Dämmerung auf Reisen

Was ich nicht verstehe, was ich echt nicht verstehe: Warum die Bahn in den neuen ICEs (und in den alten, wenn sie generalüberholt werden) keine Leselampen mehr einbaut. Ich fand die Dinger immer sehr nützlich, weil ich gern lese, und zwar ganz altmodisch auf Papier.

Ich habe nichts gegen Lesegeräte, ganz im Gegenteil (Einige meiner besten Freunde haben Lesegeräte! Außerdem wären solche Dinger als Schulbuchersatz ein wahrer Segen, frag mal einer die Kinder, die Tag für Tag einen halben Regalmeter Wissen auf Papier durch die Stadt tragen müssen!), aber wegen des Format- und Anbietergewirrs und des bisweilen anmaßenden Geschäftsgebarens mancher Anbieter – Amazon, heißt es, schießt bei vermeintlichem Fehlverhalten von Kunden schonmal Benutzerkonten ins Nirwana, und dann hat man keinen Zugriff mehr auf die eigenen, käuflich erworbenen(!) Bücher, alle Lesezeichen und Anmerkungen sind futsch und man kann Amazon dann nur über eine dubiose Servicehotline kontaktieren, deren Hauptzweck das Abwimmeln der geschassten Nicht-mehr-Kunden sein soll – deswegen habe ich mir bisher auch kein Lesedingens zugelegt. Außerdem arbeite ich den ganzen Tag am Bildschirm und will ja wenigstens manchmal auch noch was anderes sehen als von hinten beleuchtete Plastikscheiben. Darum lese ich bisher nach Möglichkeit auf Papier.

Aber mittlerweile wäre es eine Überlegung wert. Die Beleuchtung im leselampenlosen ICE ist zwar ganz angenehm und stimmungsvoll, aber eben auch funzelig, indirekt und zum Lesen nur bedingt geeignet. Eine extra Leselampe mag ich auch nicht immer mitschleppen. Gibt es ja, zum Ans-Buch-Klemmen. Besitze ich sogar für den Notenständer. Will ich aber trotzdem nicht immer dabeihaben (müssen) nebst Ersatzbatterien (weil die Batterien natürlich immer im ungünstigsten Moment schlappmachen). Andererseits gilt dasselbe für Lesegeräte – irgendwann machen die Akkus schlapp, und es sind auch zusätzliche Geräte, die man mit sich herumtragen muss.

Andererseits hat man dort bei kluger Bewirtschaftung der Ressourcen seltener das Problem, dass man nichts mehr zu lesen hat, wenn das Buch dann doch schneller ausgelesen ist als erwartet, und man dann den Rest der Fahrt ohne Lesestoff bestreiten muss (das Magazin der Bahn ist stellenweise ganz nett, hat mich aber nie so recht vom Hocker gerissen). Natürlich steht gerade in solchen Fällen der Zug dann wegen Störungen im Betriebsablauf oder Notarzteinsatz im Gleis oder so ewig im Nichts und der Akku des Handys ist auch alle, sodass man nicht einmal Musik hören kann bzw. gezwungenermaßen bei den Mitreisenden mithört. Es ist ein Elend!

Vermutlich sieht die Bahn die Leselampen im Zug hauptsächlich als Kostenfaktor, und wo sich sowieso fast alle mit elektronischem Gerät beschäftigen, wird man sich gedacht haben, dass die Ausgabe für Leselampen unnötig ist. Irgendwie dann doch fast nachvollziehbar, aber trotzdem schade. Ich schmolle jetzt erstmal eine Runde.


5 Kommentare on “Dämmerung auf Reisen”

  1. Yadgar sagt:

    Eine Alternative wäre (allerdings legal nur bei Büchern, die seit mindestens zwei Jahren vergriffen sind): Buch einscannen und dann mit einem Grafikbetrachter (z. B. Irfan View) auf dem Laptop lesen…

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  2. Pfeffermatz sagt:

    Manche deiner besten Freunde haben Lesegeräte? Manche meiner besten Freunde SIND Lesegeräte…
    Und der Akku hält ewig.
    Aber natürlich hast du Recht: Papier ist schon was geiles, und das obwohl die Bücher heutzutage nicht mehr so lecker wie früher…

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  3. Pfeffermatz sagt:

    … “riechen“.. sollte das heißen. Blödes Schreib- und Lesegerät 😦

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  4. gnaddrig sagt:

    Oh ja, Papier ist toll. Besonders gern mag ich die alten, noch mit Bleisatz gedruckten Bücher, wo man die Druckzeilen noch mit den Fingerspitzen spürt. Am besten in Fraktur. Ich lese sehr gern Fraktur, der trauere ich ein wenig hinterher, auch wenn es sinnvoll war, die abzuschaffen und ich die auf keinen Fall wiedereinführen würde. Ist aber eine schöne Schrift, finde ich.

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  5. Achim sagt:

    Ach, um wegen der Bahn zu schmollen gibt es reichlich Gründe. Habe gerade wohl die letzte Elternbesuchsheimfahrt mit ICE 381 hinter mir. Umsteigefrei von S-H nach Berlin: Das war’s dann wohl.

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