Der Wind geht allezeit über das Land

In rechtslastigen, rückwärtsgewandten, nationalchauvinistisch orientierten Kreisen wird immer mal wieder über Dinge wie den angeblichen Völkermord durch Überfremdung und Umvolkung gejammert, dem die armen Deutschen derzeit mal wieder zum Opfer fallen.

Überall türkische Gemüsehändler, vietnamesische Imbissbetreiber, italienische Eisverkäufer. Migranten aller Herren Länder drängen die bescheidenen Deutschen aus dem Geschäft, nehmen ihnen die Arbeit, die Wohnungen, die Kindergartenplätze und die Sozialleistungen weg. Die Zukunft natürlich auch. Dazu kommt noch jede Menge Unterwelt – albanische Zuhälter, rumänische Einbrecher, diverse Mafias, das Finanzjudentum, SIE, wer auch immer.

Aber der Ehrliche ist bekanntlich der Dumme, und der treuherzige deutsche Michel lässt sich das alles brav gefallen, bettelt geradezu nach mehr und merkt nicht, wie er an dem Ast sägt, auf dem wir alle sitzen. Nichtmal Neger oder Zigeuner darf man mehr sagen, während die als Flüchtlinge (Ha, Flüchtlinge, das sind doch in Wirklichkeit alles schmarotzende Faulpelze!) hier üppige Sozialleistungen auf Kosten unserer hungernden Alten abgreifen, unseren Kindern Drogen verkaufen und massenweise deutsche Frauen schwängern, statt zuhause mal ordentlich anzupacken und den Saustall dort auf Vordermann zu bringen!

Und weil „die“ sich natürlich wie die Karnickel vermehren – wer nicht arbeiten muss, kann viel kindermachen – während die einheimische Jugend sich zu fein ist, dem Führer Kinder zu schenken vom linksgrünliberalen meinungsdiktatorischen Sumpf kurzgehaltenen Deutschen sich das Kinderkriegen einfach nicht mehr leisten können, werden „die“ „uns“ in ein paar Jahren zahlenmäßig überholen. Dann ist Schluss mit lustig, hört man, dann kommen hier Scharia, Zwangsislamisierung, Verbot der deutschen Kultur, die völlige Verwässerung der Herrenrasse, kommt letztlich die Abschaffung Deutschlands und damit das Ende der Welt.

Dabei – und jetzt verlasse ich dieses Milieu und spreche wieder selbst – ist es mit der angeblichen Reinheit der vielbeschworenen „arischen Rasse“, der Germanen und der Deutschen nicht übertrieben weit her. Will heißen, das Deutsche Volk ist nicht besonders homogen, sondern eine bunte Mischung bunter Promenadenmischungen verschiedenster Herkunft. Nicht schlechter, aber sicher auch nicht besser als egal welche andere Gruppe Menschen.

Und zum vermeintlich schicksalshaften Zusammenhang zwischen beliebigen Stückchen Erdboden und den zu einem beliebigen Zeitpunkt seit egal wann darauf lebenden Leuten, also letztlich zur angeblichen mythischen Verwurzelung beispielsweise der Deutschen in der angeblich heiligen deutschen Erde zwischen Loreley, Kyffhäuser und Neuschwanstein, hat Reinhard Mey vor dreißig Jahren eigentlich schon alles gesagt: Der Wind geht allezeit über das Land.

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