Alles für die Kunst

Klar, war ja nur eine Frage der Zeit, bis es mich treffen würde. Jetzt hat mir Carmen von UmamiBücher ein Blogstöckchen hingeworfen. In einem Kommentar. Öffentlich. (Und völlig off topic noch dazu!)

Meine erste Reaktion: Oh Schiet, hat jemand einen Eimer Sand, wo ich den Kopf reinstecken kann? Zweiter Gedanke: Löschen, bevor das jemand sieht. Aber Carmen wüsste dann doch bescheid, und ich will ja keine befreundeten Bloggerinnen vergrätzen.

Hätte ich, wie manche Blogger, alle Kommentare in die Moderation laufen lassen und nach Einzelprüfung freischalten sollen? Dann könnte ich jetzt so tun, als ob das Stöckchen im Spamordner gelandet wäre und ich es gar nicht gesehen hätte. Da ich bei Carmens Blog gelegentlich und gern vorbeischaue, es aber nicht ständig lese, könnte ich den Artikel über das Blogstöckchen dort auch gut übersehen. Und wenn ich sowas sehe, lese ich es meistens gar nicht. Naja, manchmal schon, aber das weiß ja auch wieder niemand. So tun als wäre nichts gewesen wäre also durchaus einigermaßen plausibel machbar.

Das wäre allerdings ausgesprochen stillos. Und davon abgesehen wäre eine Kommentarpolitik, wo alle erstmal in die Moderation kommen, auch diskussionshemmend. Nicht, dass bei mir besonders viel diskutiert wird, aber trotzdem, glimmender Docht und so. Moderation für alle würde das Blog, sagen wir, abweisender machen, weniger einladend. Bisher hatte ich auch keinen rechten Anlass, so restriktiv dranzugehen, etwa wegen ausufernder Trollerei und so. Und in Sachen Blogstöckchen würde es ja sowieso erst beim nächstenmal greifen, dieses Kind liegt ja jetzt schon im Brunnen, sozusagen.

Vielleicht lässt sich schon erahnen, dass ich kein großer Freund von Blogstöckchen bin. Ich mag die nicht, finde sie fast immer doof. Schon das Wort ist bescheuert. Blogstöckchen, blärgs. Klar, das ist eine gute Gelegenheit, neue Besucher abzukriegen, und man kann gleichzeitig anderen Bloggern neue Besucher zuschustern. Und die Fragen oder Themenvorgaben im Stöckchen können Anlass zu netten, interessanten, witzigen, lesenswerten Texten sein. Aber trotzdem. Ich suche mir meine Themen lieber selbst aus. Ich springe nicht gern durch Reifen, und wenn noch so ein hübsches Herz dabei ist (das ich übrigens hier nicht einbinde, aber immerhin verlinke).

Apropos Herz: Das aktuelle Stöckchen heißt One Lovely Blog Award. Ist das ein Award für ein One Lovely Blog, also Schmeichelei für den Adressaten, oder ein Lovely Award für ein Blog also eher Selbstbeweihräucherung des Absenders, der damit angibt, was Tolles zu verschenken? Wohl eher ersteres, sonst wäre das schon schräg. Ansonsten gibt es an diesem Blogstöckchen nicht mal anständig was zu meckern, anders als beim letzten vor gut zwei Jahren, bei dem es viel mehr zu zerpflücken gab.

** * **

Gut, das Stöckchen ist also da. Ich könnte es hartnäckig ignorieren und alle Anfragen dazu auch. Oder es förmlich zurückweisen, entweder per E-Mail an Carmen oder in einem Antwortkommentar. Keine Ahnung, ob das unhöflich wäre. Ich will ja auch kein Spielverderber sein. Andererseits könnte ich versuchen, mich elegant oder mit etwas Witz aus der Affäre zu ziehen. Sozusagen den Kreis zu quadratieren, indem ich was zu dem Stöckchen schreibe, ohne besonders viel von mir preiszugeben. Einen Text, der nett genug ist, um gelesen zu werden aber gleichzeitig keine Ermutigung für andere Stöckchenwerfer darstellt. Es könnten ja am Ende auch neue Leser hier hängenbleiben, wer weiß. Und beim Zurückverfolgen der Stationen dieser Aktion habe ich manches interessante Blog gesehen. Nichts, wo ich unbedingt dranbleibe, aber ein netter Spaziergang war’s doch.

Sieben frei gewählte Fakten zu mir soll ich jetzt verraten. Die Überschriften der letzten zwei Stationen dieser Aktion ignoriere ich, das mit den intimen Geständnissen scheinen die sich ausgedacht zu haben, die Regeln des Stöckchens verlangen sieben frei gewählte Fakten. Intim ist nicht bei mir. Nicht im Blog. Über meine erste Liebe, meine kühnsten Träume, meine größte Blamage und solche Sachen wird es hier nichts zu lesen geben. Nix, könnte ja jeder kommen. Immerhin gibt es keine inhaltlichen Vorgaben. Sieben konkrete Fragen hätte ich wahrscheinlich nicht beantwortet, aber wenn ich mir völlig selbst aussuchen kann, worüber ich schreibe, also das geht ja dann doch.

Sieben Fakten heißt es in der Vorgabe. Das könnte ich natürlich ganz einfach abhandeln: Ich habe 10 Finger, 2 Augen, 2 Ohren, 1 Nase, 1 Handy, 1 Blog und, siebtens, schlechte keine? egal! Laune. Fertig, der nächste bitte.

Oder ich suche mir sieben Sachen zusammen, die irgendwie offen klingen, aber trotzdem nicht viel preisgeben. Styropor eben, Füllmaterial. Das müssen nicht mal Fakten sein, kann ja sowieso keiner überprüfen. (Schnüffler, Schlapphüte und Hacker sind bitte so freundlich, ihre diesbezüglichen Erkenntnisse für sich zu behalten!). Aber Schreibe sieben frei gewählte Tatsachenbehauptungen über Dich klingt natürlich nach nichts.

Ich könnte natürlich meine Kunstfigur gnaddrig sieben Fakten berichten lassen. Allerdings gibt es zu gnaddrig keine Backstory, keine ausgedachte Biographie, keine Bühnenpersönlichkeit, nichts als den Namen und den Avatar. Und wenn es die gäbe, wäre der Unterschied nur, dass ich mir die sieben „Fakten“ nicht jetzt ausdenken müsste, weil ich das bereits irgendwann früher getan hätte.

** * **

Gut, sieben Fakten also. Mal sehen, ich mag das Meer und da vor allem den Strand, bei Sonne und bei Sturm gleichermaßen. Positives Denken und Motivationsrhetorik sind mir ein Graus. Mir schmecken Rotwein, Oliven, würziger Käse, Knoblauch und luftgetrockneter Schinken. Ich kann eine ganze Menge Musik nicht ausstehen, etwa Belcanto, den allermeisten gängigen Plastikpop, praktisch allen Hip-Hop, Grunge, und Jazz mit ganz wenigen Ausnahmen. Ich höre dagegen gern Alte Musik, Jean Sibelius, Jim Croce, DDT, Power Metal, Regenrauschen…

Moderne Kunst und den dazugehörigen Kunstbetrieb finde ich überwiegend doof, alte Kunst überwiegend langweilig. Dabei habe ich an sich nichts gegen Kunst im weitesten Sinn, im Gegenteil. Sie muss mich nur ansprechen, das Medium ist dabei nicht so wichtig.

Werke, die ich mag, zeigen Dinge aus unerwartetem Blickwinkel oder in unerwartetem Kontext. Sie schälen das im Offensichtlichen Versteckte aus seiner Tarnung, zeigen das Besondere an Alltagsgegenständen oder -situationen oder stellen unerwartete Zusammenhänge her. Ich mag es, wenn es einem beim Betrachten, Lesen oder Hören wie Schuppen von den Augen fällt und man dann etwas wahrnimmt, das schon immer da war und bis da nur noch nie aufgefallen war.

Ich habe jetzt gar nicht mitgezählt, aber das mag für’s Erste reichen. Ging doch, war eigentlich gar nicht so schlimm. Dann stellt sich die Frage, wem ich das jetzt weiterreiche. Oder eher, ob ich das weiterreiche. Gibt es Blogger, von denen ich sieben zusammengeklaubte Fakten wissen will? Meistens wissen die ja selbst, was sie berichten wollen. Ich glaube, ich lass das hier einfach liegen. Wer mag, kann das Ding gerne aufnehmen und weitertragen.

Die Regeln für den One Lovely Blog Award gehen jedenfalls so: Schreibe ungefähr sieben beliebige Fakten über Dich auf, verlinke dabei auf das Blog, das Dich nominiert hat, und reiche das Blogstöckchen schließlich an ungefähr sieben Blogs weiter.


3 Kommentare on “Alles für die Kunst”

  1. Carmen sagt:

    Lieber Gnaddrig, danke! Jetzt weiß ich immerhin mehr über dich: Du kannst auch nicht nein sagen, begründest das aber ausführlich 😉

    Gruß Carmen

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  2. gnaddrig sagt:

    Ja, ich habe einfach mal draufgehalten bis nichts mehr kam 🙂

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  3. […] hat mich dann doch wieder ein Bockstöckchen getroffen, diesmal vom Kollegen Pfeffermatz. Beim letztenmal hatte ich bereits ein paar Überlegungen zu dieser Art Zeitvertreib angestellt, das muss ich also […]

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