Kannste so machen…

… dann ist es halt Kacke.

Meine Frau hat mir eine Postkarte geschenkt, auf der dieser Spruch steht. Aus gutem Grund, es passt nämlich ganz gut. Ich habe bei ganz vielen Sachen ziemlich detaillierte Vorstellungen davon, wie es gehört und vor allem wie es nicht gehört. Wenn ich mich Dingen ausgesetzt finde, die aus meiner Sicht nicht so gehören, leide ich bzw. kriege ich schlechte Laune.

Das ist dann kein Theater von mir, keine komische Übertreibung, sondern völlig echt. Es gibt „falschgemachte“ Dinge, die ich – ohne mich unnötig kaprizieren zu wollen – einfach nicht gut abkann. Brauchen ohne zu zum Beispiel, oder lauwarmen Tee, Falten in den Socken, dämlich-aufdringliche Werbung oder Hefeteig mit Zitronenschalenaroma. An guten Tagen stecke ich das noch ganz gut weg, aber wenn ich müde, im Stress oder sonst irgendwie nicht auf der Höhe bin, macht mich das fertig.

Anderes könnte mir egal sein, ärgert mich dann aber trotzdem, wenn es nicht richtig gemacht wird. Wenn nämlich jemand offensichtlich ein bestimmtes Ergebnis erzielen will, das ganze aber falsch anpackt und es (jedenfalls mir) von vornherein klar ist, dass sich das gewünschte Ergebnis nicht einstellen wird. Wenn jemand z.B. einen riesigen Einkauf in einem winzigen Kofferraum unterbringen will und durch undurchdachtes Packen jede Menge Platz verschenkt. Da bleibt dann jede Menge Zeug übrig, man muss drücken und quetschen, und dabei werden die natürlich ganz zuunterst eingepackten Joghurtbecher von der darüber gelagerten kantigen Waschpulvergroßpackung zerdrückt und die Bananen von einem Karton Konservendosen zu Brei verarbeitet. Hätte man vorher sehen können. Sollen. Müssen.

Das ist allerdings kein handelsüblicher Perfektionismus. Es geht mir nicht unbedingt um die objektiv bestmögliche Lösung eines Problems (mancher Grüne Tee zum Beispiel gehört ja nur lauwarm aufgegossen – blärgs), sondern darum, etwas genau so hinzukriegen, wie es mir am besten gefällt. Dabei sollen die Parameter, die mir wichtig sind, möglichst nahe an ihre idealen Werte herankommen, andere Parameter können da wild variieren, umso wilder, je egaler sie mir sind.

Ob meine Lösung die fachlich beste Lösung ist, interessiert mich dabei kaum. Sie muss nur für meine Belange funktionieren. Ob ein gelernter italienischer Koch meine Pizza als auch nur im allerweitesten Sinn italienisch anerkennt oder ob er sie für ungenießbar hält, ist mir wurscht, hauptsache sie schmeckt mir. Ob mein Verstärker nach gängiger Tonmeistermeinung ideal eingestellt ist, interessiert mich nicht, hauptsache der Klang passt mir in die Ohren (umsomehr wenn ich für mich musiziere und nicht für ein Publikum).

Perfektionismus passt als Wort also nicht wirklich. Selektive Penibilität ist da wahrscheinlich ein besserer Ausdruck. Jedenfalls weiß ich bei vielen Sachen, wie sie (aus meiner Sicht) gehören. Gleichzeitig weiß ich, dass man sie anders machen kann, also falsch. Man kann beispielsweise Richard Wagner oder Anna Netrebko in die Stereoanlage stecken statt, sagen wir, Jean Sibelius oder Montserrat Figueras. Oder man hört Jan Delay, oder Revolverheld, oder Nickelback anstelle irgendwelcher hörbaren Musik.

Kann man schon machen, aber dann ist es halt Kacke. Also, ich finde den Spruch klasse!

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7 Kommentare on “Kannste so machen…”

  1. Der Spruch hängt bei mir im Büro an der Wand.

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  2. gnaddrig sagt:

    Bei mir jetzt ja auch. Hat was Beruhigendes 😉

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  3. schnecke sagt:

    Falten in den Socken? grinzzz!
    Braucht sich keiner drüber aufregen, der sich so schön nötig kapriziert!

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  4. gnaddrig sagt:

    Man hat eben Stil oder man hat keinen! Und Feingefühl. Und glaub nicht, ich hätte die versteckte Lücke zwischen auf und regen nicht bemerkt 😉

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  5. Jule sagt:

    In Kiel dann bitte nicht mit dem Bus fahren. Dort kann man sich ein Taxi an die Wunschhaltestelle bestellen und braucht dann nur noch umsteigen. (Steht so in jedem Bus auf einem Aufkleber, und am liebsten möchte ich dann einen Filzer einsetzen.)

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  6. gnaddrig sagt:

    Da stellt sich wieder die alte Frage: „Liest sich das nicht nochmal wer durch, bevor das in den Druck geht?“ Wohl nicht…

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  7. Der Spruch klebt neben einem Zitat von Ringelnatz bei mir am Auto ;-).

    Es gibt auch so einige Sachen, die ich einfach nicht abkann. Schmatzen gehört unter anderem bei mir dazu. Wenn ich müde oder gestresst bin, dann macht mich das unheimlich böse – ob ich will oder nicht. Gibt aber noch andere Dinge, die mich dann nervös machen. Ein Fluch ;-).

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