@gnaddrig

Heute mal ein bisschen Nabelschau. Ich in eigener Sache, genauer: Ich über mich bei Twitter.

Anfangs konnte ich mit Twitter nicht viel anfangen. Ich fand das ganze Ding doof, hatte den Witz daran absolut nicht verstanden und Twitterern pauschal unterstellt, sich damit im wesentlichen nur wichtigmachen zu wollen. (Ungefähr so, wie ich das jetzt ein bisschen, und in vielen Fällen sicher wieder zu unrecht, mit bärtigen Duttträgern tue; bei Moden und allen Dingen, die jeweils grad furchtbar in sind, bin ich praktisch immer misstrauisch. Mein Herz schlägt eher für den Underdog, nicht für die, die fotogen auf der Mainstreamwelle reiten. Dagegensein aus Prinzip und als Selbstzweck finde ich trotzdem doof.)

Dass ich meine Blogbeiträge, seit ich auf WordPress.com bin, auch per Twitter verbreite, hatte einzig den Grund, dass WordPress das als automatische Funktion anbietet und ich das einfach ausprobieren wollte als zusätzlichen Kanal (Google+ nutze ich nicht, LinkedIn auch nicht, Facebook will ich nicht, für Tumblr hätte ich zwar die Fotos, aber die stehen ja auch hier ganz gut). Nachdem ich mein Twitter-Konto angelegt hatte, war ich in den ersten Jahren aber kaum je selbst auf Twitter unterwegs.

Anlässlich mehrerer Aufregerthemen in den letzten anderthalb, zwei Jahren habe ich mich dann doch gelegentlich bei Twitter angemeldet und ein paar Tweets von mir gegeben, und allmählich fing es an, mir zu gefallen. Man kann da sehr schön live miterleben, wie sich öffentliche Meinung bildet und äußert, quasi dem Zeitgeist den Puls fühlen (auch wenn zwei Drittel der betreffenden Tweets redundant sind, weil tausend Leute immer dieselbe Aussage retweeten oder selbständig zum Besten geben). Man kann sich sehr schnell mit vielen Leuten in Verbindung setzen bzw. quasi in Echtzeit aktuelle Themen diskutieren, und wenn man prägnant oder böse genug formuliert, kriegt man sofort Feedback. Hat Charme.

Wegen der Begrenzung auf 140 Anschläge pro Wortmeldung kann man allzu Komplexes nicht bringen, man ist zur Kürze gezwungen. Deshalb eignet sich das Medium v.a. zu lakonischen Seitenhieben, zum Ätzen und Sich-lustig-machen. Durch die erzwungene Zuspitzung konzentriert man sich aber auch auf das Wesentliche.

Natürlich kann man längere Texte als Bilddatei einbinden, aber das ist irgendwie ein bisschen geschummelt. Trotzdem kann sich das lohnen, weil man die Texte sonst auf mehrere Tweets verteilen müsste, und Tweetserien liest kaum mal wer am Stück. Wenn man sich kurz genug fasst, funktionieren solche Texttafeln, zumindest als Beginn einer Diskussion, als Vorstellung eines Themas.

Ohne Twitter jetzt gleich zu meinem Hauptsprachrohr machen zu wollen – es hat was. Es macht Spaß, und ich kann mal eben meine Meinung in die Welt blasen, ohne einen ganzen langen Text zu verfassen oder mein Blog mit allzuvielen allzukurzen Blogartikeln vollzustopfen. Und es gibt Tage, da passiert viel und ich habe bisweilen zu allem und jedem was zu sagen. Oft muss man das schnell äußern, sonst ist die Gelegenheit vorbei. Und, muss ich zugeben, schnell aus der Hüfte dahingerotzte Anmerkungen liegen mir. Ob ich darin besonders gut bin, weiß ich nicht, aber Spaß macht es jedenfalls! Die meisten Blogartikel, finde ich, sollte man auch nächstes Jahr oder in fünf Jahren noch lesen können, Tweets sind dagegen eher ein Gegenwartsmedium.

Nun bin ich nicht dauerhaft auf Twitter präsent, sondern eher so schubweise. Ich twittere auch nie per Handy. Aber immer mal, wenn ein mich interessierendes oder bewegendes Thema dort Wellen schlägt, zwitschere ich dort als @gnaddrig mit. Und es macht tatsächlich Spaß.

Dabei folge ich weniger bestimmten Leuten, sondern beobachte bestimmte Hashtags. Zuletzt waren das #Galgen und #Vorratsdatenspeicherung, vor einer Weile das #Alkoholverbot und die berüchtigten #vermeintlicheFreiheitsrechte und immer wieder der beliebte #Aluhut.

So, Ende der Durchsage, ich muss wieder zwitschern gehen.

Advertisements

4 Kommentare on “@gnaddrig”

  1. Ich überlege gerade aus den gleichen Gründen (Blog), mich bei Twitter anzumelden, aber irgendwie schreckt mich der entfesselte braune Mob, der aktuell im Netz sein Unwesen treibt. Wie sieht es da bei Twitter aus?

    Gefällt mir

  2. gnaddrig sagt:

    Ja, den Mob gibt es da durchaus. Überhaupt eine große Empörungsfreude. Man kann das aber weitgehend vermeiden, indem man für bestimmte Themen angelegte Hashtags vermeidet. Unter #Pegida, #Galgen, #Asyl[egalwas], #Lügenpresse u.ä. treffen erwartungsgemäß die beiden Lager aufeinander. Da hat man dann auch immer ein paar Brandstifter dabei. Das kriegt man aber nicht mit, wenn man diese Hashtags vermeidet bzw. bei den entsprechenden Themen engagierten Leuten dort nicht folgt.

    Natürlich kann es immer noch vorkommen, dass jemand auf einen aufmerksam wird, mit dem man nicht so kann, wie beim Bloggen auch. Aber damit wird man wohl leben müssen, wenn man sich überhaupt öffentlich äußern will.

    Gefällt mir

  3. aargks sagt:

    Tscha, dank Deines Artikels bin ich auch seit gestern am Zwitschern, nachdem ich ewig hin- und herüberlegt hab. Na dann mal schauen, ob das was was wird. Und wie. Und überhaupt. 😉

    Gefällt mir

  4. gnaddrig sagt:

    Schick. Ich bekomme Allmachtsphantasien – ich schreibe was über Twitter und die Massen melden sich an und twitschern los 😉

    Gefällt mir


In den Wald hineinrufen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s