Aluhut

Verschwörungstheoretikern wird gelegentlich nachgesagt, dass sie (meistens wohl nur im übertragenen Sinn) Aluhüte tragen, um sich vor all dem Unheil zu schützen, das beispielsweise die insgeheim herrschenden Echsenwesen auf telepathischem Weg böswillig über die Menschheit bringen. Aluhüte dienen außerdem auch der Abwehr von allerlei Strahlen (HAARP!), Chemtrails, Impfungen, der Neuen Weltordnung und was weiß ich noch.

In Wirklichkeit ist die Schutzwirkung des gemeinen Aluhuts natürlich ein Hirngespinst, Ausgeburt esoterischer Verpeiltheit, schon weil all diese Übel ja auch von den Seiten oder von unten kommen können und es deshalb keinen Grund gibt, weshalb sie das durch die Alubedeckung vermeintlich geschützte Gehirn nicht trotzdem erreichen können, nämlich am Rand der Mütze vorbei. Alles Blödsinn also.

Jetzt ist mir aber aufgegangen, dass die Aluhutträger vielleicht doch recht haben. Die Erde, die gute alte Mutter Erde, Allahne und Übergöttin – gelegentlich mischt sie sich unter dem Namen Gaia unters Volk – die Erde also trägt nämlich auch Aluhut. Aluminium, habe ich gelesen, ist nach Sauerstoff und Silizium das häufigste Element der Erdkruste.

Der Sauerstoff ist zum Atmen, ohne Sauerstoff keine heilige Flamme, keine Räucherstäbchen, kein Leben. Das Silizium ist für die Schaltkreise des Supercomputers Erde zuständig, da ist es sehr weise von Mutter Erde, das auch mit in die Erdkruste zu packen, dass da genug Rechenpower für die Kommunikation mit den Jüngerinnen und Jüngern vorhanden ist. Und das Alu bildet de facto einen Aluhut. Wenn man bedenkt, dass das Aluminium und das Silizium sich vielfach zu Silikaten verbinden, muss man sagen: Es ist ein intelligenter Aluhut, Rechenriese und Schild in einem, ein naturgewachsenes Hightech-Gerät.

(Vielleicht sollten menschliche Aluhutträger dem Vorbild der Urmutter folgen und ihre Kopfbedeckungen ebenfalls aus einer Mischung aus Aluminium und Silizium herstellen? Oder, da die Ozeane offenbar kaum Aluminium enthalten und die Erde auch dort ausreichend geschützt ist, könnte man auch meerwassergefüllte Schutzanzüge herstellen, so ähnlich wie die wassergekühlten Anzüge von Formel-1-Fahrern, nur mit feiner verzweigten und möglichst flächendeckend bzw. überlappend angeordneten wasserführenden Elementen. Obwohl, unter den Ozeanen ist ja auch Erdkruste. Etwas aufgeweicht vielleicht, aber sicher auch aluminiumhaltig. Vergessen wir die wassergefüllten Schutzanzüge also. Aluhüte sind auch billiger, massentauglicher und viel weniger sperrig.)

Die Erde trägt also Aluhut. Aber hat’s ihr geholfen? Wenn ich in entsprechend orientierten Blogs herumlese, werden dort ja in der Regel eher wirre Botschaften von Mutter Erde gechannelt, als hätte sie zu viel Pilz geraucht oder auf der letzten Weihnachtsfeier des arkturischen Rats zuviel mit Saturn getanzt. Vielleicht sind Aluhüte darum doch nicht so gut? Fragen über Fragen…

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8 Kommentare on “Aluhut”

  1. marana41 sagt:

    Da bringst du mich ins Grübeln.

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  2. gnaddrig sagt:

    Das ist auch der Sinn, dass Ihr nachdenkt und hinterfragt. Wir bei gnaddrig ad libitum nehmen unseren Erziehungsauftrag sehr ernst 😉

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  3. schnecke sagt:

    Du bist ziemlich häufig wirklich echt richtig witzig.
    Der „Griemel-Kicher-mademyday-Faktor ist hoch.

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  4. gnaddrig sagt:

    Freut mich doch sehr, das zu lesen. Danke 🙂

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  5. aargks sagt:

    Tss, tss, noch viel lernen Du musst über Formel 1. Die Fahrer schwitzen bestimmt in ihre Anzüge rein (oder Schlimmeres, was insbesondere bei weißen …. lassen wir das). Aber wassergekühlt sind die Anzüge höchstens beim Regenrennen 😉

    Ansonsten stelle ich mir immer vor, was mit einem Aluhutträger beim Mikrowellenbeschuss passiert – ein zündendes Erlebnis:

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  6. gnaddrig sagt:

    Das mit den Anzügen habe ich nicht extra nachgeprüft, glaube aber, mal was über solche wassergekühlten Anzüge gelesen zu haben. Vielleicht waren es auch keine Formel-1-Fahrer sondern Astronauten oder, ach was weiß ich, ich kann mich ja nicht um alles kümmern 😉

    Das bratzt ja recht hübsch in der Mikrowelle. Jetzt müsste man nur noch testen, inwieweit etwas in Alu Verpacktes dort vor den bösen Strahlen geschützt wäre. Ich sehe weltbewegende Entdeckungen voraus…

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  7. aargks sagt:

    Die Astronauten waren’s, richtig. Sie sollten auch wassergekühlte Unterwäsche bekommen. Wurde dann aber doch verworfen (https://de.wikipedia.org/wiki/Sokol_%28Raumanzug%29#Sokol-KV2).

    Hmmm, weltbewegende Entdeckungen: Man könnte ja mal den wassergekühlten Aluhut andenken 🙂

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  8. gnaddrig sagt:

    Gute Idee. Wenn man in das Überdruckventil eine kleine Turbine einbaut, kann man die so gewonnene Energie gleich zur Unterstützung der Kühlfunktion verwenden. Und schon wieder fast ein Perpetuum mobile erfunden!

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