Satellitenbilder

In den letzten Jahren bekommt man im Rahmen der Berichterstattung über militärische Konflikte immer häufiger Satellitenbilder vorgesetzt. Es kreist ja mittlerweile jede Menge Elektronik in Kisten um die Erde, und die Zeiten sind lange vorbei, wo ein grauer Strippenzieher in Langley Stunden warten musste, bis ein eigener Satellit wieder das Einsatzgebiet eines CIA-Agenten in der Nähe von Moskau oder Murmansk oder sonstwo überflog und ein oder zwei Bilder in magerer Auflösung lieferte, sodass man wenigstens ahnen konnte, was dort vor sich ging. (Ich habe einschlägige Spionagethriller gelesen, ich kenne mich da also aus!)

Heutzutage liefern tausend Satelliten mehr oder weniger ständig von fast jedem Fleck der Erdoberfläche vergleichsweise hochauflösende Bilder in Echtzeit, und diese Bilderflut wird natürlich auch genutzt. Zum Beispiel um die Existenz von Kernkraftwerken, Raketensilos, Aufbereitungsanlagen u.ä. an bestimmten Orten zu belegen, Truppenaufmärsche und sonstige militärlogistische Aktivitäten zu dokumentieren usw. und daraus dann Anregungen für das weitere Vorgehen ableiten zu können.

Der Laie kennt sich mit Satellitenbildern nicht weiter aus und muss im Wesentlichen glauben, was man ihm dazu erzählt. Also vor allem von wann und von wem die Aufnahmen sind und was darauf zu sehen ist. Sogar wenn man es schafft, die gezeigten Orte in den Satellitenbildern von Google ausfindig zu machen, ist man nicht unbedingt viel schlauer, was die Interpretation der Bilder angeht. Diese Tatsache wird von interessierter Seite gelegentlich ausgenutzt, anders gesagt: es wird manipuliert, dass die Schwarte kracht.

Ohne jetzt bei den Verschwörungstheoretikern oder den Lügenpressekrakeelern mitlaufen zu wollen, überrascht mich das nicht unbedingt. Gerade die Verlautbarungen des mit Abstand größten militärischen Akteurs des Planeten zeichnen sich seit Jahrzehnten durch erhebliche Skrupellosigkeit und einen nachgewiesenermaßen kreativen Umgang mit der Wahrheit aus, und die anderen sind auch nicht besser. Man weiß das, weil ihnen immer wieder jemand draufkommt und die Mauschelei dann öffentlich macht.

Egal, es ist natürlich nicht einfach, echten Satellitenbildern plausible Fantasiegeschichten so sauber auf den Leib zu schneidern, dass es nicht doch auffliegen könnte. Noch die entlegenste Wüstenei enthält Landmarken, die auffindbar und wiedererkennbar sind, und wie Murphy so will, findet sich auch immer mal wieder wer, der zeigt, dass ein bestimmtes Bild ganz etwas anderes zeigt als offiziell behauptet (wie man Satellitenbilder „liest“, wird hier sehr schön gezeigt). Das ist für die Pressesprecher der jeweiligen Armee, Behörde oder Firma ziemlich ärgerlich, man steht dann ja schon ein bisschen blöd da.

Um diesen bedauerlichen Missstand abzustellen, schlage ich die Verwendung generischer Satellitenbilder vor, die man dann für den Einsatz in Pressemeldungen noch um geeignete Siedlungen, Bauwerke, Truppeneinheiten o.ä. ergänzen kann (wie Photoshop und Copy&Paste funktionieren setze ich als bekannt voraus). Für den Anfang biete ich diese zwei Aufnahmen einer (bei der derzeit technisch machbaren Auflösung) garantiert nicht auf Google Earth auffindbaren kargen Berglandschaft an:

satellitenbild_eins

satellitenbild_zwei

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6 Kommentare on “Satellitenbilder”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Ich glaube, da war ich schon! War irgendwie kalt und nass.

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  2. gnaddrig sagt:

    Genau, aber auf Google nicht zu finden 🙂

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  3. Stefan R. sagt:

    Hey, das untere sieht 1:1 aus wie zwei der Karten in dem Spieleklassiker ‚Comanche‘ damals (ich war ein gefürchteter Pilot)…

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  4. tinyentropy sagt:

    Da bleibt nichts mehr zu sagen, außer auf die Estetik mancher Bilder hinzuweisen.

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  5. gnaddrig sagt:

    @ Stefan: Witzig. Als das Spiel gebaut wurde, war diese Teerpappe sicher noch nicht verlegt. und wenn, dann war sie noch schön schwarz, sauber und glatt…

    @ tinyentropy: Finde ich auch, Satellitenbilder sehen oft klasse aus.

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  6. […] (Satellitenbilder mag ich irgendwie.) […]

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