Die Sonne treibt mich an

Neulich ist mir dieser nicht mehr ganz frische Aufkleber aufgefallen:

Was für ein dämlicher Spruch! Ist zwar inhaltlich richtig, gilt aber für erdölbasierten Kraftstoff genauso. Und für solarstromgetriebene Autos auch. Ist jedenfalls kein Alleinstellungsmerkmal für Biodiesel. Und als Abgrenzung zum muskelgetriebenen Tretauto oder zu imaginären Kalte-Fusion-, Raumenergie- oder Reines-Wasser-Antrieben wird es auch kaum gemeint sein.

P.S.: Der Ausdruck Biodiesel ist übrigens ebenfalls bescheuert. Was ist an dem Zeug denn bio? Oder mehr bio als an mineralischem Diesel? Beide werden aus gewachsener Biomasse hergestellt. Und Erdöl gehört zusammen mit Kohle zu den ökologisch einwandfreiesten Rohstoffen überhaupt – völlig ohne menschliche Intervention entstanden. Für Erdöl musste kein Baum eines unnatürlichen Todes sterben, ist kein einziges Rußpartikelchen in die Luft geblasen worden, da ist alles völlig natürlich und, soweit es das überhaupt gibt, sauber abgelaufen.

Die Rohstoffe von Biodiesel stammen dagegen aus industriell betriebener höchst intensiver Landwirtschaft, die riesige Flächen verbraucht (oft genug brandgerodeter Regenwald, für das kleine Extra in der Umweltbilanz; vorn retten wir das Klima und hinten stecken wir ihm heimlich den Dolch in den Rücken, das ist doch gelebte Nachhaltigkeit) und mit problematischen Monokulturen zukleistert, bei der gigantische Mengen Dünger, Pestizide, Wasser und Energie verbraucht werden. Ob das umweltmäßig wirklich so wahnsinnig toll ist? Allenfalls ermöglicht Biodiesel ein bequemes weiter so in der Nutzung von Verbrennungsmotoren, auch wenn das Erdöl dann doch mal zur Neige geht. Damit könnte es der Entwicklung anderer, möglicherweise weniger umweltschädlicher Antriebe im Weg stehen. Ein durchschlagender Erfolg.

Den Ausdruck Biodiesel finde ich jedenfalls genauso verfehlt wie den bescheuerten Spruch oben.

 

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2 Kommentare on “Die Sonne treibt mich an”

  1. christahartwig sagt:

    Man muss den Blick gar nicht in den fernen Regenwald schweifen lassen. Von Berlin aus genügt ein Ausflug ins Brandenburger Umland. Das satte Gelb der blühenden Rapsfelder kann man mögen oder nicht. Aber Rapsfeld an Rapsfeld? Die Agrarflächen werden auch immer seltener von einheimischen Landwirten in Eigenregie bestellt. Die Grundbesitzer leben oft weit weg und müssen die Eintönigkeit der Monokultur nicht ertragen.

    Ich erinnere mich an Spätsommerspaziergänge in meiner Kindheit – kurz vor dem Abernten der Felder. Wir nahmen von jeder Getreidesorte einen Halm mit, und meine Großmutter stellte sie zu Hause in eine Vase: Roggen, Hafer, Weizen, Gerste. Heute müsste man wohl lange suchen nach einem Spazierweg, auf dem man diese Vielfalt antrifft.

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  2. gnaddrig sagt:

    Ja, diese Monokulturen sind nicht so schön, wenn man gefühlt tagelang durch dieselbe Sorte Grünzeug fährt, ganz unbabhängig von der Biospritproduktion und den Risiken und Nebenwirkungen für die Ökosysteme.

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In den Wald hineinrufen

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