Wieviel ist denn das ohne Mehrwertsteuer?

Fastfoodladen. Ich will mir schnell was Essbares besorgen, schaue mir die Auslage an. Ein ärgerlicher Mittfünfziger steht an der Kasse und diskutiert zunehmend ungehalten mit der Kassiererin.

Wieviel ist denn das ohne Mehrwertsteuer? Die Kassiererin schaut auf den Kassenbon, ob er zum Hieressen oder zum Mitnehmen bestellt hat, davon hängt ja der Steuersatz ab (7 oder 19 Prozent, warum auch immer das unterschieden wird), aber für ihn ist ja der Kassenpreis derselbe. In Deutschland werden Preise grundsätzlich mit Mehrwertsteuer ausgewiesen, auch in der Gastronomie. Und auf Kassenbons steht, zumindest bei Ketten, normalerweise auch erstens der Bruttopreis Nettopreis, der Steuersatz, der Betrag der Steuer und ganz am Ende alles aufaddiert zum Nettobetrag Bruttobetrag, den der Kunde dann tatsächlich über die Theke schiebt. Alles ganz einfach, transparent, nachvollzieh- und buchhaltbar.

Ich bestelle mein Essen, die Verkäuferin schmeißt mein Sandwich zusammen, verpackt es, und die ganze Zeit stänkert der Typ weiter rum, weil er irgendwas an der Auskunft der Kassiererin nicht versteht. Eine Kollegin wird hinzugezogen, dann die Filialleiterin. Er checkt es nicht, wiederholt immer unfreundlicher x-mal dieselben Sätze: Wieviel ist denn das ohne Mehrwertsteuer? Wo steht denn das ohne Mehrwertsteuer? Wo steht denn, wieviel Mehrwertsteuer da drauf ist? Unmöglich, kann ja gar nicht sein!

Wahrscheinlich wollte er das Essen auf die Spesenabrechnung tun, aber er benahm sich, als hätte er zum erstenmal in Deutschland Essen bestellt und wäre völlig ahnungslos, wie Kassenbons aufgebaut sind, welche Informationen sie enthalten und wie er sowas abrechnen soll. Dabei dürfte, wer ein Fastfood-Essen auf Spesen abrechnet, das sicher nicht zum ersten Mal tun. Vielleicht hatte er nur schlecht geschlafen, oder Migräne oder was weiß ich.

Wer über die Service-Wüste Deutschland klagt, sollte sich jedenfalls auch mal die andere Seite des Tresens anschauen. Wer in der Gastronomie oder in einem wie immer gearteten Dienstleistungsbetrieb mit viel Kundenkontakt arbeitet, muss sich jede Menge Unfreundlichkeit und Unsinn anhören. Es gibt zu viele Kunden, denen man es einfach nicht recht machen kann, die zivilisiertes Benehmen nicht für nötig zu halten scheinen und die entweder nicht wissen oder nicht wissen wollen, dass sie eine Spur genervter, verärgerter oder urlaubsreif geschossener Servicekräfte hinter sich herziehen. Das müsste eigentlich nicht sein, gutes Benehmen ist kein Hexenwerk, das sollte man normalerweise einigermaßen hinkriegen.

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4 Kommentare on “Wieviel ist denn das ohne Mehrwertsteuer?”

  1. christahartwig sagt:

    Auf jeden Fall übersteigt der Mehrwert von Freundlichkeit die „Mühe“ eines Lächelns bei weitem.

    Zur „Spur genervter, verärgerter oder urlaubsreif geschossener Servicekräfte“: Irgendwann habe ich mal was geschrieben über die Verkettung von einer Unfreundlichkeit über weitere Unfreundlichkeiten bis hin zum wirklichen Unglück. Vielleicht finde ich den Text ja beim Blog-Umzug wieder.

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  2. gnaddrig sagt:

    Klingt interessant, ich hoffe, der Text lässt sich aufstöbern!

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  3. Django sagt:

    Kann es sein, dass dir im zweiten Absatz bei „Und auf Kassenbons steht…“ Brutto und Netto irgendwie durcheinander geraten sind? Denn wenn jemand Netto über den Tisch des Hauses schiebt, gibt es keinen Kassenbon 🙂

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  4. gnaddrig sagt:

    Kann schon sein. Hast eigentlich recht, ich korrigier das mal. Danke für den Hinweis!

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