Träume vom Unmöglichen

Neulich habe ich eine Tüte Bio-Falafel-Chips gekauft. Ich mag Falafel, ich mag Chips, und ich dachte, wer weiß was die Kombination hergibt. Außerdem stand auf der Tüte ein ziemlich eindrucksvolles Stück Verkaufsprosa. Da hat jemand offensichtlich mit Leidenschaft PR gemacht.

Es handelt sich um die Organic Original Falafel Chips – The Chip For Hummus Dip! von Flamous Brands aus Pasadena, CA. Die holen uns das Unmögliche vom Himmel. Auf der Rückseite der Tüte steht:

We All Dream of the Impossible

Building a time machine, obtaining superpowers, finding a snack that’s both healthy and tasty. Oddly enough, that last one sometimes seems the most out-of-reach.

At Flamous Brands, we’ve done the hard work for you. We make chips that are truly healthy and tasty. Scratch that, delicious! With 21 herbs, vegetables, spices and legumes, our chips are packed with essential nutrients and contain ounce-per-ounce more antioxidants than green tea.

Our products bring you balanced nutrition that you can fully enjoy. So leave the hard work to us and indulge guilt-free.

Auf Deutsch geht das ungefähr so (allerdings habe ich mir wenig Mühe gegeben, den überschwänglichen Tonfall nachzumachen):

Wir alle träumen vom Unmöglichen

Eine Zeitmaschine bauen, Superkräfte erlangen, einen Snack finden, der zugleich gesund und lecker ist. Witzigerweise scheint das Letztere manchmal am Unerreichbarsten zu sein.

Wir bei Flamous Brands haben die schwere Arbeit für Sie schon erledigt. Wir machen Chips, die wirklich gesund und lecker sind. Streiche lecker, setze delikat. Mit 21 verschiedenen Kräutern, Gemüsen, Gewürzen und Hülsenfrüchten sind unsere Chips mit essentiellen Spurenelementen vollgepackt und enthalten mehr Antioxidantien als grüner Tee.

Unsere Produkte bringen Ihnen eine ausgewogene Ernährung, die Sie rückhaltlos genießen können. Lassen Sie uns also die schwere Arbeit tun und genießen Sie ohne schlechtes Gewissen.

Der Zusammenhang zwischen Zeitmaschinen, Superkräften und Knabberkram wirkt etwas gekünstelt, das überzeugt mich nicht recht. Aber gut, das ist eben Werbesprache, noch dazu aus Amerika, wo man in solchen Sachen wohl auch hemmungsloser ist. Leider schmecken die Chips nicht annähernd so gut, wie der Text nahelegt. Man erkennt zwar beim Essen durchaus, dass die Dinger nach Falafel schmecken sollen und nicht nach Thai-Curry oder generischen Gemüsebratlingen, aber mit Falafel haben die ungefähr soviel zu tun wie panierter Bierdeckel mit Wiener Schnitzel. Allerdings soll man diese Wunderchips ja auch nicht solo essen, sondern mit Hummus-Dip. So ein Dip würde dann natürlich auch einen geschmacklichen Beitrag leisten und hoffentlich zu einem befriedigenden Gesamteindruck führen.

Geschmacklich ist das Zeug also nicht die ganz große Offenbarung. Dafür ist es immerhin frei von fast allen gängigen Ernährungsübeln, also Gluten, Weizen, Milchprodukten, Laktose, Transfett, Cholesterin, Mononatriumglutamat, gehärtetem Öl, Konservierungsstoffen, künstlichen Farbstoffen, künstlichen Aromastoffen, Nüssen, Soja und Schalentieren. Insofern ein wahres Wundermittel!

Außerdem enthalten die Chips angeblich zehnmal so viel Antioxidantien wie Gemüsesaft oder grüner Tee. Ob das wirklich sowas Gutes ist, weiß man nicht. Wie es aussieht schützen Antioxidantien nämlich doch nicht durchweg vor Krebs, sondern können in bestimmten Zusammenhängen selbst Krebs verursachen bzw. die (doch nicht durweg bösen) freien Radikale im Körper am Krebsverhindern hindern.

Und schon wieder geht ein langjähriger Ernährungs- und Gesundheitsmythos den Weg des Vergänglichen und reißt ein beliebtes Schwarzweißnarrativ mit in den Abgrund.

P.S.: Wie zufällig hat aurorula a. gerade gestern über Tüten in der Apotheke geschrieben. Das war zwar nicht der Anlass für diesen Text, passt aber irgendwie, zumal in den Kommentaren dort weitreichende existenzphilosophische Überlegungen über die Zusammenhänge zwischen Tüten, Umschlägen, dem Leben an sich und der Rettung bzw. Zukunft der Welt angestellt werden.

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One Comment on “Träume vom Unmöglichen”

  1. Pfeffermatz sagt:

    Auf amerikanischen Produkten findet man schon mal prosaische Verkaufstexte. Ich erinnere mich an eine Tee-Marke aus Kalifornien (weiss den Namen aber nicht mehr), die ich in Kopenhagen entdeckte, mit einer inspirierenden Stories und hübschen Bildern auf der Verpackung… ich habe mich damals schon einfach der unterschiedlichen Schachteln wegen durch alle Sorten gekämpft;)
    Und Paul Newmanns Pasta Sauce: der erzählte auf dem Glas was von seiner Machete und von einarmigen Dieben…

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