Knackig?

Fundstück vom Markt: Ein Fischhändler preist auf seinem Wagen u.a. Knackige Fischbrötchen an. Das kollokiert nicht. (Kollokiert nicht ist Übersetzerlatein für passt nicht zusammengehört da nicht hin, falsches Wort an der Stelle.)

Weder Brötchen noch Fisch sind nach meinem Empfinden knackig und sollten das auch normalerweise nicht sein, außer das Wort hat in der Gegend, wo der Mann herkommt, eine andere Bedeutung.

(Duden bietet als synonym knusprig an, das passt für mein Empfinden nicht recht. Ein frisches Brötchen ist knusprig, aber sicher nicht knackig, und Fisch ist weder noch. Ein anderer Vorschlag von Duden, frisch, passt schon eher, hat aber mit knackig nur zu tun, dass knackig auch frisch sein kann, frisch aber nicht unbedingt knackig sein muss. Eine andere von Duden angebotene Bedeutung, wohlgeformt, jugendlich frisch und dadurch anziehend und erotisierend, bringt uns in abwegiges Gelände, das passt auch nicht. Von daher halte ich knackig hier für eine unpassende Wortwahl.)

Aber „knackig“ ist sowieso ein blödes Wort bzw. wird in kulinarischen Kontexten oft auf bescheuerte Art verwendet. „Knackiger Salat“ etwa – Salat ist nicht knackig, Kopfsalat schon gar nicht. Das einzig womöglich ansatzweise Knackige, nämlich die Blattansätze, wird da ja immer penibel ausgeschnitten. Kopfsalat ist deshalb sogar im besten Fall nur ein matter, oft bitterer Biofüllstoff, bestenfalls als Salatsoßenträger zu verwenden, erst recht die welken Schnipsel, die in kantinenüblichen Salatbars das Karma der ganzen Firma runterziehen. Ein ökotrophologisches Feigenblatt für Schnitzel mit Pommes, anders gesagt: Überflüssig. Unnötig. Übrig.

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7 Kommentare on “Knackig?”

  1. berlienchen sagt:

    Ein knackiger Text 🙂 Hat Spaß gemacht ihn zu lesen, auch wenn knackig hier sicher nicht der richtige Ausdruck ist, eher erheiternd.

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  2. gnaddrig sagt:

    Knackig als Beschreibung für Texte finde ich jetzt wieder gut (ganz egal, ob es um einen Text von mir geht). Danke 🙂

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  3. noemix sagt:

    Der Name der Knackwurst ist gemäß Wikipedia-Etymologie eine Wortbildung des 16. Jahrhunderts nach dem knackenden Geräusch beim Zerbeißen des Darms. Dennoch würde keiner auf die Idee kommen, eine Knackwurst schmecke »knackig«. Als »knackig« werden oft stramme, wohlgeformte menschliche Hinterteile bezeichnet, »zum Anbeißen« sozusagen. (Obwohl es im allgemeinen eher unüblich ist, in menschliche Hinterteile zu beißen ; )

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  4. gnaddrig sagt:

    Stimmt, Hinterteile können knackig sein. Was das Reinbeißen angeht, in den Hintern beißen möchte sich redensartlich mancher selbst anlässlich eigener dummer Fehler. Aber knacken tut da normal nichts.

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  5. Stefan R. sagt:

    Wie sagte da einst Wiglaf Droste? Salat ist sinnlos, knackt aber.

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  6. gnaddrig sagt:

    Recht hat er da, der Droste. Darauf eine fassfrische Premium-Gülle. (Ansonsten ist seine Tirade über Blähsprache eher etwas schwach, finde ich, zu sprachnörglerisch).

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  7. Achim sagt:

    Droste halt. Als Pausenclown der taz-Wahrheit hatte er ab und an einen lichten Moment, aber wieso derart viele Menschen lustig finden, was er schreibt, hat sich mir nie erschlossen.

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