Davon noch mehr!

Gestern wurde in Irland ein Referendum über die Einführung der Ehe für Homosexuelle abgehalten. Das offizielle Ergebnis steht noch aus, aber wie es aussieht, haben die Iren mit ganz deutlicher Mehrheit dafür gestimmt, dass jetzt auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen sollen. Angesichts der hohen Wahlbeteiligung ist das eine ganz deutliche Absage an die konservative Nein-Fraktion.

Ich freue mich, dass in Irland jetzt ein schmerzliches Stück Benachteiligung für Schwule und Lesben abgeschafft und ein wenig mehr Gleichheit für alle in die Verfassung geschrieben wird.

Einerseits bin ich nicht ganz sicher, ob die klassische Ehe das sinnvollste Modell ist, die gängigen Lebensentwürfe angemessen abzubilden. Vielleicht sollte man bei der Gelegenheit den Personenstand vollständig neu organisieren (dazu gibt es ja auch in Deutschland viele Meinungen, jede Menge Vorschläge und endlose Diskussionen). Andererseits ist das Ergebnis des irischen Referendums auf jeden Fall erfreulich, weil es die  ungerechtfertigte Benachteiligung bestimmter Personengruppen verringert.

Besonders gut finde ich, dass die Kampagne gegen „die Schwulenehe“ offensichtlich nicht verfangen hat. Die Nein-Kampagne hatte u.a. versucht, schon die Möglichkeit gleichgeschlechtlicher Ehen als Angriff auf die klassische, heterosexuelle Ehe und vor allem auf die Familie hinzustellen. Das hat ihnen das irische Wahlvolk offenbar nicht abgekauft, und das finde ich ausgesprochen erfreulich. Das auch hierzulande immer wieder gebrachte Argument von der schwulen Gefahr für die christliche Familie ist nämlich schon immer Unsinn gewesen und ist durch jahrelange gebetsmühlenartige Wiederholung nicht besser geworden.

Die Kirche wird sich damit abfinden müssen, dass Schwule und Lesben ganz normale Menschen mit denselben Rechten und Pflichten wie alle anderen sind. Die Konservativen werden sich damit abfinden müssen, dass auch andere Familienkonstellationen als Vater, Mutter, Kind denkbar sind und nicht automatisch eine Gefährdung der Kinder darstellen, dass auch nichtheterosexuelle Lebensentwürfe funktionieren und dass all das sowieso niemanden daran hindert, eine ganz klassische heterosexuelle Familie zu gründen und christlich, konservativ und unbehelligt zu leben. Niemand greift die klassische Familie an, niemand versucht, die Gesellschaft zu „verschwulen“, das Abendland wird auch in Irland nicht untergehen, im Gegenteil.

Herzlichen Glückwunsch an die Iren zu dieser Entscheidung. Endlich mal ein spektakuläres Ereignis, wo nicht hasserfüllte, angstgebeutelte Dumpfbacken oder engstirnige Ewiggestrige alles Andersdenkende plattbügeln, sondern wo Vernunft und Menschlichkeit zu Wort kommen. Dieses Ergebnis ist gut für Irland und ein Beispiel für den Rest von Europa. Davon braucht’s noch mehr!


One Comment on “Davon noch mehr!”

  1. […] zu erwarten war ist die katholische Kirche nicht begeistert vom Ausgang des Referendums zur Ehe für homosexuelle Paare in Irland. Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin lässt wissen, […]

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In den Wald hineinrufen

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