Fachkräftemangel!

Das Kunstprojekt Die amtliche Bundescomedyshow Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“, auch bekannt als #BER, war eine Weile etwas aus dem Blick geraten. Andere Themen waren lauter und drängender. Auch schienen alle denkbaren Wendungen und Gags aufgebraucht, es war ein wenig die Luft raus. Jetzt nimmt die unendliche Geschichte aber wieder Fahrt auf.

Vor ein paar Wochen war ja bekannt geworden, dass jemand die Brandschutzwände mit dem falschen Mörtel gebaut hatte, weshalb mehrere Hundert dieser Wände verstärkt oder eingerissen und neugebaut werden müssen.

Dann hatte sich herausgestellt, dass zu schwere Rauchabzugspumpen oder Ventilatoren (oder was weiß ich, ich bin ja auch kein Fachmann) verbaut worden waren, die Plattformen für die Ventilatoren mussten 4 statt wie geplant 2 Tonnen Gewicht tragen. Das hatte Probleme mit der Statik nahegelegt und die Erstellung eines neuen statischen Standsicherheitsnachweises erforderlich gemacht (vulgo: Die betreffenden Decken könnten einsturzgefährdet sein oder die überladenen Plattformen absturzgefährdet. Der ganze Kram muss deshalb sicherheitshalber nochmal überprüft werden).

Jetzt stellt sich heraus, dass auf der Baustelle teilweise Brandschutz-Experten tätig waren, die gar keine Brandschutz-Experten sind. Was das für die von diesen Nichtexperten bisher beackerten Gebäudeteile bedeutet, weiß man noch nicht, aber der (ebenfalls nicht mit Fachleuten besetzte) Aufsichtsrat weiß immerhin, dass es nur ganz, ganz wenige falsche Brandschutz-Experten waren, höchstens eine handvoll, es ist also nicht wirklich schlimm und wird bestimmt auch gar keine Auswirkungen auf irgendwas am Bau haben, es wird weitergemacht wie bisher, alles in Butter.

Immerhin dient dieses Skandälchen dazu, ganz elegant den Boden für die nächste Verschiebung des Eröffnungstermins zu ebnen. Damit alles so bleibt wie immer – Eröffnung in zwei Jahren. Wir erinnern uns, das ist der Running Gag dieser Serie.

Offiziell wird hartnäckig an der Darstellung festgehalten, man versuche tatsächlich, dort einen echten Flughafen zu bauen, den man irgendwann auch für echten Flugbetrieb nutzen wolle (für Gedankenflüge gibt das Ding ja schon seit Jahren jede Menge Anlass). Deshalb tue ich jetzt einfach mal so, als ob ich das glaube, und frage mich sofort, ob bei diesem Bau eigentlich irgendetwas richtig gemacht wurde, ob da wenigstens irgendeine Kleinigkeit nicht vergeigt wurde. Haben sie es geschafft, die Toiletten richtig zu beschriften, oder findet morgen jemand heraus, dass die Urinale in den Damentoiletten hängen? Und werden die Sprinkler mit Frischwasser gespeist, oder hat man die an die Abwasserrohre gestöpselt? Wundern würde es mich ja nicht wirklich.

Eins ist jedenfalls klar, der von der Industrie wiederholt mit Krokodilstränen beklagte Fachkräftemangel ist offenbar Realität im Deutschland des Jahres 2015. Sie haben einfach niemanden gefunden, der das Projekt fachgerecht hätte hinkriegen können. Am Eingang der zur Gedenkstätte #BER umgewidmeten Bauruine wird dermaleinst eine Tafel hängen mit der Aufschrift: Sie konnten es nicht besser.

P.S.: Ich weiß nicht, warum, aber in diesem Zusammenhang muss ich an Mars One denken.


15 Kommentare on “Fachkräftemangel!”

  1. Achim sagt:

    Die Kollegen vom Garten- und Landschaftsbau haben meines Wissens pünktlich (ok, pünktlich, naja, also) zum dann geplatzten Eröffnungstermin im Juni 2012 Vollzug gemeldet. Rasen gesät, Bäume gepflanzt etc. Weswegen nicht nur der Eisenbahntunnel in Betrieb ist (wegen passiver Belüftung muss mehrmals täglich ein Zug durchrauschen), sondern auch ab und zu jemand zum Blumengießen kommt. Siehste, geht doch.
    Wie ist denn das Verhältnis Plan zu Wirklichkeit bei der Karlsruher Kombilösung?

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  2. Naja. Inzwischen ist die Teilnahme am BER fachlicher Selbstmord, d.h. selbst wenn es ein paar Brandschutzexperten _gäbe_, die in der Lage sind da durchzusteigen – man muss ihnen mindestens soviel bezahlen, dass sie sich danach zur Ruhe setzen können.

    In dem Zusammenhang: was ist eigentlich mit dem ganzen Geld passiert, das die seltsamerweise in Konkurs gegangene Bauverschleppungsfirma Inotec(?) kassiert hat? Von soviel Einkommen *kann* man eigentlich nicht in Konkurs gehen. Zumindest nicht versehentlich.

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  3. gnaddrig sagt:

    Ach die Kombilösung. Die hinken natürlich hinterm Plan hinterher (ich glaube, die haben es geschafft, schon kurz nach Baubeginn 14 Monate Verzug zu haben, irgendwas Absurdes war da, soweit ich mich erinnere). Aber es scheint jetzt halbwegs zu laufen, und allzuschlimme Pannen sind eigentlich nicht passiert. Klar, das Stadtarchiv muss erst noch einstürzen. Und vielleicht wird die Einfahrtrampe für die Karlstraße nach Norden statt nach Süden abzweigen. Wir werden sehen…

    Das mit dem Rasen und dem Eisenbahntunnel nehme ich mal zur Kenntnis, das ist doch ermutigend!

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  4. gnaddrig sagt:

    Fachlicher Selbstmord? Mag sein. Oder Gelegenheit, ganz groß rauszukommen. Und das an Imtec gezahlte Geld? Kurze Version: Weg. Da die Firma pleite ist, wird da nicht viel zu holen sein.

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  5. Also isch hätt‘ da ja so ’ne Ideeee…
    Ich würde die Flüchtlunge da einquartieren und jeder, der Lust hat, darf ein bisschen basteln, wo ihm ein Fehler auffällt.
    Das wär‘ doch wirtschaftlich. Oder?

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  6. Dass das Geld wegen Konkurs weg ist, ist mir klar. Mein Punkt ist, dass eine Baufirma mit so einem Auftrag und derart laxer Prüfung der gestellten Rechnungen nicht in Konkurs gehen *kann*, wenn man ihn nicht vorsätzlich oder zumindest grob fahrlässig (woran ich nicht glaube) herbeiführt.

    Und denjenigen, die daran schuld sind, sollte man zumindest ein paar Gesetzbücher an den Kopf werfen können. Bevor sie das Geld sonstwohin verschieben.

    Dummerweise haben die Berliner bereits überdeutlich demonstriert, dass sie die dafür notwendige Mindestkompetenz nicht besitzen – sonst wäre das überhaupt nciht so weit gekommen.

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  7. Achim sagt:

    @ gnaddrig: Wo ist denn das Stadtarchiv? Denn wenn es das Generallandesarchiv erwischt, wissen wir, dass auch in KA Dinge richtig schief laufen können 🙂

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  8. aurorula a. sagt:

    Eine Baufirma, die Staatsaufträge annimmt, kann ganz schnell pleitegehen – in dem Moment nämlich, wenn der Staat die Steuer auf das was er der Baufirma irgendwann zahlt wesentlich vor dieser Zahlung einfordert. (Wird ja nicht etwa der Einfachheit halber verrechnet oder so) Dann ist zwischen ‚Mittel ausgeschöpft‘ und Einkommenssteuervorauszahlung ganz schnell ganz Ebbe in der Kasse.
    Bei unseren gegenwärtigen Staatsschulden würde es mich nicht wundern wenn das öfter vorkommt.

    Und eine Firma die so knapp kalkulieren muß daß sie bei ausgeschriebenen Projekten den Zuschlag erhält oder unter derartigen Bedingungen wie am #BER arbeiten muß (Stichwort Sachverständige des Bauträgers) – die hat bestimmt nicht das dickste aller finanziellen Polster. Kann also die wohl genauso hohen Steuern auf das Geld was sie nicht bekommen hat nicht einfach mal so vorstrecken…

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  9. gnaddrig sagt:

    @ Achim: Stimmt. Ist nur eine Frage, wie weit man danebenhaut bzw. wie sehr man die Dinge schleifen lässt. Ettlingen sollte aber sicher sein…

    @ aurorula a.: Mag sein. Das ist aber dem Vernehmen nach bei Imtec nicht der Fall, die haben ja wesentlich mehr Geld in Rechnung gestellt als sie Leistungen erbracht haben, und das Geld ist ja auch geflossen.

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  10. Arnim Sommer sagt:

    In http://www.imdb.com/title/tt0091541 kommt auch so ein zweier-Running-Gag…

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  11. gnaddrig sagt:

    Hat sogar mit Bauen zu tun und damit, dass es ständig schiefgeht und nie fertigwird. Passt.

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  12. Pfeffermatz sagt:

    @schnipseltippse: das mit den Flüchtlingen geht gaaaar nicht. Unter den Flüchtlingen sollen ja echte Facharbeiter sein. Wo stehen wir, wenn die in einem halben Jahr für lau einen funktionierenden Flughafen hinkriegen?
    Ach ich weiß schon: wir überschütten sie mit bürokratischen Planstellungs-. und Genehmigungs- und Abnahmeverfahren und stellen nach nach drei Jahren Analyse fest, dass der Flughafen so nicht gebaut werden durfte, weil die syrische Dachdeckerausbildung wegen qualitativ-prozeduralen Mängel im Verfahren zur Erlangen eines Asbestentsorgunsgsscheins in Deutschland keine Gültigkeit hat. Alle erfolgreich durchgeführten Flüge der vergangenen drei Jahre werden rückabgewickelt und der arabischen Liga in Rechnung gestellt, die daraus resultierenden Schulden weden weitere drei Jahre später in einem großzügigen Akt entlassen, gegen Abnahme von Schnellfeuergewheren in Wert von 300 Millionen Ocken.

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  13. gnaddrig sagt:

    😀
    Pfeffermatz, das ist eine brilliante Analyse. Ungefähr so läuft das Zusammenspiel von Politik und Bürokratie.

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  14. Yadgar sagt:

    Abreißen und vergessen wäre wahrscheinlich die billigste Lösung, Bombe drauf und gut ist… am besten, wir bitten die US Air Force, da ein paar Daisy Cutter reinzuschmeißen, es muss ja nicht gleich die Atombombe sein!

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  15. gnaddrig sagt:

    Ach ja, der Termin wurde mal wieder, ahem, neu abgestimmt: Eröffnung von Hauptstadtflughafen wird erneut verschoben

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