Horizonte

Jetzt hat aargks mir eine ausgesprochen nette Rezension geschrieben. Beim Lesen dachte ich, wow, tolles Blog, toller Blogger, wo finde ich das? Und dann war ich tatsächlich selbst gemeint… Und es stimmt alles, er hat durchweg recht mit seinem Lob 😉 Aber im Ernst, sowas lese ich natürlich sehr gern über mich!

Eine Sache möchte ich dazu aber anmerken: Zwar schreibe ich hier meinen Senf auf meine Art, aber ich hänge nicht im luftleeren Raum. Natürlich kriege ich auch viele Anregungen aus dem Internet, aus anderen Blogs und immer mal wieder aus der echten Welt, durch die ich Tag für Tag laufe. Aber viele Ideen kommen zustande, wenn meine Frau und ich Sachen zusammen erleben, mit der Welt interagieren, unsere Eindrücke und Gedanken zu Erlebtem abgleichen oder uns ganz allgemein über irgendwas unterhalten. Dadurch komme ich auch auf Themen, die ich sonst eher nicht so auf den Bildschirm kriegen würde.

Wenn ich hier im Blog Ideen oder Anregungen von meiner Frau verarbeite, schreibe ich das in der Regel dazu. Aber ihr Einfluss ist natürlich auch anderswo in meinen Ausführungen präsent, ohne dass ich das so genau auseinanderhalten oder kennzeichnen könnte. Sie prägt meine Sichtweisen, meine Meinungen, meine Sprache, je länger je mehr. Im Zusammenleben verändern sich meine Positionen, verschieben sich meine Blickwinkel. In vieler Hinsicht ergänzen wir uns, füllen gegenseitig Wissens- und Wahrnehmungslücken, rücken verzerrt Wahrgenommenes gerade, sind uns gegenseitig Spiegel und Resonanzboden. Das ist etwas, das ich – ganz unabhängig von den Auswirkungen auf die Bloggerei hier – nicht missen möchte.

Dabei ist es ziemlich herausfordernd und anstrengend, sich ständig mit einem anderen Blickwinkel auseinandersetzen zu müssen. So manche simple Gewissheit, die ich als weißer heterosexueller biodeutscher Mann ganz selbstverständlich mitgekriegt hatte, ist wenn nicht komplett weggekegelt so doch erheblich zurechtgestutzt worden. Mir war vorher gar nicht bewusst, wie privilegiert ich so bin oder dass es Privilegiertheit im Alltag überhaupt gibt, und ob ich da ohne weiteres von selbst drauf gekommen wäre, kann ich nicht sagen. Ich hätte jedenfalls bis auf weiteres eine Reihe unschöner Meinungen und Verhaltensweisen im Repertoire behalten, weil ich möglicherweise kaum auf die Idee gekommen wäre, dass sie nicht so in Ordnung sind.

In seiner Rezension hat aargks meinen allerersten Beitrag verlinkt, wo ich über die Möglichkeit geschrieben hatte, Kühe mit Stromstößen zu dirigieren. Beim nochmaligen Lesen ist mir jetzt aufgefallen, dass schon ganz am Anfang wichtige Impulse nicht von mir kamen. Die Idee für die Pointe in dem Kuhflüstertext kam von meiner Frau. Der Vorschlag, ein Blog anzufangen, kam von ihr. Mein Nick, gnaddrig, geht auch auf eine Idee von ihr zurück. Der Avatar ist eine von mir selbst komponierte und gezeichnete Kombination eines gnätzigen Gnoms (hatte ich mal als Aufkleber; wohl witzig, passt aber nicht recht) und einer kleinen Figur von einem bärtigen, pfeiferauchenden Seemann, die sie mir mal geschenkt hat weil sie meinte, die passt zu mir (dabei sehe ich in echt ganz anders aus, wirklich). Die Zipfelmütze ist vom Gnom, der Rest vom Seebären.

Ohne sie wäre dieses Blog vielleicht gar nicht zustandegekommen, oder es wäre nicht so, wie aargks es jetzt besungen hat, möglicherweise viel enger und blasser. Und weil das hier bisher nicht groß erwähnt worden ist, möchte ich es an dieser Stelle endlich mal ganz ausdrücklich würdigen.


6 Kommentare on “Horizonte”

  1. aargks sagt:

    Oh wow, welch schöne Liebeserklärung 🙂

    Ich bin total gerührt und freue mich für Euch und Euer Verhältnis zueinander, das ist wunderwunderbar!

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  2. […] einen Tag später: gnaddrig hat eine Liebeserklärung auf seine Frau verfasst, ich schmelze dahin, das ist unglaublich […]

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  3. gnaddrig sagt:

    🙂

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  4. gnaddrig sagt:

    Ihr ist es ja auch, meint sie grad, ganz recht, wenn sie nicht einfach nur schweigend in Kauf genommen wird.

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  5. aebby sagt:

    Wirklich eine schöne Liebeserklärung 🙂

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  6. gnaddrig sagt:

    Danke! Musste sein und war längst fällig 🙂

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