*-fie

Seit einiger Zeit sind sogenannte Selfies voll der Renner. Man fotografiert sich mit dem Handy selbst und stellt die Fotos dann online, auf Facebook, auf Twitter, auf Tumblr, Instagram oder wo man sonst so online unterwegs ist. Es gehört in bestimmten Kreisen unbedingt dazu, ständig Fotos entweder vom eigenen Essen oder eben von sich selbst zu machen und online herumzuzeigen.

Weil man mit dem Handy am langen Arm oft etwas angespannt wirkt und der Handyarm oft unschön ins Bild ragt, hat jemand den Selfie-Stick entwickelt – ein kurzes Stück Metall oder Plastik, an dessen Ende man das Handy befestigen kann und das eine Vorrichtung zum Auslösen der Kamera hat. Solche Dinger haben in den letzten Monaten eine steile Karriere gemacht. Es wurde jede Menge drüber geschrieben, geschwärmt und gelästert, es soll stellenweise Selfie-Stick-Verbote geben. Da steckt Leidenschaft drin, Drama, alles was das Herz begehrt.

Natürlich ist so ein Trend nach ein paar Wochen aufgebraucht – man schaue sich nur an, in welchem Takt die Modetrends der vergangenen 100 Jahre im Quartalstakt durch den Einzelhandel gepeitscht werden, beim wievielten 70er-Neuaufguss sind wir grad? Eben. Also muss was neues her. Und deshalb hat jemand das Polfie erfunden – Fotos von sich mit Polizisten als Zubehör. Während der Polizist etwa einen Strafzettel schreibt, den man wegen Handy am Steuer kriegt oder so, kann man ihn sehr schön als Hintergrund für ein Selfie nehmen.

Was kommt als nächstes? Ich hätte da ein paar Vorschlage, mit denen man wenigstens die Zeit bis Weihnachten letzter-Schrei-mäßig angemessen ausfüllen könnte:

Catfie – Foto von sich mit einer Katze. Katzen sind im Internet bekanntlich ein Selbstläufer, das ganze Ding ist mit Katzenfotos durchseucht. Wenn man sämtlichen Katzencontent löschen würde, könnte man mit dem eingesparten Strom die ganze Schweiz dauerhaft versorgen, und die eingesparte Hardware würde genug Speicherplatz für vollständige und zeitlich unbegrenzte Vorratsdatenspeicherung in Deutschland freisetzen, spekuliere ich mal. Mit Katzenbildern kriegt man also bombig Reichweite, wenn man sich nicht allzu blöd anstellt.

Spiegfie (oder cooler auf Englisch: Mirfie, erinnert sehr schön an das nach einem ähnlich klingenden Herrn benannte Gesetz, das früher oder später jeden erwischt) – Foto von sich selbst vor einem Spiegel. Das kann man dann als „ironisch“ verkaufen – man hält der dummen, jedem noch so bescheuerten Trend hinterhergaloppierenden Meute den Spiegel vor, kann den Trend selbst mitmachen und ist trotzdem fein raus.

Müllfie – Foto von sich mit einem Müllmann. Auch wieder ironisch. Weiß ja jeder, dass das Internet mit Müll voll ist.

Banfie – Foto von sich mit einer Banane. Bananen sind Kunst, und wenn man eine Fair-Trade-Bio-Banane nimmt kann man gleich noch auf die Probleme der Ausbeutung der ehemals so genannten Dritten Welt durch den bösen kapitalistischen Westen sowie auf die Wichtigkeit biodynamischer Landwirtschaft hinweisen.

Apfie – Foto von sich mit einer Apfelsine, das gibt dann gleich Anlass, eines der neuerdings auch beliebten Fotos des eigenen Hinterns zu machen, damit niemand auf die Idee kommt, man hätte vielleicht Orangenhaut. (Ich erkläre hiermit feierlich, obwohl es niemanden angeht und vermutlich auch niemanden interessiert, dass ich keine Orangenhaut habe. Fotobeweise werde ich nicht vorlegen. Könnte ja eh niemand überprüfen ob die überhaupt von mir sind.)

Latfie – Foto von sich mit einer Laterne. Die Zeit der Laternenumzüge naht.

Nikfie – Foto von sich mit einem der ab Spätherbst überall in den Städten herumlungernden Nikolausdarsteller.

Polfie (2) – Fotos von sich mit Politiker(n). Spätestens im Wahlkampf für die nächsten Bundestagswahl werden sicher auch die Bundestagskandidaten in ihren Wahlkreisen für Polfies (2) zur Verfügung stehen. Jedenfalls wenn sie auf ihre PR-Spezialisten hören, die berufsbedingt immer den Finger am Puls der Zeit haben. Der Markt für Make-up-Spezialisten, Doubles und Cardboard-Cutouts (moderne, mit einem Foto bedruckte Art Pappkamerad) wird boomen. Die Wirtschaft wird einen Sprung machen und alles wird gut werden…

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6 Kommentare on “*-fie”

  1. noemix sagt:

    Scheint, als wären die Feeties/Eigenfußfotos in letzter Zeit aus der Mode geraten. (Aber vielleicht kommen die ja auch als hipper Trend wieder, wie diese unseligen Flip-Flops/seinerzeit Badeschlapfen genannt oder Converse Chucks/seinerzeit Gummischweißler genannt: bekanntlich ist ja kein Kaffee zu kalt, als dass er sich nicht neu aufwärmen ließe.)

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  2. aurorula a. sagt:

    Ich habe, als das noch nicht Selfie hieß, ein Bild von meinem Freund und mir mit der Handycam geschossen. Küssend. Jetzt rätsle ich gerade, ob das als Selfie zählt, weil es nicht verwackelt und nicht verzogen ist, nichts im Hintergrund zu sehen ist, und es auch nicht im Internet steht, sondern – iih, analog! – gerahmt auf seinem Tisch.
    Was solls, das Bild jedenfalls ist schön. *schulterzuck*

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  3. gnaddrig sagt:

    @ noemix: Nicht nur kann man jeden Kaffee nochmal aufwärmen, man kann denselben Kaffeesatz auch problemlos mehrmals zum Kaffeebrühen benutzen. Eigenfußfotos werden ganz sicher wiederkommen. Mit den dann aktuellen Modetretern. Dann kommen sie nochmal wieder im Rahmen einer der nächsten Retrowellen mit Sepiafilter. Dann aufbereitet wie Andy Warhols berühmtes Marilyn-Monroe-Bild. Und irgendwann tätowieren sie sich ihre Eigenfußbilder auf die Oberarme.

    @ aurorula: Wenn’s nicht online ist, ist es wahrscheinlich kein Selfie im engeren Sinne, nur ein potenzielles Selfie. Ist aber egal, Hauptsache das Bild gefällt den Leuten, für die es gedacht ist.

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  4. Herr Ösi sagt:

    Pigfie – Sigmar Gabriel macht mehrere Selfies in der Hoffnung, im Zusammenschnitt der Fotos wenigstens ein mal zur Gänze zu erscheinen …

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  5. gnaddrig sagt:

    Och ich weiß nicht. Ich mag Herrn Gabriel auch nicht besonders, aber wenn man was gegen seine Politik oder sein Verhalten hat, kann man das ja inhaltlich angreifen, da muss man nicht ad hominem gehen. Und wenn man gegen seine Politik nichts zu sagen hat, eigentlich auch nicht.

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  6. Herr Ösi sagt:

    Kann man so sehen … aber ich bin ja keine Zeitung und auch kein Reporter, weshalb ich mich Dingen, so wie du, meist abseits vom Mainstream nähere. Übrigens, Politik oder nicht, ich habe mich Herrn Gabriel bereits 2012 genähert, da hatte er noch ganz andere Probleme

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