Trümmerkinder, später

Vor Jahren habe ich einen Artikel von (oder war es ein Interview mit?) einer Journalistin gelesen, die sich mit der Psychologie von Kriegs- und Flüchtlingskindern und deren Kindern beschäftigte. Sie hatte in dem Artikel einige typische Verhaltensweisen, Charakterzüge (oder eher: Gefühlslagen) beschrieben, die vielen dieser Leute gemeinsam sind.

Ich selbst habe mich selbst und meine Geschwister und vor allem meine Eltern an mehreren Stellen wiedererkannt, und ich empfand es als erhellend und befreiend, dass diese – mir mit der Zeit immer stärker als merkwürdig aufgestoßenen, aber nicht recht fassbaren – Phänomene in der Familie nicht aus dem Nichts kommen, sondern einen möglichen Grund in der Geschichte haben können. Dass es sein könnte, dass wir nicht einfach eine irgendwie komische Familie waren, sondern möglicherweise alle miteinander an den Folgen einer Reihe von Traumata meiner Großeltern und Eltern litten. Und dass wir demzufolge lernen könnten, mit diesen Dingen umzugehen, sie abzuarbeiten und wenigstens teilweise loszuwerden.

Das ganze hatte ich dann erfreut und erleichtert als „interessante und potenziell hilfreiche Erkenntnis“ abgelegt und über dieser Erleichterung vergessen, das weiterzuverfolgen. In der Folge hatte ich das Thema etwas aus den Augen verloren, zwischenzeitlich sogar den Namen der Autorin vergessen. Jetzt hat meine Frau eher zufällig in der Buchhandlung zwei Bücher über genau das Thema gefunden und gekauft. Im Vorwort beschreibt die Autorin, wie sie zu dem Thema kam, und ich bin ziemlich sicher, dass sie die Journalistin ist, von der ich damals gelesen hatte.

Ich finde das Thema sehr wichtig, nicht nur weil ich selbst betroffen bin, und es ist höchste Zeit, sich damit zu beschäftigen, nicht uns- ihren Kindern – nicht mehr viel Zeit mit ihnen bleibt und wir sie bald gar nichts mehr fragen können. Ich habe die beiden Bücher jedenfalls gelesen und finde sie sehr wertvoll, darum möchte ich sie hier in den nächsten Tagen vorstellen.

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Die vergessene Generation: Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen
Klett-Cotta; 14. Auflage 2014, ISBN: 978-3608947977, € 9,95

Kriegsenkel: Die Erben der vergessenen Generation
Klett-Cotta; 9. Auflage 2014, ISBN: 978-3608948080, € 9,95

Nachtrag: Hier geht es zu den beiden Artikeln:

Die vergessene Generation

Kriegsenkel – die Erben der vergessenen Generation


One Comment on “Trümmerkinder, später”

  1. […] zu haben, werde ich von meinen Eltern geerbt haben. Bei denen geht das sicher großenteils auf die Familiengeschichte mit Vertreibung und Flucht ihrer Eltern zurück, auf die Bombennächte und den Verlust von Wohnung […]

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