Sortierungen

Meine Tochter muss jetzt im Rahmen der Hausaufgaben immer mal einen Batzen sogenannter Lernwörter sortieren. Wörter, die in der vorangegangenen Woche neu im Unterricht aufgetaucht sind und für schwierig gehalten werden. Oder Wörter, die Teil irgendwelchen Unterrichtsstoffes waren.

Dieses Sortieren ist für sie schon lange keine Herausforderung mehr, sie findet das furchtbar langweilig und – viel schlimmer – völlig unnötig (wie übrigens die allermeisten Hausaufgaben).

Auch von der Lehrerin willkürlich formulierte Regeln helfen da nicht. Ob man die Wörter nun untereinander schreibt oder Zeilen vollschreibt, ob man alphabetisch sortiert oder, wie neulich, Tabellen bastelt, wo die Wörter nach Wortart, Vorsilbe, Endung oder sonstigen Kriterien gruppiert werden, ist ja eigentlich egal. Tochter findet es doof. Gut, man übt sortieren, sage ich, das kann einem später mal zupass kommen. Blärgs, sagt sie, ich will doch später keine Wörterbücher schreiben, entgegnet sie.

Besonders ärgert sie sich darüber, dass sie den ganzen Rotz unnötigerweise abschreiben muss. Sie kenne die Wörter ja alle schon, könne sie schon richtig schreiben und überhaupt, man könnte doch einfach Nummern dranschreiben, das sei ja auch sortiert. Naja, immerhin übt man schreiben, merke ich an, das ist ganz nützlich, wenn man es flüssig kann. Blärgs, erwidert sie, für Einkaufszettel reicht es jetzt schon, und später schreibt man doch sowieso alles am Computer. Hm, liegt sie nicht ganz falsch. Von Liebesbriefen fange ich jetzt mal nicht an, die kommen später.

Egal, wir haben beide nicht unrecht. Aber da nun leider die Lehrerin bestimmt, muss Töchterchen eben gute Miene zum bösen Spiel machen und das Zeug sortieren und abschreiben.

Aber man könnte, so rein hypothetisch, auch anders sortieren. Nach Buchstabenzahl vielleicht. Oder nach Verhältnis von Konsonanten zu Vokalen. Oder nach Materialverbrauch – man schreibe das Wort nach der offiziell gelehrten Schreibschrift und messe die Gesamtlänge der benötigten Striche und sortiere die Wörter danach. Oder danach, wie oft man zum lehrbuchmäßigen Schreiben eines Wortes neu ansetzen muss. (Gibt es eigentlich Wörter, die mit einem Strich geschrieben werden? Ja, Lohn zum Beispiel, oder lallen.)

Man kann, glaube ich, die Zeit eines mittleren Autobahnstaus auf der Fahrt in den Urlaub mit dem Ausdenken neuer Sortiermethoden verbringen.

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2 Kommentare on “Sortierungen”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Man könnte die Wörter nach etymologischen Kriterien sortieren, z.B. Alter der jetzigen Schreibweise oder erstmaliges Auftauchen im deutschen Sprachraum… Oder Häufigkeit der Nutzung, oder Kalorienverbrauch beim Aussprechen…

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  2. gnaddrig sagt:

    Ich sag ja, für einen mittleren Stau kriegt man sich damit beschäftigt 🙂

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