Bloody Orkney

Musste eben – weiß nicht warum – zum erstenmal seit Jahren an das Gedicht Bloody Orkney von Hamish Blair denken. Da schreibt der Soldat Blair sich in ausgesprochen minderbegeistertem Tonfall den Frust über den doch recht abgelegenen Winkel von der Seele, in dem er – so die Legende – während des Zweiten Weltkriegs stationiert war.

Ich selbst war nie auf Orkney und kann darum nicht recht beurteilen, inwieweit er mit seiner Tirade recht hatte, und vieles kann sich seitdem geändert haben, ist ja jetzt schon ein paar Jahrzehnte her. Die Bilder in Tom Clarks Blog sehen eigentlich ganz hübsch aus, aber eine gewisse Trostlosigkeit sehe ich da durchaus, und es könnte ein Meisterstück der Reiseprospektfotografie sein – die Fotos zeigen vielleicht die absoluten Highlights von Orkney, das wimmelnde Leben sozusagen, der Rest wäre dann längst nicht so spannend.

Aber eine ganz wichtige Sache hat er unerwähnt gelassen, nämlich den Whisky. Auf Orkney wird der nördlichste Single Malt Schottlands gebrannt: Highland Park.

Dass ein britischer Soldat eine Gelegenheit ausgelassen hätte, sich zu betrinken, kann ich mir nicht vorstellen. Sowohl das Klischee als auch eigene Erfahrungen mit dem Kampfpersonal ihrer Majestät lassen das kaum denkbar erscheinen, Dienst hin, Dienst her.

Vielleicht mochte er keinen Whisky, obwohl zumindest der Vorname ausgesprochen schottisch klingt und es für Schotten ja bekanntlich Ehrensache ist, Whisky zu trinken. Oder war er eigentlich aus Kent und eher an Gin gewöhnt oder an die Brühe, die dort als Bier verkauft wird? Man weiß es nicht. Jedenfalls hätte Blair mit genügend Highland Park sich noch den letzten verwitterten Felsen im Atlantik einigermaßen schönsaufen können (und dann hätte die letzte Strophe – am besten im Bett mit Eisbeutel auf dem Kopf – wieder gestimmt).

Andererseits, dann würde der Hersteller das jetzt als Werbung benutzen. Tut er nicht, also war’s wohl nicht so. Ist vielleicht besser so, zumal der Schnaps gut genug ist und meines Wissens sogar ohne Farbstoff abgefüllt wird. Echte Qualität spricht sich eben rum…

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4 Kommentare on “Bloody Orkney”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Danke, das verdammte Gedicht kannte ich noch nicht 😉

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  2. gnaddrig sagt:

    Und wieder eine Lücke geschlossen 😉

    Ich bin ja eigentlich nicht so der große Lyrik-Fan, aber manche Gedichte bringen Stimmungen, Eindrücke oder sonstwas verdammt treffsicher rüber.

    Hier habe ich auch den Eindruck, der Mann schreibt, was er sagen will, nicht was sich reimt oder ins verdammte Versmaß passt…

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  3. Django sagt:

    Oh, Highland Park. Beim Urlaub in Schottland vor ein paar Jahren fanden wir hinter der Gardine des Zimmers im Hostel eine halbvolle (oder halbleere?) Flasche davon. Eigentlich keine Whiskytrinker, hat uns das Zeug dann doch ganz gut geschmeckt. Und wir haben durchaus Mitgefühl für den vergesslichen Menschen aufgebracht, der vor uns in dem Zimmer logiert hatte…

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  4. gnaddrig sagt:

    Immerhin ist die Flasche dann bei jemand gelandet, der sie zu schätzen wusste. Ist ja auch was, obwohl der arme Mensch das nie erfahren wird, außer er liest hier zufällig mit…

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