken und demnächst mal meine Kiddies aufklären 🙂

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