Gewinn für die Menschheit

Wie zu erwarten war ist die katholische Kirche nicht begeistert vom Ausgang des Referendums zur Ehe für homosexuelle Paare in Irland. Kardinal-Staatssekretär Pietro Parolin lässt wissen, er sei sehr traurig über dieses Ergebnis. Die Kirche müsse diese Realität berücksichtigen, aber in dem Sinne, ihre Verpflichtung zur Evangelisierung zu stärken. Man könne, glaubt er, nicht nur von einer Niederlage der christlichen Prinzipien sprechen, sondern von einer Niederlage für die Menschheit. Man müsse alles dafür tun, die Familie zu verteidigen, weil sie die Zukunft der Menschheit und der Kirche bleibe.

Peinlich ist erstmal, dass der Mann wieder die alte Leier von der Verteidigung der Familie anstimmt, als ob Schwule – egal ob verheiratet oder nicht – die Familie (oder die christliche Ehe) bekämpfen, angreifen oder irgendwie gefährden würden. Tun sie nicht, jedenfalls nicht dadurch, dass sie wie alle anderen leben, heiraten und Familien gründen, wenn man sie denn lässt. Ich verstehe einfach nicht, welche Gefahr für Ehe und Familie man dort fürchtet, wogegen man Ehe und Familie verteidigen zu müssen glaubt.

Und was Parolin da so unheilschwanger als Niederlage für die Menschheit bezeichnet, ist meiner Ansicht nach im Gegenteil gerade ein Gewinn für die Menschheit. Nicht, weil die christliche Ehe für Schwule wie für Heteros besonders wichtig oder gar unverzichtbar wäre, sondern weil hier endlich die Rechtsgrundlage für kaum zu rechtfertigende Ungleichbehandlung abgebaut wird, wenigstens auf diesem Gebiet. Weil das Wahlvolk Irlands sich – eigentlich ganz im Sinne der Kirche – auf die Seite der Benachteiligten und Ausgestoßenen stellt und sich laut und deutlich für die Schaffung einer weniger diskriminierenden Rechtsordnung ausspricht.

Außerdem ist das ganz nebenbei auch ein Sieg für zentrale christliche Werte, nämlich Nächstenliebe und Barmherzigkeit nebst Gerechtigkeit. Das sind zumindest nach meinem Verständnis tragende Elemente in der Lehre des Jesus von Nazareth. Dinge, die eigentlich das Fundament der Kirche bilden sollten. Dinge, die zu verteidigen ureigenste Aufgabe des Stellvertreters Christi auf Erden sein sollte. Dinge, von denen die Kirche sich aber nach Belieben abwendet, wenn es um den Erhalt der eigenen Macht und der teilweise beträchtlichen Pfründe geht.

Es ist traurig, dass sie diesen schreienden Widerspruch nicht sehen. Und es ist großartig, dass die Iren da wenigstens in dieser Sache nicht mehr mitspielen. Das ist gut für Irland, ein Beispiel für den Rest von Europa, ein Gewinn für die Menschheit. Davon braucht’s noch mehr!

Advertisements


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s