Landkreise

Es gibt ja Städte, deren Namen man auf dem Autokennzeichen buchstabieren kann. Klassisches Beispiel ist Unna: UN – NA 123, ein anderes Ulm: UL – M 456.

Die Idee, darüber zu schreiben, hatte ich neulich. Da sind mir kurz hintereinander ein Auto aus Heide (HEI – DE 123) und aus Ilmenau im Ilm-Kreis (IL – M 456) vorgekommen. Mir sind noch spontan ein paar Orte eingefallen, deren Namen man im Kennzeichen zwar nicht korrekt schreiben, aber phonetisch halbwegs erkennbar abbilden kann, z.B. Aachen (AC – HN) oder Mannheim (MA – NM; der Ort heißt lokal Mannem).

Dann dachte ich, vielleicht gibt’s ja noch mehr von der Sorte, und habe mir die Liste der Kfz-Kennzeichen in Deutschland angeschaut. Die ist recht lang – es gibt 295 Landkreise in Deutschland, und es dürfen seit kurzem auch die Kennzeichen einer ganzen Reihe im Zuge verschiedener Maßnahmen zur Gebietsreform aufgelöster bzw. in größeren Kreisen zusammengeführter Landkreise benutzt werden, etwa Quedlinburg (QLB), HBS (Halberstadt) und WR (Wernigerode), heute alle Landkreis Harz (HZ).

Meine Liste von Autokennzeichen, mit denen man den Namen der Kreisstadt oder des Landkreises ausschreiben kann, ist daher viel länger geworden, als ich erwartet hätte. In korrekter Schreibung finde ich die folgenden:

AU – E: Aue (Erzgebirgskreis)
BAD – EN: Baden-Baden
BRA – KE: Brake (Landkreis Wesermarsch)
BÜR – EN: Büren (Kreis Paderborn)
CHA – M: Cham
DAU – N: Daun (Landkreis Vulkaneifel)
FLÖ – HA: Flöha (Landkreis Mittelsachsen)
FOR – ST: Forst (Lausitz) (Landkreis Spree-Neiße)
GOA – R: Goar (Rhein-Hunsrück-Kreis)
GUB – EN: Guben (Landkreis Spree-Neiße)

HAL – LE: Halle (Saale)
HAM – M: Hamm
HEI – DE: Heide (Kreis Dithmarschen)
HER – NE: Herne
HO – F: Hof
HOR – B: Horb (Landkreis Freudenstadt)
KI – EL: Kiel
KLE – VE: Kleve
KUS – EL: Kusel
LAU – F: Lauf an der Pegnitz (Landkreis Nürnberger Land)

LIP – PE: Lippe
LÜN – EN: Lünen (Kreis Unna)
NAI – LA: Naila (Landkreis Hof)
PIR – NA: Pirna (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
PLÖ – N: Plön
PRÜ – M: Prüm (Eifelkreis Bitburg-Prüm)
REG – EN: Regen
REH – AU: Rehau (Landkreis Hof; Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge)
RIE – SA: Riesa (Landkreis Meißen) (Geht nicht, weil SA nicht vergeben wird.)
RÜG – EN: Rügen (Landkreis Vorpommern-Rügen)

SEL – B: Selb (Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge)
TÖL – Z: Bad Tölz (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen)
UL – M: Ulm
UN – NA: Unna
WAN – NE: Wanne-Eickel (Stadt Herne)
WES – EL: Wesel
ZEL – L: Zell (Mosel) (Landkreis Cochem-Zell)

In verkorkster, aber mehr oder weniger phonetischer Schreibung finde ich die folgenden:

ALF – LD: Alfeld (Leine) (Landkreis Hildesheim)
ANK – LM: Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald ohne die Stadt Greifswald)
AUR – CH: Aurich
BAR – NM: Barnim
BE – KM: Beckum (Kreis Warendorf)
BIN – GN oder BIN – G: Bingen (Landkreis Mainz-Bingen)
BO – RM: Bochum (In manchen Gegenden wird das ch fast wie ein r ausgesprochen – stimmhaft und wesentlich weniger hart; wenn man das o lang ausspricht, wie in Ofen, ergibt sich zwischen r und m ein Schwa. Damit wäre man immerhin in Hörweite der tatsächlichen Aussprache von Bochum.)
BOR – KN: Borken
BOT – RP: Bottrop
BRA – KE: Brake (Landkreis Wesermarsch)

BÜD – NG: Büdingen (Wetteraukreis)
BÜZ – O oder BÜZ – ZO: Bützow (Landkreis Rostock)
CE – LE: Celle
COC – HM: Cochem (Landkreis Cochem-Zell)
DIZ : Diez (Rhein-Lahn-Kreis)
E – SN: Essen
EIN – BK: Einbeck (Landkreis Northeim)
EN – PE: Ennepe (Ennepe-Ruhr-Kreis)
ERB – CH: Erbach (Odenwaldkreis)
FÜ – RT: Fürth

GI – SN: Gießen
HA – GN: Hagen
IZ – HO: Itzehoe (Kreis Steinburg)
JE –SN: Jessen (Elster) (Landkreis Wittenberg)
JÜL – CH: Jülich (Kreis Düren)
KEL: Kehl (Ortenaukreis)
KÖT – EN: Köthen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld)
LER: Leer (Ostfriesland)
MA – NM: Mannheim (In der lokalen Mundhart heißt die Stadt Mannem!)
MEI – SN: Meißen

MI – NN: Minden (Kreis Minden-Lübbecke)
MÜR – IZ: Müritz (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte)
NE – US: Neuss (Rhein-Kreis Neuss)
NOR – DN oder NOR – N: Norden (Landkreis Aurich)
ÖHR – NG: Öhringen (Hohenlohekreis) (Entspricht in etwa meiner Art, Silben zu verschleifen; ist ansonsten aber zugegebenermaßen eher weit hergeholt.)
SEB – NZ: Sebnitz (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge)
SEE – LO: Seelow (Landkreis Märkisch-Oderland)
SI – GN: Siegen (Kreis Siegen-Wittgenstein)
SIM – AN: Simmern/Hunsrück (Rhein-Hunsrück-Kreis)
SO – ST: Soest

TET – RO: Teterow (Kreis Rostock)
USI – NG: Usingen (Hochtaunuskreis)
VAI – NG: Vaihingen an der Enz (Landkreis Ludwigsburg)
VER – DN: Verden (Aller)
WIS – MA: Wismar (Landkreis Nordwestmecklenburg)
WIT – TN oder WIT – N: Witten (Ennepe-Ruhr-Kreis)
WUR – ZN: Wurzen (Landkreis Leipzig)

Viele dieser Schreibungen funktionieren wahrscheinlich nur mit meiner Art zu sprechen. In anderen, v.a. süddeutschen Mundarten, dürften einige davon nicht funktionieren. Auch habe ich (außer bei Mannheim) nicht beachtet, wie die süddeutschen Städte tatsächlich ausgesprochen werden; meine Aussprache dürfte gerade mit bayerischen Ortsnamen nicht immer kompatibel sein. Aber dies ist ja auch keine sprachwissenschaftliche Arbeit, da darf ich solche Kleinigkeiten einfach unter den Tisch fallen lassen.

Die Untersuchung, welche anderswo in Deutschland (oder der Welt) gelegenen Orte man auf Kennzeichen buchstabieren kann, habe ich mir übrigens erspart. Vielleicht wäre es eine Beschäftigung für jemanden mit zuviel Zeit.

Oder noch besser: Erstellen eines Wörterbuchs, dessen Einträge nur aus (möglichen) deutschen Autokennzeichen bestehen…

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7 Kommentare on “Landkreise”

  1. (In der lokalen Mundhart heißt die Stadt Mannem!)

    Nein, in der lokalen Mundart heißt die Stadt „Monnem“. Allerdings eignet dem Verschreiber „Mundhart“ erhebliche innere Schönheit, speziell in diesem Bezug.

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt, Mundhart ist schön.

    Und was Mannem vs. Monnem angeht, da bilde ich mir ein, auch die Variante Mannem gehört zu haben, wobei man sich das natürlich auch nicht mit norddeutsch offenem a vorstellen muss. Das spielt sowieo eher in Richtung o als in Richtung ä. Über die Schreibweise kann man sich da streiten, aber es wäre schade, Mannheim von der Liste der im Kennzeichen schreibbaren Städte nehmen zu müssen 🙂

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  3. cimddwc sagt:

    BRA-KE gehört ja wohl eher in den nicht-verkorksten Bereich.

    Ich überlege gerade noch, ob man M-NA als Verkorksung von „Minga“, wie München im Münchner Dialekt heißt, akzeptieren kann – aber das fehlende i wird man wohl nur als i sprechen, wenn man weiß, wie’s gedacht ist, und ein Schwa-Laut würde da nicht passen…

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  4. gnaddrig sagt:

    Stimmt, das muss mir verrutscht sein, das schiebe ich schnell in die richtige Ecke. Danke für den Hinweis 🙂

    Was München angeht, würde ich mich eher am fehlenden g aufhängen.

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  5. cimddwc sagt:

    Nun ja, einerseits richtig. Andererseits ist der Ausspracheunterschied zwischen „min-na“ und „ming-a“ (nicht „min-ga“ mit ausgesprochenem g) m.E. auch nicht so groß.

    Umgekehrt fehlt mir bei deinen Beispielen oben mit „NG“ für auf „-ingen“ endende Orte die Schwa-Endung dann doch ziemlich (bei Vai und Öhr zumindest, ob die Usinger das anders machen, weiß ich nicht). Aber egal, es gibt auch Wichtigeres. 🙂

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  6. gnaddrig sagt:

    Gut, bayerische Mundarten kenne ich gar nicht weiter, da muss ich passen. Dass die schwäbischen Ortsnamen mit -ingen dort auf Schwa enden, weiß ich. Ich bin aber sicherheitshalber von meiner eigenen (norddeutschen) Aussprache ausgegangen, weil ich die meisten Mundarten ja doch nicht kenne und im Zweifelsfall auch nicht weiß, wie die Ortsnamen von den Alteingesessenen ausgesprochen werden.

    Bei mir hören solche Wörter tatsächlich auf -ng auf (Vaing, Öhring, immer mit langem ng, sozusagen zwei identischen Silben ng hintereinander). Ich könnte nicht mal sagen, ob das meine persönliche Art ist, Wortendungen zu verschleifen, oder ob das tatsächlich weiter verbreitet ist.

    Und auch wenn es Wichtigeres gibt, interessant ist es doch 🙂

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  7. Yadgar sagt:

    Hmmm, was gibt es denn da für mich?

    HER-AT ist natürlich der Klassiker… und mir ein einziges Mal (in Köln!) sogar wirklich begegnet!
    Außerdem (und etwas häufiger): OB-EH und DO-AB…

    Gefällt 1 Person


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