Eierbecher 2.0

Wenn ich könnte, wie ich wollte, hätte ich jede Menge toller Hitech-Geräte im Haushalt. Tatsächlich gebaut habe ich bisher nur den halbautomatischen Kuckuck, und der ist definitiv nicht Hitech, hat nicht wirklich eine Funktion und als Nutzen nur die Befriedigung, was Schräges gebaut zu haben aus den Resten einer Kuckucksuhr, die sonst in den Müll gewandert wären.

Nun gibt es ja – allen Fortschritten der Technik zum Trotz – noch jede Menge ungelöster Probleme. Wir fliegen auf den Mond und aus dem Sonnensystem, aber Frühstückseier richtig zu kochen ist bis heute weitgehend Glückssache. Vergangenen Mai hatte ich dieses uralte Problem der Menschheit durch die vielbeachtete Erfindung der Frühstückseimaschine endlich gelöst.

Dabei war allerdings das Pellen des Frühstückseis zu kurz gekommen, das hatte ich damals nur in einem Nebensatz abgehandelt. Jetzt haben meine Töchter und ich beim Frühstück Möglichkeiten diskutiert, diese gravierende Lücke zu schließen, und die grundlegenden Spezifikationen für ein dazu geeignetes Gerät entwickelt. Meine Frau hat währenddessen gelegentlich die Augen gerollt und ihr Frühstücksei gegessen, solange es noch heiß war.

Das Öffnen, Pellen und Essen des Frühstückseis ist nämlich längst nicht so trivial, wie man meinen könnte. Wer je versucht hat, ein deutlich zu weiches Ei unfallfrei zu löffeln, wird wissen, was ich meine.

Es gibt ja nun unzählige Methoden, die Eier zu öffnen. Manche klopfen die Schale mit dem Löffel kaputt und pulen die Scherben dann von Hand ab. Andere köpfen ihre Frühstückseier mit dem Messer. Wieder andere haben schlaue Geräte, die einen scharfkantigen Stahlring auf das Ei fallen lassen, der eine saubere Kappe von der Schale abtrennen soll. Funktioniert alles mehr oder weniger gut, ist aber irgendwie unbefriedigend. Darum stelle ich hier das Konzept für den neuartigen Frühstückseiservierautomaten (FESA) vor.

Das Gerät ist ungefähr so groß wie eine 50er-Trommel DVD-Rohlinge. In der Mitte der oberen flachen Seite ist die Öffnung, die das Ei aufnimmt. Eine ähnlich der Blende von Fotokameras aufgebaute Vorrichtung greift das Ei rundum. Um allzugroße Greifkräfte zu vermeiden, könnte es unten durch einen Saugnapf gehalten werden, der bei Kontakt per Pumpe einen leichten Unterdruck herstellt.

Entweder stellt man ein gekochtes Ei in den FESA, oder das Gerät enthält eine Version der Frühstückseimaschine. Um nicht zwei Geräte benutzen zu müssen, wäre das sicher zweckmäßig. Man stellt also das rohe Ei in den FESA. Zum Kochen des Eis fährt nun – ganz wie bei den Ufos in alten Science-Fiction-Schinken, eine Kuppel über das Ei. Das Ei wird dann nach Wunsch präzisionsgegart.

Zum Abschrecken des Eis müsste sich jemand einen schlauen Apparat ausdenken, der in dem Gehäuse Platz hat. (Das hatte ich bei der Frühstückseimaschine auch nicht näher ausgeführt.) Man könnte u.U. mit einer Kältemischung arbeiten, deren Zutaten in kleinen Tanks bereitstünden (mit Kontrolleuchten, alle 10 Eier müsste man dann Salz oder Trockeneis oder was weiß ich nachfüllen) und deren Kälte dann über einen Wärmetauscher oder sonstwie ans Ei gebracht wird.

Dann fährt die Kuppel wieder hoch und verschwindet im Gehäuse. Ein Roboterarm fährt aus seiner Klappe und pellt das Ei nach Wunsch. Dabei lassen sich verschiedene Techniken zur Anwendung bringen. Der Arm könnte die Schale – analog zur händischen Löffel- oder Tischkantenmethode – zertrümmern und die einzelnen Teile dann absammeln und in dem dafür vorgesehenen Schalenbehälter ablegen.

Oder ein Fräs- oder Schneidwerkzeug schneidet eine Kappe ab, ein Saugnapf greift die abgetrennte Kappe und verbringt sie in den Schalenbehälter. Oder ein Laser schneidet die Kappe oder ein beliebig konfigurierbares Muster (etwa das Logo der Lieblingsband, des Fußballclubs, Blumenmuster oder, seien wir realistisch, Werbung – im Internet der Dinge wird es ganz bestimmt auch in Frühstückseimaschinen Werbebanner geben, ganz sicher, auch wenn ich dagegen wäre!) in die Schale und sammelt die Einzelteile dann ab. Der Fantasie sind da nur die Grenzen der Technik (und, wahrscheinlich, der für die Entwicklung verfügbaren Geldmittel) gesetzt.

Der Roboterarm könnte sogar das Ei dann auslöffeln und an den jeweils Frühstückenden verfüttern. Auch das Salzen könnte maschinell erfolgen.

Alle Präferenzen könnten programmiert oder per Bedienelement spontan eingegeben werden. Das Gerät könnte in minimalistischem, futuristischem, kitschigem oder sonstwelchem Design gebaut werden. Ich würde das wahrscheinlich in Steampunk bauen.

Frühstück könnte so cool sein…

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