Von der Dunkelheit

Neulich gesehen:

Das klingt – wie viele solche Kalendersprüche – erstmal beeindruckend. Und dann kommen erste Zweifel – die Sterne scheinen ja auch, wenn es drumherum hell ist. Eine Kerze verbreitet ihr Licht völlig unabhängig davon, ob sie in einem dunklen Keller brennt oder im prallen Sommersonnenlicht.

Ob man das Licht sieht, ob man das so oder so vonstatten gehende Scheinen also wahrnimmt, ist eine andere Frage, und darauf zielt der vermutlich jugendliche Filzstiftartist mit seinem Sternenspruch sicher ab. Wenn’s hell ist, sieht man sie natürlich nicht scheinen.

Der bestirnte Nachthimmel bietet einen großartigen und ergreifenden Anblick, den man nur im Dunklen genießen kann. Das ist aber eine Binsenweisheit, die man eigentlich kaum ausformulieren muss. Anders gesagt, die eigentliche Aussage ist wohl, dass funkelnde Sterne schön sind.

Außerdem: Was macht der Planet mit Ring unter dem Spruch? Gut, Planeten leuchten auch und manche sehen von der Erde aus gesehen genau wie Sterne aus, etwa Venus als Morgen- oder Abendstern. Aber als Illustration für die Sternenschwärmerei ist das doch eher ein Fehlgriff.

Immerhin ist die Form dieses Graffito interessant – Filzstift auf Gehwegpflasterstein aus Beton. Das ist nicht besonders auffällig und nicht allzu viele Leute werden es überhaupt sehen. Sowas kann Geheimtipp- oder Kultcharakter entwickeln, wie seinerzeit die Banane an ausgewählten Hauswänden. Wenn natürlich die Sprüche gut genug sind…

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10 Kommentare on “Von der Dunkelheit”

  1. Achim sagt:

    Die Frage, ob ein Himmelskörper mit hereinbrechender Helligkeit aufhört, elektromagnetische Strahlung abzusondern, war sicher nicht gemeint. Geht wohl eher um Wahrnehmung.

    Um die Sterne herum ist es übrigens eher nicht hell, denn damit Helligkeit entsteht, braucht es eine Atmosphäre (und sei sie aus Staub), die das Licht reflektiert.

    Außerdem tippe ich eher auf eine Filzstiftartistin – der Handschrift nach. Ganz festlegen will ich mich aber nichtt…

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  2. gnaddrig sagt:

    Stimmt, die Schrift sieht eher nach Artistin aus.

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  3. Pfeffermatz sagt:

    Saturn ist aber fett geworden. Ist wohl in der Midlife-Phase.

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  4. gnaddrig sagt:

    Tja, irgendwann erwischt es jeden…

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  5. christahartwig sagt:

    Auf einer Gehwegplatte könnte so eine „Weisheit“ auch auf einen Traum vom Walk of Fame hindeuten, und die Berühmtheiten strahlen ja wirklich nur im Heer der Nicht-Berühmtheiten.

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  6. gnaddrig sagt:

    Mag sein. Und diese Platte hebt sich ja jetzt von den übrigen auch ab.

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  7. noemix sagt:

    »Die Ringe des Saturn
    schaun hinten aus wie vurn.«
    (Günther Paal)

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  8. gnaddrig sagt:

    Der Saturn taugt darum nur bedingt als Orientierungshilfe im Raum.

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  9. Herr Ösi sagt:

    Bisschen verhalten am Gehwegrand, da wo schon der Rasen rast, sieht nach Probierkachel aus, wenngleich äußerlich äußerst gelungen, textlich & grafisch 1 A, ein erstes, zögerliches heran Tasten … da kommt noch Großes nach, man spürt es förmlich, nein, man weiß es …

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  10. gnaddrig sagt:

    Mal sehen. Nächstesmal, wenn ich dort vorbeikomme, schaue ich mal nach 🙂

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In den Wald hineinrufen

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